Home
http://www.faz.net/-gy9-74yi8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
IT-Security

HiFi für Smartphones Mit Ghettoblastern geht’s rund

Kompakte HiFi-Anlagen der digitalen Art: auf Smartphone oder Tablet PC Musik abspielen, damit sie kabellos zum Lautsprecher strömt. Wir haben uns vier sehenswerte Produkte angehört.

© Hersteller Vergrößern Zwei Runde und zwei Eckige: Sony und Libratone für den mobilen Einsatz, Yamaha und Samsung für die stationäre Verwendung

Die Musiksammlung steckt im Smartphone? Und die Lieder wollen sich über Lautsprecher Gehör verschaffen? Gute Voraussetzungen, um kurz vor Weihnachten noch ein nettes Geschenk zu finden. Einfach ist es allerdings nicht: Die Menge der Geräte, die digitale Audiosignale verarbeiten und wiedergeben können, ist unüberschaubar. Zudem gibt es verschiedene Ansätze, wie die Musik übertragen wird. Sogenannte Audio-Dockingstationen nehmen die Signale auf verschiedenen Wegen in Empfang: an einem Steckaufsatz oder kabellos über W-Lan oder Bluetooth. Dann gibt es Produkte, die nur auf W-Lan setzen und dafür mobil sind. Jede Lösung hat ihren Charme. Deswegen haben wir uns vier Varianten angeschaut.

Sonys solider schwarzer Kegel

Marco Dettweiler Folgen:    

Warum ein runder Lautsprecher mit 360-Grad-Sound eine clevere Idee ist, zeigt Sony mit seinem SA-NS510 vor allem beim mobilen Einsatz. Den schwarzen Kegel mit eingelassenem Griff kann man an jeder Stelle in der Wohnung abstellen, denn der Sound strahlt in jede Richtung aus. Wechselt man das Zimmer, nimmt man ihn einfach mit. Für diesen Einsatz ist der Lautsprecher schnell eingerichtet. Mit Hilfe einer App bindet man ihn ins heimische Netzwerk ein. Smartphones oder Tablets können dann ihre Musik über das Sony-Gerät ausgeben.

Netzwerklautsprecher / Sony SA-NS510 © Hersteller Vergrößern Sony SA-NS510: Für 349 Euro eine runde Sache. Nur der Akku könnte allerdings besser sein

Für den mobilen Einsatz sorgt ein Akku, der sich während des Netzbetriebs auflädt. Das geht zwar recht zügig, aber das gilt auch für das Entladen - selbst im Standby-Betrieb. Das ist schade, denn gerade der mobile Umgang mit dem NS510 macht viel Spaß. Der Sound ist für diese Geräteklasse sehr ordentlich. Manchmal bildet er eine leichte „Wanne“: Die Mitten treten dann zurück, so dass der Tieftonbereich und die Höhen dominieren. Dafür ist der Bass recht knackig, aber nicht aufdringlich.

Schicker Filz von Libratone

Der kleine Filzzylinder „Libratone Zipp“ klingt noch besser als Sonys Riesenhütchen. Ein linearer und dennoch harmonisch abgestimmter Sound ist zu hören - auch hier mit gelungenem 360- Grad-Effekt. Die Mitten überzeugen, der Gesang ist angenehm klar. Im direkten Vergleich klingt das Sony-Gerät sogar etwas dumpf. In der Tiefe könnte der Libratone dafür ein bisschen mehr „Wumms“ vertragen.

Netzwerklautsprecher / Libratone Zipp © Hersteller Vergrößern Libratone Zipp: Super schick, sehr praktisch, guter Sound. Und recht teuer: 399 Euro

Libratone hat den Mitnehm-Henkel als Schlaufe konzipiert. Er kann somit auch irgendwo aufgehängt werden. Die Membranen verstecken sich hinter dem Stoffbezug, den man dank des Reißverschlusses wechseln kann. Außer dem guten Klang steckt beim Libratone noch ein weiterer Trumpf hinterm Filz. Er arbeitet mit Play Direct: Nach dem Einschalten der Lautsprecher taucht Libratone als eigenständiges W-Lan auf. Wählt man dieses mit iPhone oder iPad aus, strömt die laufende Musik dorthin. Play Direct ist eine Form von Wi-Fi Direct. Mit diesem Standard können Daten direkt zwischen zwei Geräten ausgetauscht werden, ohne dass ein Router dazwischen-geschaltet ist. Libratone Zipp kann man also - wie früher den Ghettoblaster - mit in den Park oder ins Schwimmbad nehmen. Für den Einsatz zu Hause lässt sich Libratone Zipp mit einer App ins Netzwerk einbinden.

