http://www.faz.net/-gy9-6z16e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 10.04.2012, 10:58 Uhr

Huawei Honor Android-Smartphone mit langem Atem

Huawei fordert die Mitbewerber heraus: Das Smartphone Honor für zirka 300 Euro überzeugt einerseits mit üppiger Akkulaufzeit. Andererseits verhält es sich häufig äußerst durchschnittlich.

von
© Hersteller Huawei drängt auf den europäischen Markt, unter anderem mit dem Honor für 300 Euro

Zwei chinesische Handy-Hersteller drängen mit aller Macht in den europäischen Markt: ZTE und Huawei. Es sind keine jungen Unternehmen, beide wurden bereits in den 1980er Jahren gegründet und sind vor allem als Netzwerkausrüster bekannt. Nun wollen sie auch bei den Endgeräten mitmischen und den Platzhirschen die Stirn bieten. Zumindest mit gesundem Selbstbewusstsein: „Wir gehen davon aus, dass Sony, LG und Motorola bis zum vierten Quartal auf dem deutschen Markt keine Rolle mehr spielen werden“, sagte Huaweis europäischer Vizepräsident Lars Christian Weisswange auf dem Mobilfunk-Weltkongress in Barcelona.

Michael Spehr Folgen:

Zunächst trumpften die chinesischen Hersteller mit besonders günstigen Smartphones für unter 100 Euro auf. Doch nun geht Huawei in die Qualitätsoffensive und präsentiert mit der Ascend-Modellreihe zwei Geräte, die dank Vierkern-Prozessor ein besonders hohes Arbeitstempo sowie eine spektakuläre Bildschirmauflösung von 1280 × 720 Pixel bieten. Bereits lieferbar ist das Huawei Honor, das wir einige Zeit ausprobiert haben. Warum sollte man sich dieses Smartphone ansehen? Was kann es besser als die Konkurrenz? Und wo liegen seine Vorzüge im Vergleich mit Sony, LG oder Motorola?

Größer und deutlich dicker als ein aktuelles iPhone

Für 300 Euro erhält man einen Androiden in sehr konventionellem Design mit viel Plastik. Die rückseitige Abdeckung ist geradezu filigran und lässt sich nur mit einem gewissen Kraftaufwand abrupfen. Aber die Spaltmaße sind ordentlich, und der tragende Korpus wirkt verwindungssteif und robust. Mit Maßen von 12,2 × 6 × 1,1 Zentimeter ist es etwas größer und deutlich dicker als ein aktuelles iPhone. Im Unterschied zu anderen Androiden in Übergröße passt es noch gut in die Hosentasche und liegt mit seinem Gewicht von 140 Gramm im Mittelfeld. Die 10-Zentimeter-Anzeige löst mit 854 × 480 Pixel auf, spiegelt deutlich, nimmt Fingerfett gern an und wirkt flau und kraftlos im Vergleich mit einer Amoled-Anzeige. Dass sich das Display bei hellem Sonnenschein nur schlecht ablesen lässt, sei ebenfalls angemerkt. Fazit bis hier: gute Mittelklasse, nichts, was einen vom Hocker haut.

Und die technische Ausstattung? Ebenfalls ordentliche Durchschnittsware ohne Überraschungen. Der Einkern-Prozessor von Qualcomm ist mit 1,4 Gigahertz getaktet und bietet genug Arbeitstempo für alle Standardaufgaben, selbst die meisten Spiele laufen flüssig und ruckelfrei. Nur sehr leistungshungrige Anwendungen bringen den Prozessor an seine Grenzen, so dass man sich dann doch ein (teureres) Doppelkern-Modell wünscht. Insgesamt ist die Performance zufriedenstellend, obwohl nun auch Huawei am Android-Betriebssystem herumbastelt und einen eigenen Aufsatz über den Google-Kern legt. Der heißt Huawei Android Platform 5.1, bietet geringfügige Vorteile etwa zum Anlegen verschiedener Start-Bildschirme, lässt sich aber wie die Basteleien von Sony, LG und Motorola nicht entfernen, um das bessere „Android pur“ zu erhalten. Derzeit arbeitet das Honor mit dem älteren Android 2.3.6, eine Aktualisierung auf das aktuelle Ice Cream Sandwich (Android 4) ist noch für diesen Monat angekündigt.

