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IAA : Neue Motoren braucht das Land

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Alle reden vom Elektroauto, doch die alte Welt gibt sich nicht geschlagen. Die Anziehungspunkte auf der IAA sind die leistungsstarken Sechs- und Achtzylinder bei Audi, BMW und Mercedes-Benz.

          Auf der IAA sind nahezu bei jedem Autohersteller neue oder geänderte Motoren zu besichtigen. Dreizylinder nach Otto- und Dieselprinzip haben Hochkonjunktur und ersetzen die Vierzylinder. Anziehungspunkte sind die leistungsstarken Sechs- und Achtzylinder bei Audi, BMW und Mercedes-Benz. Unkonventionelle Triebwerke gibt es bei den Automobilherstellern nicht, der gute, alte Hubkolbenmotor dominiert und zeigt, welches Entwicklungspotential in ihm steckt.

          Bei allen Neuentwicklungen und Änderungen steht die Verbrauchseinsparung bei unveränderter Fahrbarkeit und guter Leistung ganz oben. Dennoch gibt es immer wieder Paukenschläge, einen davon bei VW. Bisher hat es noch niemand gewagt, einen Vierzylinder mit der leistungsabhängigen Abschaltung eines Zylinders anzubieten.

          Nun präsentieren die Wolfsburger den 1,4-Liter-TSI, bei dem für niedrigen Leistungsbedarf zwei Zylinder abgeschaltet werden. Das ist nicht etwa nur ein Prototyp, der Motor wird vielmehr zu Beginn kommenden Jahres eingeführt. Der 1,4-Liter-TSI (Direkteinspritzung) ist ein Mädchen für alles. Die neue Variante mit Zylinderabschaltung leistet 103 kW (140 PS) und bietet ein Drehmoment von 240 Newtonmeter zwischen 1500 und 4000 Umdrehungen je Minute. Direkteinspritzung und Turboaufladung begünstigen die Abschaltung, die durch Schiebemuffen auf den Nockenwellen erreicht wird. Damit werden Einsparungen von etwa 25 Prozent möglich. Stillgelegt werden bei Bedarf die Zylinder 2 und 3. Nach Auskunft der Ingenieure soll der Motor mit zwei Zylindern nahezu so rundlaufen wie mit vier. Nur beiläufig wollen wir vermerken, dass er für Euro 6 ausgelegt ist.

          Ford präsentiert Dreizylinder-Benziner

          Neu ist auch ein Einliter-Dreizylinder-Benziner für den kleinen VW Up, der sowohl mit 44 kW (60 PS) als auch mit 55 kW (75 PS) angeboten wird. Mit Start-Stopp-Einrichtung sollen die beiden im Up 4,3 und 4,4 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen (Normangabe). Von einem Diesel, etwa als Zweizylinder, ist für den Up (noch) keine Rede, dagegen soll es den kleinen Benziner später mit Erdgasantrieb geben. Er leistet dann 50 kW (68 PS). Dass der Mini-Volkswagen auch mit Elektroantrieb zu haben sein soll, ist schon länger bekannt.

          Einen neuen Dreizylinder-Benziner präsentiert Ford. Ein Liter Hubraum, direkte Einspritzung und Turboaufladung sorgen für gute Fahrleistungen. Der Motor wird in zwei Leistungsstufen mit 74 und 88 kW (100/120 PS) angeboten und geht im kommenden Jahr in Serie. Ebenfalls neu ist der 1,6-Liter-Diesel, der besonders sparsam sein soll. Einen neuen Dreizylinder-Benziner hat ferner BMW entwickelt, er soll aus 1,5 Liter Hubraum 164 kW (224 PS) leisten und ein Drehmoment von 300 Nm entwickeln. Zunächst soll er als Range Extender verwendet werden.