Samsung setzt alles auf die Röhre

Nun wird es eckig, schwerer (8,6 Kilogramm) und teurer (599 Euro). Der Samsung DA-E751, in glänzenden Klavierlack gehüllt, will mit seinen beiden rötlich glimmenden Röhren an möglichst exponierter Position aufgestellt werden. Der fehlenden Mobilität setzt Samsung Flexibilität bei der Signaleinspeisung entgegen. iPhones und Samsung-Smartphones haben ihre Steckplätze, Musik kann über W-Lan und Bluetooth gestreamt werden, es gibt einen Audio- und USB-Eingang. Klinken- und Lan-Kabel liegen ebenso bei wie eine Fernbedienung. Die Einbindung ins Netzwerk funktioniert bei Samsung nicht mit Hilfe einer App. Das mobile Gerät wird einfach aufgesteckt. Den Rest regelt das Gerät. Anspielbar ist es am besten mit einem iPhone oder Samsung-Gerät.

Netzwerklautsprecher / Audiodock Samsung DA-E751 © Hersteller Vergrößern Samsung DA-E751: Ein ambitionierter Ansatz mit Schwächen in Klang und Preis. 599 Euro teuer

Der Klang ist der Schwachpunkt des Geräts. Der integrierte Röhrenverstärker mag für hinreichend laute Beschallung sorgen, doch was herauskommt, ist weder „High-Fidelity-Musikgenuss“ noch ein „harmonisches Klangbild“, wie es Samsung verspricht. Der Sound klingt für ein Gerät dieser Preiskategorie zu dumpf, bei voller Instrumentenvielfalt eher matschig. Die Dockingstation wirkt leicht träge, hat Schwächen in der Dynamik. Der Bass ist - wohl aufgrund des Subwoofers - sehr dominant, leider auch etwas breiig. Manche Höhenfrequenzen gehen völlig unter.

Yamahas farbenfroher Alleskönner

Die MCR-B142 von Yamaha hat eine ähnliche Form, sie ist etwas kleiner und leichter, die Oberfläche besteht aus lackiertem Metall, das es in allerlei Signalfarben gibt. Die beiden Lautsprecher liegen frei an der Basis an, so dass sie sich variabel im Raum plazieren lassen. Yamaha verzichtet auf W-Lan und lässt Bluetooth die Audiodateien kabellos übertragen. Es ist sogar eine musikalische Rundumversorgung möglich, denn das Gerät kann auch CDs abspielen, ist für Radioempfang gerüstet und kann als Wecker fungieren. Eine App darf nicht fehlen: Sie kann die Fernbedienung ersetzen.

Netzwerklautsprecher / Audiodock Yamaha MCR-B142 © Hersteller Vergrößern Yamaha MCR-B142: Passt prima in Arbeits- und Jugendzimmer. 329 Euro sind noch okay.

In puncto Klang spielt Yamaha seine ganze Erfahrung aus. Die kleine Kiste spielt fehlerfrei. Tiefen, Mitten und Höhen sind gleichberechtigt. Blecherne, matschige oder dumpfe Momente kommen nicht vor. Von einem echten Raumklang zu sprechen, wäre übertrieben. Aber dafür, dass der Sound aus so einem Gehäuse kommt, vermittelt er einen unerwartet luftigen Ausdruck.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Soundsystem Ton aus Hund

Jean Michel Jarre hat sich dem perfekten Klang verschrieben. Fünf Jahre arbeitete er an einem Konzept. Jetzt stellt er sein neuestes Werk vor: einen Hund. Mehr Von Peter-Philipp Schmitt

12.10.2014, 07:56 Uhr | Stil
Mobiler Dolmetscherdienst für Hörgeschädigte

Das Unternehmen VerbaVoice hat eine Technologie entwickelt, um Gehörlose, Hörende und die begehrten Dolmetscher weltweit per Laptop oder Smartphone zusammen zu bringen. Mehr

09.05.2014, 15:10 Uhr | Wirtschaft
Induktive Ladegeräte für Smartphones Endlich ohne Kabel aufladen

Ladematte statt Kabelsalat: Smartphones können dank induktiver Energieübertragung kabellos aufgeladen werden. Die Unterstützung für den Qi-Standard wächst. Mehr Von Wolfgang Tunze

09.10.2014, 17:30 Uhr | Technik-Motor
Microsoft überspringt eine Ziffer

Mit Windows 10 sollen herkömmliche Computer und mobile Geräte wie Smartphones oder Tablets verbunden werden. In einem Demonstrationsvideo feierte beispielsweise der Start-Button seine Rückkehr auf den Desktop. Auch App-Fenster sollen angepasst werden können. Mehr

01.10.2014, 11:40 Uhr | Technik-Motor
Vor der Apple Keynote Das sind die Alternativen zum iPad

An diesem Donnerstag wird Apple sehr wahrscheinlich die nächsten Versionen seiner iPads vorstellen. Das Tablet wird wieder eines der besten sein, doch die Konkurrenz hat ebenbürtige Alternativen. Mehr Von Marco Dettweiler

15.10.2014, 10:00 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.12.2012, 12:00 Uhr

Und schon ist die Karte hin

Von Hans-Heinrich Pardey

Dummheiten, die das Internet mit all seiner digitalen Verstocktheit aufbewahrt: Aus Sparsamkeit oder aus der „Jetzt helfe ich mir selbst“-Mentalität heraus eine Sim-Karte kleiner stanzen zu wollen. Mehr

Hinweis
Die Redaktion