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Hausboote von Le Boat Drei Tage in der Zukunft

 ·  Hybrid für Charterurlauber: Le Boat hat eine Flotte innovativer Hausboote in Dienst gestellt - eine Pioniertat. Hat die Technik noch Tücken?

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© Jörg van Kann Der Fortschritt nimmt Fahrt auf: Hybrid-Technik verbreitet sich bisher eher zögerlich im Bootsbau. Jetzt nutzt sie der Vercharterer Le Boat im großen Stil für sein komfortables Spitzenmodell Vision 1500

Der Rhein-Marne-Kanal zwischen Straßburg und Nancy ist schmal, außer an den Stellen, wo er sehr schmal ist. Unsere „Vision“ kommt uns anfangs etwas überdimensioniert vor für diese Gegend im Nordosten Frankreichs, wir fragen uns, wie man mit dem Koloss ohne Flugzeugträger-Patent zurechtkommen soll. Dabei verlangt der Vercharterer Le Boat nicht mal einen Sportbootführerschein.

14,97 Meter Länge, 4,65 Meter Breite, 14 Tonnen Wasserverdrängung. Voluminös und hoch ist das Schiff, man schaut von oben herab auf die anderen, die ebenfalls schon so früh in der Saison unterwegs sind. Von beiden Steuerständen aus - innen und außen - sind die Schiffsenden nur zu erahnen, weshalb es Kameras gibt an Bug und Heck und Monitore vor den Lenkrädern. Der idyllische Kanal, der einst eine bedeutende Achse für den Güterverkehr war und nun ganz im Dienste des Wassertourismus zu stehen scheint, ist gespickt mit Schikanen: Engstellen, an denen zwei Boote, die sich begegnen, nicht aneinander vorbeikommen; Schleusen, in die die Vision gerade so eben hineinpasst; das archaisch wirkende Schiffshebewerk von Arzviller, ein Schrägaufzug, mit dem man in einem Trog 45 Höhenmeter überwindet; die Monsterschleuse von Réchicourt mit 16 Meter Höhenunterschied. Die Krönung: die Tunnel von Niderviller und Arzviller, 475 und 2306 Meter lang, düstere, schwach beleuchtete Röhren, so eng, dass bei der Durchfahrt die ausgestreckte Hand das Mauerwerk berühren kann. Ein Abenteuer mit einem Hauch Geisterbahn, nicht jeder kommt ungeschoren durch, wie in den Tunneln herumtreibende Fender beweisen, die beim Andotzen abgerissen wurden.

Wie ein Dressurpferd in Goldmedaillenform

All das lässt uns ziemlich kalt. Wir haben nämlich schnell herausgefunden, dass dieses neue Hausboot anders ist als das, was man sonst so chartern kann. Es lässt sich per Joystick zentimetergenau manövrieren, vorwärts wie rückwärts irgendwohin zirkeln, seitwärts schubsen und auf der Stelle wenden. Es gehorcht wie ein Dressurpferd in Goldmedaillenform, sofern man etwas Fingerspitzengefühl mitbringt und die Ruhe bewahrt. Passanten schauen recht beeindruckt zu, wenn mit diesem Brocken hantiert wird. Dabei ahnen sie nicht einmal, welche Schätze wir an Bord haben: würzigen Vogesen-Käse, roten Wein, Lithium-Ionen-Akkus im Wert von 40.000 Euro.

Le Boat, die zu TUI gehörende Chartergesellschaft mit rund 1000 Hausbooten an 45 europäischen Basen, leistet gerade Pionierarbeit auf dem Sektor der Hybridschifffahrt zu Freizeitzwecken. Sie hat voriges Jahr damit begonnen, den neuen Typ Vision in Dienst zu stellen, zunächst in französischen Revieren. Jetzt kann man ihn auch an Brandenburger Gewässern und der Mecklenburgischen Seenplatte mieten. Alles in allem gibt es schon 62 Stück, 40 davon mit Hybridtechnik. Die stellt einem drei Modi zur Wahl: Fahrt elektrisch (bis zu zwei Stunden), Fahrt unter Dieselmotor, Nutzung desselben im Stand als Generator zum Battierieladen.

