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Huawei Honor : Android-Smartphone mit langem Atem

Huawei drängt auf den europäischen Markt, unter anderem mit dem Honor für 300 Euro Bild: Hersteller

Huawei fordert die Mitbewerber heraus: Das Smartphone Honor für zirka 300 Euro überzeugt einerseits mit üppiger Akkulaufzeit. Andererseits verhält es sich häufig äußerst durchschnittlich.

          Zwei chinesische Handy-Hersteller drängen mit aller Macht in den europäischen Markt: ZTE und Huawei. Es sind keine jungen Unternehmen, beide wurden bereits in den 1980er Jahren gegründet und sind vor allem als Netzwerkausrüster bekannt. Nun wollen sie auch bei den Endgeräten mitmischen und den Platzhirschen die Stirn bieten. Zumindest mit gesundem Selbstbewusstsein: „Wir gehen davon aus, dass Sony, LG und Motorola bis zum vierten Quartal auf dem deutschen Markt keine Rolle mehr spielen werden“, sagte Huaweis europäischer Vizepräsident Lars Christian Weisswange auf dem Mobilfunk-Weltkongress in Barcelona.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zunächst trumpften die chinesischen Hersteller mit besonders günstigen Smartphones für unter 100 Euro auf. Doch nun geht Huawei in die Qualitätsoffensive und präsentiert mit der Ascend-Modellreihe zwei Geräte, die dank Vierkern-Prozessor ein besonders hohes Arbeitstempo sowie eine spektakuläre Bildschirmauflösung von 1280 × 720 Pixel bieten. Bereits lieferbar ist das Huawei Honor, das wir einige Zeit ausprobiert haben. Warum sollte man sich dieses Smartphone ansehen? Was kann es besser als die Konkurrenz? Und wo liegen seine Vorzüge im Vergleich mit Sony, LG oder Motorola?

          Größer und deutlich dicker als ein aktuelles iPhone

          Für 300 Euro erhält man einen Androiden in sehr konventionellem Design mit viel Plastik. Die rückseitige Abdeckung ist geradezu filigran und lässt sich nur mit einem gewissen Kraftaufwand abrupfen. Aber die Spaltmaße sind ordentlich, und der tragende Korpus wirkt verwindungssteif und robust. Mit Maßen von 12,2 × 6 × 1,1 Zentimeter ist es etwas größer und deutlich dicker als ein aktuelles iPhone. Im Unterschied zu anderen Androiden in Übergröße passt es noch gut in die Hosentasche und liegt mit seinem Gewicht von 140 Gramm im Mittelfeld. Die 10-Zentimeter-Anzeige löst mit 854 × 480 Pixel auf, spiegelt deutlich, nimmt Fingerfett gern an und wirkt flau und kraftlos im Vergleich mit einer Amoled-Anzeige. Dass sich das Display bei hellem Sonnenschein nur schlecht ablesen lässt, sei ebenfalls angemerkt. Fazit bis hier: gute Mittelklasse, nichts, was einen vom Hocker haut.

          Und die technische Ausstattung? Ebenfalls ordentliche Durchschnittsware ohne Überraschungen. Der Einkern-Prozessor von Qualcomm ist mit 1,4 Gigahertz getaktet und bietet genug Arbeitstempo für alle Standardaufgaben, selbst die meisten Spiele laufen flüssig und ruckelfrei. Nur sehr leistungshungrige Anwendungen bringen den Prozessor an seine Grenzen, so dass man sich dann doch ein (teureres) Doppelkern-Modell wünscht. Insgesamt ist die Performance zufriedenstellend, obwohl nun auch Huawei am Android-Betriebssystem herumbastelt und einen eigenen Aufsatz über den Google-Kern legt. Der heißt Huawei Android Platform 5.1, bietet geringfügige Vorteile etwa zum Anlegen verschiedener Start-Bildschirme, lässt sich aber wie die Basteleien von Sony, LG und Motorola nicht entfernen, um das bessere „Android pur“ zu erhalten. Derzeit arbeitet das Honor mit dem älteren Android 2.3.6, eine Aktualisierung auf das aktuelle Ice Cream Sandwich (Android 4) ist noch für diesen Monat angekündigt.

          Wie sieht es in der Multimedia-Abteilung aus? Hier bieten sich der Android-Fraktion die größten Chancen für einen starken individuellen Auftritt. Mit der eingebauten Kamera und einer guten Bildqualität kann man sich von den Mitbewerbern unterscheiden. Abermals bleibt das Honor in der Mittelklasse hängen. Zugegeben, die Optik löst mit 8 Megapixel auf. Sie bietet ferner HDR-Aufnahmen. High Dynamic Range erstellt nacheinander ein unter- und ein überbelichtetes Foto. Beide Aufnahmen dieser Belichtungsreihe werden zu einem Hochkontrastbild zusammengefügt. Aber ein starkes Kaufargument sind die mit dem Honor erstellten Schnappschüsse nicht, da ist die Konkurrenz besser. Kleine Pluspunkte wollen wir nicht verschweigen: So erlaubt das Gerät ein Streaming von Medien aller Art mit dem DLNA-Protokoll - aber das können andere auch.

          Nein, bis hier würden wir jedem Interessenten raten, für ein bisschen mehr Geld in der Smartphone-Oberklasse zu stöbern. Da gibt es feine Apparate von Samsung oder HTC mit besseren Kameras und scharfem Design. Aber das Honor hat ein Alleinstellungsmerkmal, bei dem alle anderen passen: die Akkulaufzeit, stets ein wunder Punkt bei Android. Natürlich ist sie abhängig von den installierten Apps sowie der Art und Weise des Umgangs mit dem Gerät. Trotzdem ist die Akku-Optimierung bei Googles Betriebssystem ein ständiges Nervthema. Vielnutzer haben einen zweiten Kraftspender stets dabei oder packen ihr Gerät schon am Nachmittag auf die Ladestation. Das alles ist hier überflüssig: Im täglichen Einsatz kamen wir fast immer auf eine Laufzeit von anderthalb bis zwei Tagen, ein neuer Rekord. Dafür ist an erster Stelle der kräftige Akku mit 1900 Milliamperestunden verantwortlich, und an zweiter Stelle greifen Stromsparmechanismen der Software. In dieser Hinsicht hat Huawei alles richtig gemacht, die lange Ausdauer bietet ein ganz neues Android-Erlebnis jenseits von Ladestation und Steckdosen-Suche. Ob dieses Detail für eine spektakuläre Aufholjagd ausreicht, muss sich jedoch zeigen.

          Quelle: F.A.Z.

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