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Harley-Davidson Das Funkeln aus Milwaukee

 ·  Harley-Davidson wird demnächst 110 Jahre alt und feuert mit Farbe um sich. Und Jubiläumsmodelle gibt es einige. Doch davon werden jeweils nur eine kleine Menge auf der Welt verteilt.

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© Hersteller Niedrig auf hohem Niveau: CVO Breakout

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Hard Candy Coloma Gold Flake. Es geht dabei nicht um einen Lutscher. Auch eine neue Sorte Frühstücksflocken ist nicht gemeint, sondern: eine Farbe, die Harley-Davidson seiner Kundschaft, nein, seiner Anhängerschaft im Modelljahr 2013 schmackhaft machen will.

110 Jahre besteht die Motor Company im nächsten Jahr. Die Geschichte von den Anfängen anno 1903 in der berühmten Bretterbude von Milwaukee wird aus diesem Grunde abermals aufgefrischt und aufgetischt, es gibt aus diesem Anlass einige Sondermodelle - und eben exzentrischen Flockenlack mit Glitzereffekt im Stil der Siebziger für einige beliebte Modelle, nämlich die Sportster Forty-Eight, die Dyna Street Bob und die Softail Deluxe. Schon seit einigen Monaten wird, wie berichtet, die Sportster Seventy-Two mit rotem Hard-Candy-Glitzerlack angeboten. Der im Frühjahr vorgestellte Chopper war somit, wie sich jetzt herausstellt, der Funkelfarben-Pionier.

Bei dieser Art der Lackierung wird nach Angaben des Herstellers zunächst eine schwarze Grundfarbe aufgebracht. Darauf kommt eine Schicht aus Harz, die zahllose durchgefärbte Plättchen enthält. Diese Partikel sind siebenmal so groß wie die Pigmente herkömmlicher Metallic-Lacke. Es folgen mehrere Schichten Klarlack, die jeweils von Hand glattgeschliffen werden. Die Nachfrage nach den Knallfarben (auch für Helme, übrigens) muss gut sein, denn außer den drei Standardtönen Coloma-Gelb, Rot (“Hard Candy Big Red Flake“) und Glücksgrün (“Hard Candy Lucky Green Flake“) findet sich ein gutes Dutzend weiterer im Zubehörsortiment.

Glücksgefühle löst in Harley-Davidsons Deutschland-Zentrale zurzeit der Blick auf hiesige Zulassungsstatistiken aus: Mittlerweile haben die Amerikaner sich auf Platz drei hinter BMW und Honda vorgearbeitet und die großen japanischen Marken Kawasaki, Suzuki und Yamaha zum Teil deutlich hinter sich gelassen. Bis Ende Juli waren 7469 Harley-Motorräder neu zugelassen (gegenüber 6666 in gleichen Vorjahreszeitraum), der Marktanteil stieg auf gut elf Prozent.

Erste Modellneuheiten für 2013 hat die Motor Company ebenfalls schon angekündigt. Die gut 13 000 Euro kostende Dyna Street Bob, in Deutschland seit Jahren ein Erfolgsmodell, wird dezent überarbeitet. Änderungen betreffen Tankkonsole, Sitzbezug und Batteriedeckel, Tauchrohre und Gabelbrücken sind nun schwarz, neu ist eine vibrationshemmende Lenkererhöhung für den Mini-Ape-Lenker mit innenliegender Verkabelung. Die Rückleuchte verschwindet, Brems- und Rücklichter werden in die Blinker integriert. Zwei Typen der Dyna-Baureihe - Wide Glide und Fat Bob - werden künftig mit Harleys großem „Twin Cam 103“-Motor mit 1690 Kubikzentimeter Hubraum ausgestattet, die Street Bob behält noch den Twin Cam 96 mit 1585 Kubik.

Am Beispiel der bekannten Sportster 1200 Custom (knapp 11 000 Euro) wird demonstriert, wie sich aus einem Fahrzeug, anders abgeschmeckt, ganz unterschiedliche Variationen ableiten lassen. Die 1200 Custom bekommt zwei Schwestermodelle zur Seite gestellt: die Custom A (Bild links unten) im rot-schwarzen Racingdesign mit schwarzen Fünf-Speicheng-Gussrädern, mittig plazierten Fußrasten und niedriger Lenkstange sowie die Variante B in Mattschwarz mit schwarzen Drahtspeichenrädern, gemäßigtem Hochlenker und vorverlegten Fußrasten, die eine Mischung aus Bobber und Chopper darstellt. Von Oktober an sollen sie beim Händler zu besichtigen sein.

Sondermodelle zum 110. Geburtstag gibt es zuhauf, doch wird davon jeweils nur eine kleine Menge auf der Welt verteilt: Sportster 1200 Custom (1500 Stück), Dyna Super Glide Custom (1450), Fat Boy Special (1750), Heritage Softail Classic (1900), Road King (1750) und Electra Glide Ultra Limited (3750 Einheiten) zeichnen sich unter anderem durch eine zweifarbige Sonderlackierung in Schwarz und Bronze sowie das „Anniversary“-Tankemblem mit Adlerschwinge aus massiver Bronze aus, die geschmiedet, schwarz vernickelt und anschließend künstlich gealtert wird. Man gibt in Milwaukee den Kleinigkeiten eine große Bedeutung, was ein wichtiger Bestandteil des „Kults“ um die Marke ist. Mit solch einem künstlich gealterten Emblem am Tank fühlt sich der Harley-Fahrer wieder jung.

Ist er besonders gut bei Kasse, greift er gern auf die aufwendig veredelten, mit viel Sonderzubehör ausgestatteten Spezialmodelle der Abteilung CVO (steht für Custom Vehicle Operations) zurück. Vier bis fünf Typen entstehen Jahr für Jahr durch extremes Aufbrezeln, diesmal sticht die CVO Breakout heraus, ein traumhaft schöner, extrem niedriger, vermutlich mehr als 30 000 Euro teurer Chopper, der ein Starrrahmen-Heck vortäuscht, aber natürlich eine (versteckte) Federung aufweist. Geschmackssache ist sein Ledersattel im Alligator-Look. Wie der Glitzerlack auch.

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Geboren am 10. Dezember 1959, Redaktion „Technik und Motor“

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