Der Einbau-Diesel (55 kW/75 PS) stammt von VW, der Elektromotor (29 kW/40 PS) von ZF Friedrichshafen. Beide bringen das Boot über einen Pod-Antrieb von ZF in Bewegung - eine Propellergondel unterm Rumpf, die sich elektrisch nach Backbord wie Steuerbord um bis zu 55 Grad dreht. Die Vision braucht deshalb kein Ruderblatt. Diese Lenkung ist gewöhnungsbedürftig (extrem direkt, Ruderwirkung nur vorhanden, wenn der Propeller dreht, nicht aber im Leerlauf), aber auch außerordentlich effizient und feinfühlig zu nutzen, sobald man den Bogen heraus hat. Das dauert nicht lange.

Zuckelt man gemütlich vor sich hin, wird wie üblich mit dem Steuerrad gelenkt. Ist in komplizierteren Situationen Präzision gefragt, bietet es sich an, auf Joystick-Steuerung umzuschalten. Das funktioniert nur im Elektrobetrieb und vom Außensteuerstand auf der Flybridge aus. Durch das rechnergesteuerte Zusammenspiel von Pod und Querstrahler im Bug ist man für alle Manöver gerüstet. Es ist kein Kinderspiel, wie behauptet wird, aber um vieles einfacher als das herkömmliche Vor und Zurück mit dem Gashebel plus Gekurbel am Rad.

Küche auf Reihenhausniveau

Im Revier von Elsass und Lothringen werden die Boote auf 8 km/h Höchstgeschwindigkeit gedrosselt. Im Dieselbetrieb beträgt der Verbrauch dann bei gut 2300 Umdrehungen in der Minute laut Anzeige 5 bis 6 Liter in der Stunde. Nutzt man den Elektromotor, regelt das System zum Stromsparen nach etwa 30 Sekunden auf 1650/min herunter, das Tempo sinkt auf 6 km/h. Dieses bis auf ein leises Plätschern lautlose Dahingleiten des Riesenapparats mit der Dieselverbrauchsanzeige „0,0 Liter“ ist ungemein entspannend. Bei solch geringem Tempo kann man hervorragend die Natur dabei beobachten, wie sie in den Frühlingsmodus hinübergrünt. Doch ist auf Dauer das Geschleiche mit erhöhter Schrittgeschwindigkeit eine Geduldsprobe, und man neigt dazu, den Verbrenner zu bemühen, zumal das Boot selbst im Dieselbetrieb so leise schnurrt, dass das Vogelzwitschern in den Bäumen am Ufer das Maschinengeräusch übertönt. Beeindruckend.

Die drei identischen Kabinen erinnern an Hotelzimmer, jede hat ihre einzeln regelbare Klimaanlage, Ventilator, Flachbildfernseher, Schränke, Einzelbetten, die sich zum Doppelbett zusammenschieben lassen und eigene Bäder mit abgetrennten Duschkabinen. Die Küche - mannshoher Kühlschrank, Gasherd, Ofen, Mikrowelle, Arbeitsfläche satt, Schubladen und Schränke wie daheim - hat Reihenhausniveau. Das Sitzarrangement im Bug bietet Panoramaausblick. Überall steht 230-Volt-Strom aus der Steckdose zur Verfügung. Die Toilettenspülungen arbeiten elektrisch, die Lampen sind mit LED bestückt, die Tanks riesig: Frischwasser und Abwasser je 1000, Diesel 500, Fäkalien je Toilette 100 Liter. Und nicht zuletzt beruhigt der massive Rammschutz am Vorsteven, am Heck und an den Rumpfseiten die Nerven ungeübter Kunden wirksamer als die üblichen ringsherum baumelnden Fender. Ansehnlicher ist diese Lösung obendrein. Die Vision ist in der Lage, Begeisterung zu wecken, und doch ist nach drei Tagen, die wir in der Zukunft des Bootsbaus verbrachten, der Eindruck gemischt - wegen des Energiehaushalts an Bord. Den muss man gut im Auge haben. Wer zu sorglos ist, den trifft die Notabschaltung.

