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Googles selbstfahrende Autos Das Auto wird automobil

 ·  Google verbucht erste Erfolge mit seinem Exotenprojekt selbstfahrender Autos. Immer mehr amerikanische Bundesstaaten wollen sie erlauben. Zur Marktreife ist es freilich noch weit.

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© AFP Vergrößern Fährt von selbst: Toyota Prius mit Google-Technik

Eric Schmidt ist offenbar kein leidenschaftlicher Autofahrer. Wenn der Verwaltungsratsvorsitzende des Internetkonzerns Google die Geschichte noch einmal neu schreiben könnte, dann wären Computer vor Autos erfunden worden. Denn dann hätte man Autos von Anfang an von Maschinen bedienen lassen können. „Ein Auto sollte sich selbst fahren. Ich finde es erstaunlich, dass wir Menschen ans Steuer lassen“, sagte Schmidt vor knapp zwei Jahren in einer Rede. Damals war bekanntgeworden, dass Google an einem Roboterauto arbeitet.

Das Vorhaben macht offenbar Fortschritte. Im Februar verkündete Schmidt: „Fahrerlose Autos werden viel früher kommen, als man denkt.“ Das Projekt sei ein Beispiel dafür, wie aus Science-Fiction Realität werde. Einer der Projektleiter für das Google-Autoprogramm, Anthony Levandowski, wurde vor wenigen Wochen gegenüber dem „Wall Street Journal“ etwas konkreter: „Deutlich vor dem nächsten Jahrzehnt“ sollen selbstfahrende Autos nach seiner Vorstellung marktreif sein. „Wenn nicht: Schande über uns Ingenieure.“

Erfolge auf politischer Ebene

In den vergangenen Wochen verbuchte Google mehrere Erfolge mit seinem Plan, gerade auf politischer Ebene. So verabschiedete der kalifornische Senat ein Gesetz, das selbstfahrende Autos auf den Straßen des Bundesstaats erlauben würde. Das Gesetz muss noch von einer weiteren Parlamentskammer genehmigt werden und könnte dann im Januar 2013 in Kraft treten. Damit würde Kalifornien zum zweiten amerikanischen Bundesstaat nach Nevada, der selbstfahrende Autos zulässt. Nevada wiederum hat vor wenigen Wochen seine erste Lizenz für ein solches Fahrzeug an einen Google-Testwagen vergeben, einen umgerüsteten Toyota Prius. In anderen Bundesstaaten wie Arizona oder Florida sind ähnliche Gesetzentwürfe in Vorbereitung.

Google hat mittlerweile eine kleine Flotte von selbstfahrenden Autos, die mehr als 300.000 Testkilometer zurückgelegt haben. Die Autos sind auf der Golden Gate Bridge in San Francisco gefahren und auf der Amüsiermeile Strip in Nevadas Spielerstadt Las Vegas. Ausgerüstet sind sie mit Kameras, Radarsensoren und auffälligen Laserscannern auf dem Dach. Mit den Geräten wird die Umgebung des Autos erfasst. Die Computer der Fahrzeuge greifen außerdem auf den Informationsschatz in den Datenbanken von Google zurück, zum Beispiel Stadtpläne und Landkarten. Unbemannt wird nicht gefahren, das ist nach den bisher verabschiedeten und geplanten Gesetzen auch nicht erlaubt. So muss ein Fahrer am Steuer sitzen, der schnell auf manuelle Bedienung umschalten kann, etwa wenn die automatische Steuerung versagen sollte.

Viel sicherer

Google argumentiert, der Straßenverkehr würde mit selbstfahrenden Autos viel sicherer, da die meisten Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen seien. Außerdem könnten Roboterautos helfen, den Verkehrsfluss zu verbessern und den Benzinverbrauch zu reduzieren. Politiker, die in einem der Google-Roboterautos mitfuhren, zeigten sich hingerissen. Es gab aber auch Stimmen, die hervorhoben, dass das Fahrzeug längst nicht ausgereift sei. Ein Journalist sagte nach einer Testfahrt, das Google-Auto habe mehrmals unnötig abgebremst. Die Google-Initiative hat für die meisten Schlagzeilen gesorgt, aber der Konzern ist auf dem Gebiet nicht alleine.

Volvo aus Schweden hat vor wenigen Tagen in Spanien einen erfolgreichen Test mit einem Konvoi selbstfahrender Autos absolviert. Beim Sartre-Projekt (Safe Road Trains for the Environment) wird das Führungsfahrzeug von Menschenhand gelenkt, die Kolonnenfahrzeuge aber, die stets denselben Abstand einhalten, folgen automatisch. In Deutschland haben zum Beispiel BMW und Audi Projekte mit selbstlenkenden Fahrzeugen in der Entwicklung.

Das ausgeprägte Interesse am Google-Projekt hat nicht zuletzt damit zu tun, dass es für den Konzern recht weit von seinen Kerngeschäften mit Internetdiensten und dem Verkauf von Onlinewerbung entfernt scheint. Freilich ist Google auch bekannt dafür, exotische Projekte zu verfolgen. So hat das Unternehmen eine als „Google X“ bekannte Forschungseinheit, die an Zukunfstechnik weit jenseits seiner angestammten Internetaktivitäten arbeitet.

Eigene Autoherstellung

Es wird viel darüber spekuliert, welche Absichten Google mit dem Projekt verfolgt und wie der Konzern damit Geld verdienen will. Denkbar wäre, dass Google die Technik an Autohersteller lizenziert. Offenbar führt Google auch Gespräche über entsprechende Partnerschaften. Die „New York Times“ schrieb vor einigen Monaten, Google erwäge sogar, selbst in die Autoherstellung einzusteigen. Das gilt unter etablierten Herstellern nicht einmal als vollkommen abwegige Idee.

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche sagte im Januar in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er wolle nicht ausschließen, dass Unternehmen wie Google oder Apple einmal zu direkten Konkurrenten werden. Freilich sind auch Möglichkeiten der Kommerzialisierung denkbar, die viel näher am bisherigen Geschäft von Google liegen: Einem Fahrer, der sich nicht auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren muss, könnten Filme und damit auch Werbung gezeigt werden.

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