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Hardware-Nachrüstung : Scheuer hat recht

Hände weg von Hardware-Nachrüstungen. Die schon laufenden Software-Updates sind die klar überlegene Lösung. Außer Verkehrsminister Scheuer glaubt das offenbar kaum jemand, und doch stimmt es.

          Wenn alle gegen einen stehen, heißt das nicht, dass die Mehrheit recht hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Streithähnen und -hennen in ihrer Regierung aufgetragen, sich bis zum Monatsende auf eine Position zur Nachrüstung älterer Diesel mit neu einzubauenden Teilen, der sogenannten Hardwarelösung, zu verständigen. Verkehrsminister Andreas Scheuer will von nachträglichen Umbauten an privaten Personenwagen nichts wissen, er hält sie für nutzlos verpuffendes Geld.

          Außer ihm glaubt das offenbar kaum jemand, und doch stimmt es. „Wer Fahrverbote vermeiden will, muss die Grenzwerte einhalten. Das ist nur mit Hardware-Nachrüstungen zu schaffen“, lautet indes die Losung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, der viele zuneigen, sie klingt ja auch eingängig – und ist doch falsch. Die erforderlichen Umbauten an älteren Dieselfahrzeugen, wobei im Zweifel von nur drei Jahre alten Autos die Rede ist, bedeuteten beträchtliche Eingriffe in die Karosserie. Nach übereinstimmender Meinung von Professoren an technischen Hochschulen ist allein die aufwendige Nachrüstung mit einem SCR-System samt motorseitiger Anpassung sinnvoll. Die Kosten werden zwischen 3000 und 9000 Euro je Fahrzeug taxiert.

          Selbst wer die der Autoindustrie aufbürdet, kommt an anderen K.-o.-Kriterien nicht vorbei. Das vom Kraftfahrt-Bundesamt durchzuführende Zulassungsprozedere dauert mindestens zwei Jahre. Bis dahin hat sich der Fahrzeugbestand weiter erneuert, so dass der Schadstoffausstoß sowieso sinkt. Mit dem Umbau steigt, das ist unstrittig, der Kraftstoffverbrauch, mithin auch der Ausstoß von CO2. Der läuft dem Klimaziel entgegen und bedroht die Zulassung. Zudem bleibt ein Auto mit Euro 5 Norm auch nach dem Umbau Euro 5, also vom Fahrverbot betroffen. Es kann nur eine Position geben: Die von Scheuer. Hände weg von Hardware-Nachrüstungen. Die schon laufenden Software-Updates sind die klar überlegene Lösung.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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