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Hydraulische Ballenstecher : Einen alten Baum verpflanzt man doch

Kann Bäume ganz sanft anfassen: der Optima 2500 Bild: Eilmes, Wolfgang

Mit dem richtigen Gerät lassen sich auch dicke Bäume verpflanzen. Hydraulische Ballenstecher arbeiten wie große Spaten, die den Wurzelballen vom umgebenden Erdreich abtrennen.

          Das kennt jeder Gärtner: Wenn der Strauch an eine andere Stelle soll, helfen vielleicht ein Spaten und der Einsatz von Muskelkraft. Nach einigen schweißtreibenden Minuten dämmert dann die Erkenntnis, dass das dürre Teil sich arg in den Boden verkrallt hat. Baumschulen haben es da leichter; der Spaten bleibt, aber das Muskelschmalz wird durch hydraulische Leistung ersetzt. Wenn man beides entsprechend dimensioniert, lassen sich damit sogar große Bäume versetzen.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Pionier auf dem Gebiet der Ballenstecher, die unter dem Namen Rundspatenmaschine im Handel sind, ist Optimal-Opitz aus Thalmaessing in der Nähe von Nürnberg. Gründer Dieter Opitz, ein Gartenbauunternehmer, ließ sich Anfang der siebziger Jahre von einer mechanischen Aushebmaschine aus Amerika inspirieren, die den Weg nach Europa gefunden hatte. Die bohrte ihre Schaufel mit Kettenantrieb in den Boden und war so schwach, dass der Boden um die Pflanze erst reichlich gewässert werden musste. In dem Gedanken, dass das doch besser zu machen sein müsste, konstruierte der Tüftler den ersten hydraulischen Ballenstecher. Das Prinzip ist über vier Jahrzehnte das gleiche geblieben: Drei bis fünf spitz zulaufende Spatenblätter sitzen an einem Ring, der an das Trägersystem des Fahrzeugs angeschlossen ist. Der Ring mit den Spaten wird vorn geöffnet, um den Baum geführt und dann wieder geschlossen. Mit hydraulischem Druck - je nach Größe bis zu 260 bar - und unter Einsatz des Fahrzeuggewichts werden die Spatenblätter in den Boden geruckelt. Sie lassen sich zusammen oder einzeln bewegen; was sich ihnen entgegenstellt, wird abgeschert. Einzig größere Felsen sind für die Spaten nicht zu überwinden, sie müssen, wenn der Baum unbedingt verpflanzt werden soll, mit dem Bagger ausgegraben werden. Die Spatenblätter sind gewölbt und haben die Form eines Tortenstücks. Sind sie ganz im Boden, bilden sie unter dem Baum einen geschlossenen Kelch. Wie eine Topfpflanze lässt sich nun der Wurzelballen mit einem schmatzenden Geräusch und mitsamt der Pflanze aus dem Boden heben. Die ganze Aktion dauert nur wenige Minuten. Der Baum wird dann an anderer Stelle wieder eingesetzt, wo die gleiche Maschine zuvor ein identisches Loch gegraben hat. Größere Bäume werden liegend auf dem Lastwagen transportiert, der Wurzelballen dazu in Richtung Fahrerhaus geschwenkt, die Krone ragt hinten über den Lastwagen hinaus.

          An diese Stelle soll er hin: Der Optimal 2500 nimmt Maß Bilderstrecke
          An diese Stelle soll er hin: Der Optimal 2500 nimmt Maß :

          “Die Kunst ist, den Baum dabei so abzuladen, dass er möglichst gerade steht“, sagt Wim Braam, Juniorchef der Opitz Großbaumverpflanzung GmbH aus Heideck. Das Schwesterunternehmen des Geräteherstellers hat sich ganz auf das „Umtopfen“ von großen Bäumen spezialisiert und verwendet dazu die von Opitz-Optimal entwickelten Geräte. Braam hat gerade acht Bäume von etwa einem Viertelmeter Durchmesser auf einem 140 Hektar großen Golfplatz in der Nähe von Schwäbisch Gmünd verpflanzt. Sie dienen den Golfern zur Orientierung. „Die Größe der Bäume ist im Prinzip nicht begrenzt“, erläutert Herbert Porlein, der Bauleiter von Opitz. Werden die Wurzeln sauber abgeschnitten und versorgt, wächst sogar ein alter Baum wieder an. Auch die Jahreszeit spiele keine Rolle - im Winter sei das Verpflanzen sogar einfacher, wenn der Boden gefroren ist. Das schwere Gerät hinterlasse dann weniger Schäden. Der Transport setzt den Möglichkeiten aber doch Grenzen - mehr als vier Meter Höhe der Gesamtfuhre geht nicht, sagt Porlein, weil die Fahrzeuge dann nicht mehr unter den Brücken hindurchpassen. Um jeden Zentimeter zu nutzen, verwendet Opitz als Geräteträger Fahrzeuge des tschechischen Herstellers Tatra mit Allradantrieb. Die wurden einst zum Transport von militärischen Raketen entwickelt und sind dank des Zentralrohrrahmens flacher als vergleichbare Lastwagen westlicher Produktion.

          Braam benutzt für die mittelgroßen Bäumchen das schwerste Gerät, das Opitz im offenen Verkauf hat. Das Modell 2500 wirkt für diesen Zweck leicht überdimensioniert, es sticht Ballen mit 250 Zentimeter Durchmesser und 160 Zentimeter Tiefe aus. Die können, je nach Bodenbeschaffenheit, rund vier Tonnen Gewicht haben, sagt er, hinzu kommt die Masse des Baumes. Damit der Fahrer den richtigen Abstand zum Ausheben findet, wird nach Öffnen des Trägerarmes eine Rückfahrkamera aktiv. Die Bedienung der Hydraulik erfolgt von der Ladefläche aus.

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