Mehr zum Thema

Wie sieht es in der Multimedia-Abteilung aus? Hier bieten sich der Android-Fraktion die größten Chancen für einen starken individuellen Auftritt. Mit der eingebauten Kamera und einer guten Bildqualität kann man sich von den Mitbewerbern unterscheiden. Abermals bleibt das Honor in der Mittelklasse hängen. Zugegeben, die Optik löst mit 8 Megapixel auf. Sie bietet ferner HDR-Aufnahmen. High Dynamic Range erstellt nacheinander ein unter- und ein überbelichtetes Foto. Beide Aufnahmen dieser Belichtungsreihe werden zu einem Hochkontrastbild zusammengefügt. Aber ein starkes Kaufargument sind die mit dem Honor erstellten Schnappschüsse nicht, da ist die Konkurrenz besser. Kleine Pluspunkte wollen wir nicht verschweigen: So erlaubt das Gerät ein Streaming von Medien aller Art mit dem DLNA-Protokoll - aber das können andere auch.

Nein, bis hier würden wir jedem Interessenten raten, für ein bisschen mehr Geld in der Smartphone-Oberklasse zu stöbern. Da gibt es feine Apparate von Samsung oder HTC mit besseren Kameras und scharfem Design. Aber das Honor hat ein Alleinstellungsmerkmal, bei dem alle anderen passen: die Akkulaufzeit, stets ein wunder Punkt bei Android. Natürlich ist sie abhängig von den installierten Apps sowie der Art und Weise des Umgangs mit dem Gerät. Trotzdem ist die Akku-Optimierung bei Googles Betriebssystem ein ständiges Nervthema. Vielnutzer haben einen zweiten Kraftspender stets dabei oder packen ihr Gerät schon am Nachmittag auf die Ladestation. Das alles ist hier überflüssig: Im täglichen Einsatz kamen wir fast immer auf eine Laufzeit von anderthalb bis zwei Tagen, ein neuer Rekord. Dafür ist an erster Stelle der kräftige Akku mit 1900 Milliamperestunden verantwortlich, und an zweiter Stelle greifen Stromsparmechanismen der Software. In dieser Hinsicht hat Huawei alles richtig gemacht, die lange Ausdauer bietet ein ganz neues Android-Erlebnis jenseits von Ladestation und Steckdosen-Suche. Ob dieses Detail für eine spektakuläre Aufholjagd ausreicht, muss sich jedoch zeigen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Flexibel sein und sparen Darum lohnt sich ein Dual-Sim-Smartphone

Zwei Sim-Karten und zwei Rufnummern: Das bedeutet jedoch nicht, dass man ständig zwei Telefone herumträgt. In aller Welt gibt es Dual-Sim-Geräte. Mehr Von Michael Spehr

26.07.2016, 16:23 Uhr | Technik-Motor
Android-Smartphones im Test Google und die glorreichen Sieben

Android beherrscht den Smartphone-Markt. Das hat auch Vorteile: Noch nie war die Auswahl an attraktiven Geräten so groß wie heute. Wir haben sieben schicke Kandidaten der Google-Welt ausprobiert. Mehr Von Marco Dettweiler und Michael Spehr

07.07.2016, 10:34 Uhr | Technik-Motor
Infotainment im Škoda Superb Mit Apple, Google und schnellem LTE

Technikfeuerwerk im Škoda Superb: Gleich vier neue Infotainmentsysteme stellt der Hersteller bereit. Man muss sie nur bedienen können. Mehr Von Michael Spehr

27.07.2016, 11:12 Uhr | Technik-Motor
Nach Anschlägen in Bayern Seehofer kündigt massive Sicherheitsanstrengungen an

Nach den mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlägen von Würzburg und Ansbach hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) massive Anstrengungen im Bereich der inneren Sicherheit angekündigt. Der islamistische Terrorismus ist in Deutschland angekommen, und die Bevölkerung erwartet mit Recht, dass wir dieser Herausforderung mutig die Stirn bieten, sagte Seehofer in Gmund am Tegernsee vor Journalisten. Mehr

27.07.2016, 09:02 Uhr | Politik
Vor der Quartalsbilanz Apple droht mit mieser Stimmung

Apples Aussichten sind nicht rosig. Heute Abend meldet der Konzern wahrscheinlich, dass er weniger iPhones verkauft. Das ist schlecht für den Konzern – aber nicht unbedingt für die Aktionäre. Mehr Von Patrick Bernau

26.07.2016, 15:03 Uhr | Finanzen

Wikilinks

Von Hans-Heinrich Pardey

Nicht selten wird zu absoluten Banalitäten verlinkt. Was uns wiederum auf den Gedanken bringt, ob es nicht Links unterschiedlicher Ordnung geben könnte. Mehr 0