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IAA 2015 : Standbilder einer bewegenden Messe

Ein Messestand, der sich über drei Stockwerke wie eine Prozessionsstraße hinzieht Bild: Pardey

Einmal einen Bugatti streicheln, ein Lenkrad in die Hand nehmen oder ein Lederpolsters zart beklopfen: Nicht nur das ist auf der der IAA zu sehen. Auch anderes ist zu erlaufen.

          Seit so gut wie jede Digitalknipse Videos drehen kann und in jedem Handy die Andeutung eines Fotoapparats und einer Videokamera steckt, hat das Wort Standbild in seiner Bedeutung zwar keine wirkliche Verschiebung erfahren, aber doch einen merklichen Zugewinn. Häufiger als je ist es nun das Gegenteil von Bewegtbild und nicht länger und vor allem das Denkmal in stehend gegossener oder gemeißelter Gestalt. Und ganz und gar nicht mehr bezeichnet der Plural Standbilder die schon immer vom Personal eines Messestands gemachten Schnappschüsse ihres mehr oder weniger gelungenen temporären Standquartiers.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Seit an die Stelle dieser Schnappschüsse die unzähligen Selfies mit Markenlogo im Hintergrund getreten sind, verbietet es sich angesichts der IAA-Inszenierungen der Automobilhersteller ohnehin, von Messeständen zu reden. Kathedralen sind da errichtet worden, Kultorte, die von Prozessionen durchzogen werden, vorbei an den auf schiefer Ebene ins Licht herabgestiegenen Göttern.

          Scheu legen die Gläubigen Hand an - einmal einen Bugatti gestreichelt zu haben lohnt Anmarsch und auch das Anstehen, bis man an der Reihe ist, seine Verehrung zu bezeigen. Und in antik anmutender Orantenhaltung werden Phablets und Tablets den matt oder fein marmoriert lackierten Göttern entgegengehalten. Hier ein zartes Beklopfen eines runden Hecks oder eines Lederpolsters, und Huch!

          Wo standen noch mal diese verflixten technischen Daten? Bilderstrecke

          Es hupt, die Gottheit stößt mit Macht ins Horn, wenn man an der richtigen Stelle drückt. Schwitzige Nasen und feuchte Hände haben sich von den Gegenständen der ganz nahe herandrängelnden Verehrung noch nicht losgerissen, da erscheinen schon Tempeldiener, wischen nach, wedeln Stäubchen weg, rücken gerade, was sich verschoben hat.

          Zu stiller Betrachtung ist kaum Zeit und Raum, und auch die belehrende Predigt über die Macht und Herrlichkeit der Technik findet kaum mehr als ein halbes, nur widerwillig geliehenes Ohr. Nähe beim nächsten glänzenden Objekt, ein Lenkrad in die Hand nehmen, das man sich nie wird leisten können, das sind auf der IAA in Frankfurt die Standbilder.

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