Ursprünglichen Planungen zufolge sollte ein großes Solarzellenfeld auf dem Vordeck des als besonders umweltfreundlich konzipierten Ferienboots permanent einen Beitrag zum Laden der Lithium-Ionen-Akkus leisten. Bringt zu wenig, heißt es nun, gibt es nicht, statt dessen nur ein kleines von 1 × 1,60 Meter, über das ein wenig Energie in die drei 12-Volt-Batterien (für Starter, Bugstrahler, Pumpen, Navigationslichter etc.) eingespeist wird. Schwerer wiegt die Tatsache, dass die Vision nicht per Kabel an den Landstrom angeschlossen werden kann. Zwar ist das Kabel vorhanden, doch hat uns der Cheftechniker im lothringischen Stützpunkt Hesse bei der Bootsübergabe eingeschärft, es nicht zu benutzen. Der Grund: Die Vision zieht so viel Strom, dass in den Häfen die 16-Ampere-Sicherungen herausfliegen. Allein die Klimaanlage benötigt 32 Ampere.

Es ist daher ratsam, abends mit möglichst vollen Akkus anzulegen, tagsüber weite Strecken unter Diesel zu fahren, um einen Stromvorrat anzulegen, den Elektroantrieb nur gelegentlich zu nutzen, um sich die Energie für Schleusenmanöver mit Joystickhilfe und abendliches Bordleben aufzuheben. Wer das versäumt, muss im Hafen den Generator bemühen, was weniger wegen des Verbrauchs von 2,7 bis 3 Liter Diesel in der Stunde unangenehm ist, als wegen der Belästigung der Nachbarn. Es passt auch nicht zum Umweltgedanken, den der Anbieter mit seinem Boot verbindet.

Am dritten Morgen ist die Welt in Ordnung

Ladezustand nicht unter 50 Prozent sacken lassen, hatte uns der Techniker mit auf den Weg gegeben. Am ersten Abend kriechen wir, im Glauben, auf der sicheren Seite zu sein, mit gut 50 Prozent ins Bett. Am nächsten Morgen begrüßt uns das System mit einer Art SOS-Piepen - nur noch 25 Prozent, Notabschaltung. Tags darauf ein neuer Versuch mit gut 60 Prozent - gleiches Resultat. Das Schiff muss dann durch einen „Reset“ - eine bestimmte Abfolge von Schlüsseldrehungen und Knopfdrücken - zum Leben erweckt werden.

Nach rund zehn Minuten Generatorbetrieb stehen wieder Licht, Wasser und Wärme zur Verfügung. Warmwasserboiler und Kühlschrank saugen die Nacht über an den Batterien, wird uns später erklärt. In manchen Fahrtgebieten, darunter den deutschen, könne man den Landanschluss legen, sofern Heizung oder Klimaanlage nicht angestellt würden. Am dritten Morgen schließlich ist die Welt in Ordnung: Zwar sinkt über Nacht der Energiepegel von 75 auf 50 Prozent, aber diesmal begrüßt uns das Schiff mit voller Funktion.

Die Bedingungen während unserer kurzen Reise mit Nachtfrost und hohem Energiebedarf waren nicht einfach für die Vision. Bei warmem Wetter dürfte alles einfacher sein, abgesehen davon, dass die Bedienung des Hybridsystems beim Umschalten von einem Modus in den anderen grundsätzlich etwas umständlich anmutet. Es dauert anderhalb Tage, bis man sich alles gemerkt hat. Die Einweisung der Gäste dauere länger als üblich, wird eingeräumt, aber dafür richteten selbst Ungeübte wegen des einfachen Manövrierens relativ wenig Schäden an. Ohne irgendein Patent, auch auf engen Kanälen.

Charter-Wochenpreise für die Vision mit drei (in Klammern vier) Kabinen: Hochsaison Deutschland 4470 (4760) Euro, Nebensaison Deutschland 2465 (2620) Euro, Hochsaison Frankreich 5040 (5175) Euro, Nebensaison Frankreich 2780 (2850 Euro). Weitere Informationen unter www.leboat.de, Telefon 06101/5579112.

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Geboren am 10. Dezember 1959, Redaktion „Technik und Motor“

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