          Ganz neu: ein V8 für den SLK 55 AMG

          Auf der IAA steht zudem der neue Zweiliter-TDI von VW für Euro 6 bereit, allerdings nur als Technik-Demonstrator. Er wird vermutlich im Januar in Details vorgestellt und im Laufe des Jahres in die Serie eingeführt, zunächst im Audi A3. Nur so viel sei verraten: Ladeluftkühler direkt vor den Ventilen, sehr kurze Luftwege, Nockenwellenverstellung, variable Verdichtung, Leistung unverändert, aber ein Verbrauch 25 Prozent unter dem keineswegs schlechten heutigen Zweiliter-TDI. Parallel dazu wird der 1,6-Liter-TDI auf die gleiche Art geändert.

          Mercedes-Benz stellt in Frankfurt die neue B-Klasse vor. Sie wird zunächst mit drei neuen Motoren angeboten. Die beiden Diesel haben 1,8 Liter Hubraum und Leistungen von 80 kW (109 PS) sowie 100 kW (136 PS) und mit 250 und 300 Nm sehr hohe Drehmomente. Mit 83 Millimeter für Bohrung und Hub sind sie quadratisch ausgelegt und werden mit Sicherheit sehr sparsam sein. Mit dem stärkeren Diesel läuft die B-Klasse 210 km/h, er ist zurzeit der stärkste Motor des Programms. Der ebenfalls aufgeladene Benziner mit 1,6 Liter Hubraum hat die gleiche Bohrung von 83 Millimeter wie die Diesel und leistet bei einem Hub von 73,7 Millimeter 90 kW (122 PS) bei 5000/min. Sein Drehmoment von 200 Nm liegt bereits bei 1250/min an. Ganz neu im Mercedes-Benz-Programm ist ein V8 für den SLK 55 AMG, der aus 5,46 Liter Hubraum erfreuliche 310 kW (422 PS) holt sowie ein maximales Drehmoment von 540 Nm. Dennoch wiegt der Motor (trocken) nur 187 Kilogramm und verbraucht im Testmittel 8,4 Liter auf 100 Kilometer. Er kann zwei seiner acht Zylinder abschalten.

          Keine Niederdruck-Abgasrückführung

          Etwas kleiner ist der 1,4-Liter-Ecoflex-Benziner von Opel, der 103 kW (140 PS) leistet und den gleichstarken 1,8-Liter-Saugmotor ersetzt. Der 1,4 ist rund zwei Liter sparsamer und verbraucht in der Insignia-Limousine im Mittel nur 5,7 Liter auf 100 Kilometer. Der bisherige Zweiliter-Turbobenziner mit direkter Einspritzung leistet nun in den Allradmodellen 184 kW (259 PS), arbeitet mit Verstellung beider Nockenwellen und hat zwei Ausgleichswellen. Das maximale Drehmoment von 400 Nm kann sich sehen lassen, ebenso der leicht geänderte Zweiliter-Diesel mit 118 kW (160 PS), der als Ecoflex in der Insignia-Limousine nach Norm 4,3 Liter verbraucht.

          Von Mazda gibt es einen neuen, doppelt aufgeladenen 2,2-Liter-Diesel, der Euro 6 ohne SCR und ohne NOx-Speicherkatalysator erfüllen soll und auch keine Niederdruck-Abgasrückführung benutzt. Wer mehr Diesel-Leistung sucht, muss sich zu Audi bemühen. Hier steht zum ersten Mal der V6-TDI mit 230 kW (313 PS), der sein höchstes Drehmoment von 650 Nm schon bei 1500/min erreicht. Der zweistufig aufgeladene TDI wird zunächst im A7 zu haben sein, den er in 5,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt. Beachtenswert ist auch der neue Zweiliter-Benziner von BMW, der in der höchsten Leistungsstufe 180 kW (245 PS) sowie ein Drehmoment von 350 Nm entwickelt. Er arbeitet mit der von BMW entwickelten Ventilhubverstellung und soll sehr genügsam sein. Eine leistungsschwächere Variante bringt es auf 135 kW (184 PS) und ein maximales Drehmoment von 270 Nm. Beide Motoren erreichen ihr höchstes Drehmoment bei nur 1250/min.

          Quelle: F.A.Z.

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