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Hausautomation So startet das Internet der Dinge

Die WeMo-Serie von Belkin kann Elektrogeräte aller Art aus der Ferne steuern. Die Zentrale ist eine App, und die Vernetzung bezieht sogar Internetdienste mit ein.

© Hersteller Vergrößern App-gesteuert: Auf den Apple-Geräten eigene Regeln programmieren

Zur Überwachung von Haus und Hof hatten wir unlängst sogenannte IP-Kameras vorgestellt . Sie haben durchaus ihre Berechtigung, sind aber von Netzwerkexperten für Netzwerkexperten konzipiert, kompliziert in Betrieb zu nehmen und von begrenztem Wert, wenn es um das Zusammenspiel mit Smartphones und Apps geht. Nun deutet sich eine kleine Revolution in dieser Hinsicht an, nämlich die WeMo-Serie von Belkin. Sie macht alles ganz anders, vor allem einfacher, denn die Schaltzentrale ist nunmehr das iPhone oder das iPad.

WeMo besteht derzeit aus zwei Komponenten, weitere sind angekündigt: „Home Automation Switch“ für 50 Euro und „Motion Sensor“, der im Paket mit Ersterem für 100 Euro verkauft wird. Der Switch ist nichts anderes als eine Fernschalteinheit mit Wireless-Lan für Elektrogeräte aller Art (bis maximal 3680 Watt), die sich zeit- oder ereignisgesteuert ein- und ausschalten lassen. Wahlweise lokal (mit einem Taster auf dem Gehäuse), über Ereignisse - oder aus der Ferne mit einem Apple-iOS-Gerät.

Der Motion Sensor wiederum ist ein Bewegungssensor mit Wireless-Lan. Die Zentraleinheit landet ebenfalls in der Steckdose, der Sensor in der Größe eines Hühnereis lässt sich dank eines 1,8-Meter-Kabels frei im Raum aufstellen. Der Clou ist zum einen die raffinierte Inbetriebnahme und Steuerung mit iOS-Geräten, zum anderen die Option, beliebig viele Sensoren und Schalter zu einem Heimnetz zu verknüpfen, und schließlich die IFTTT-Integration.

Regeln programmieren

Der Reihe nach und ausführlich: Die einzelnen Komponenten verbinden sich auf eine geradezu geniale Weise miteinander. Man lade auf seinem iOS-Gerät die gratis bereitgestellte WeMo-App von Belkin und suche anschließend aus dem iPhone oder iPad nach den Wireless-Lan-Netzen, die von der Belkin-Peripherie aufgebaut werden. Das ist im Grunde genommen schon alles. In der WeMo-App wird nun die Verknüpfung zum häuslichen Wireless-Lan noch einmal bestätigt, und schon sind in der App alle Schalter und Sensoren fein säuberlich aufgeführt, und man kann sie individuell benennen, etwa „Schalter für die Lampe“ oder „Schalter für die Jalousie“. Ein weiterer Menüeintrag verknüpft nun die Belkin-Produkte, man kann nämlich Regeln programmieren. Zum Beispiel: Jalousie wochentags um 18 Uhr herunterlassen. Oder: Wenn der Bewegungssensor in der Stufe höchster Empfindlichkeit anschlägt, die Lampe für 15 Minuten einschalten.

Das alles ist im Zusammenspiel fein justierbar und geht weit über die eingangs erwähnten IP-Kameras mit ihrer Software hinaus. Das System ist beliebig skalierbar, man kann also mehrere Schalter und Sensoren für eine differenzierte Heimvernetzung miteinander verknüpfen.

22607100 © Hersteller Vergrößern Bewegungsmelder: WeMo mit Sensor

Dazu kommen noch zwei Extras. Zum einen: die Option, sämtliche Funktionalität sogar jenseits des eigenen Heims in der Ferne über die Mobilfunknetze zu steuern. Man kann also über die App den Status von Schaltern und Sensoren ablesen sowie Regeln erstellen oder ändern. Der Bewegungssensor arbeitete bei uns im praktischen Einsatz äußerst zuverlässig. Über Wochen hinweg gab es nicht einen Fehlalarm, selbst bei Dunkelheit wurden Personen im Raum zuverlässig erkannt. Es bleibt nur ein Wunsch offen: nämlich eine Überwachungskamera. Die gibt es schon in den Vereinigten Staaten, und diese „Netcam“ soll im Frühjahr den Weg nach Europa finden. Ferner wird die WeMo-Serie demnächst um einen Baby-Monitor ergänzt, dessen Software das schreiende Kind besonders gut detektieren soll. Mit der Baby-App lässt sich sogar aufzeichnen, ob und wie oft das Kind nachts weinend aufwacht.

Der zweite große Pluspunkt ist die IFTTT-Integration. Das Kürzel steht für „if this then that“ und bezeichnet einen Internetdienst, der regelbasierte Aktionen in bestimmten Kanälen auslöst. Mit IFTTT kann man ohne Programmierkenntnisse veranlassen, dass zum Beispiel ein neues Instagram-Foto automatisch in der eigenen Dropbox landet. Dazu autorisiert man IFTTT mit seinen Kontodaten und wählt aus den entsprechenden Kanälen aus. IFTTT hat derzeit fast 60 Kanäle und Zehntausende von „Rezepten“, also kleinen Programmieranweisungen. Der Service ist unentgeltlich nutzbar und empfehlenswert.

22607114 © Hersteller Vergrößern Mit W-Lan: der Steckdosenschalter

Die beiden WeMo-Kanäle erlauben es nun, die Belkin-Produkte zu integrieren. Man kann Sinnvolles damit anstellen („schicke eine E-Mail, wenn der Bewegungsmelder anschlägt“) oder Spaßiges: „Schalte die Festbeleuchtung ein, wenn die Facebook-Aktie über 30 Dollar klettert.“ Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn etwa der Bewegungsmelder jedwede Annäherung an die Süßigkeitenschublade mit einem neuen „Ich habe genascht“-Statuseintrag bei Facebook quittiert. Wir nutzten in der Adventszeit mit Apples Sprachassistentin Siri das Kommando „sende Santa Claus eine Nachricht, dass er den Weihnachtsbaum einschalten soll“. Es funktioniert. Ferner haben wir den Sensor mit der App „Pushover“ für iOS und Android probiert. Auf jede erkannte Bewegung hin wurde eine Push-Nachricht aufs Smartphone gesendet, und auch das lief einwandfrei.

Als kleiner Wermutstropfen bleibt die Tatsache, dass die Software anfangs zickte. Bis alles lief und wie gewünscht arbeitete, vergingen mehrere Tage. Zunächst funktionierte der Zugriff auf Schalter und Sensoren nicht über die Mobilfunknetze. Auch bei der IFTTT-Anmeldung benötigt man Geduld, denn die Freischaltung erfolgt nicht sofort. Aber insgesamt zeigt Belkins WeMo exemplarisch die Zukunft der Heimvernetzung: Mit der Anbindung von Internet und App-Welt entstehen ganz neue Szenarien und Einsatzgebiete für das App-gesteuerte Zuhause, man spricht vom „Internet der Dinge“.

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Quelle: F.A.Z.

 
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