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Herstellung von Nagellack : Schlammfarben für die Finger

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Grüne Welle: Taucht eine Farbe auf dem Laufsteg immer wieder auf, gibt es sie bald schon auch als Lack Bild: Müller, Andreas

Der letzte Schliff gepflegter weiblicher Äußerlichkeit ist eine Schicht Lack auf den Nägeln. Oft sind es Prominente, die eine Farbe erst salonfähig machen. In der Produktion ist vom Glamour hingegen wenig zu spüren.

          Sei es auf dem roten Teppich oder den Werbeplakaten der Schmuckhersteller, Nagellack darf als i-Tüpfelchen des eleganten Auftretens nicht fehlen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um knallrote Krallen à la Uma Thurman in Pulp Fiction. Für die moderne Frau sind seit einiger Zeit Schlammfarben Pflicht. „Particulière“ oder „You don’t know Jacques“ nennt die Kosmetikindustrie die Farbtöne. Stars und Sternchen traten damit in der Öffentlichkeit auf und machten biedere Grau- und Brauntöne zum letzten Schrei. Nun schlägt das Pendel zurück, Grün- und Orangetöne sind wieder im Kommen.

          Die Herstellung der Nagelzierde ist weniger glamourös. Das zeigt sich schon im Sprachgebrauch der Produzenten. Solange die Farbe noch in Eimern lagert, sprechen sie nicht vom „Lack“, sondern nennen das edle Produkt, fast abwertend, „Bulkware“ oder kurz „Bulk“. Ihre nüchterne Einstellung ist durchaus angebracht. Denn die Lösungsmittel ausdampfenden Lacke sind in großen Mengen nicht ungefährlich. Die Kosmetikhersteller stapeln die Lackbehälter daher in „Ex-Räumen“. Das sind weiß gekachelte Kammern, die mit T-90-Türen verschlossen sind: „Ex“ für Explosion, „T 90“ für 90 Minuten, so lange müssen die schweren Eisenpforten Feuer standhalten. Ein Gitter im Boden mit Auffangwanne darunter, explosionsgeschützte Deckenleuchten und Absaugvorrichtungen vervollständigen das sachliche Interieur.

          Der Lack passend zur Kleidung

          Die Vielfalt der Farben ist nahezu unüberschaubar, die Favoriten der Damen und einiger Herren hängen jedoch stark von der Mode ab. Rot, dezente Klarlacke und Hautfarben werden immer gern gekauft. Grün, Orange und Blau hingegen kommen und gehen. Das stellt die Kosmetikindustrie vor ein Problem: Die meisten Menschen kaufen Nagellacke passend zur Kleidung. Gut laufen daher Farben, welche die Mode widerspiegeln. Die Kosmetikmarken brauchen aber, wenn sie schnell sind, mehrere Wochen, um eine neue Farbe herauszubringen. Hängen die Kleider schon in den Läden, ist es also zu spät. Die Hersteller müssen vorausahnen, was sich durchsetzen wird. Das sind schwierige Entscheidungen, von denen der Erfolg der Marke abhängt. Deswegen beobachten sie genau, was die Stoff-Industrie auf ihren Messen vorstellt. Denn mit diesen Farben und Mustern entwerfen die Modedesigner ihre Kollektionen.

          Die Vielfalt der Farben ist nahezu unüberschaubar, die Favoriten der Damen und einiger Herren hängen jedoch stark von der Mode ab. Rot, dezente Klarlacke und Hautfarben werden immer gern gekauft
          Die Vielfalt der Farben ist nahezu unüberschaubar, die Favoriten der Damen und einiger Herren hängen jedoch stark von der Mode ab. Rot, dezente Klarlacke und Hautfarben werden immer gern gekauft : Bild: Müller, Andreas

          Wie dort lassen auch die Kosmetikfirmen ihre Kundschaft träumen und sich den schönen Schein bezahlen. Mit einer bekannten Marke versehen, werden für die Fläschchen gerne ein paar Euro mehr ausgegeben. Die innere Güte des Produkts hängt indes vor allem von den Pigmenten ab. Das sind kleine, unlösliche Partikel. Sie schweben fein verteilt im Lack und verleihen ihm Farbe und Deckkraft. Weil sich die Pigmente mit der Zeit teilweise absetzen, geben die Hersteller oft zwei kleine Kugeln in die Fläschchen. Beim Schütteln wirbeln sie die Pigmente wieder auf.

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