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Golf VII Ein Allradsystem der fünften Generation

Ein erste Probefahrt im VW Golf 4Motion TDI. Im Herbst soll auch 4×4 für den Golf Variant kommen. 1800 Euro Aufpreis kostet der Allradantrieb.

© Schmidt Vergrößern 4Motion ist eigentlich der richtige Antrieb für den Volkswagen Golf

„Ein Allradantrieb zum Preis von vier Winterreifen“. Dieses Schlagwort stammt noch aus der Zeit, als Ferdinand Piëch, heute Aufsichtsratsvorsitzender des VW-Konzerns, Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts „quattro“ bei Audi populär machen wollte. Das ist ihm gelungen, 2012 belief sich die Allradquote allein bei den neu zugelassenen Audi-Personenwagen (ohne A1) in Deutschland auf erstaunliche 16 Prozent.

Frank Boris Schmidt Folgen:  

Davon kann beim VW Golf nicht die Rede sein. Zwar gibt es schon seit 1986 4×4, damals noch mit dem Beinamen syncro, doch wirklich populär wurde der doppelte Antrieb in Deutschlands Auto Nummer eins nie. Die Quote dümpelte zuletzt bei sechs bis sieben Prozent. Allerdings gab es in Verbindung mit Vierradantrieb beim Golf VI nur einen Motor, den Zwei-Liter-TDI mit 103 kW (140 PS).

23121261 © Schmidt Vergrößern 4x4 ist aber nur für den 1.6 TDI und den 2.0 TDI zu haben

Jetzt, beim neuen Golf VII, schickt VW zwei Triebwerke ins Rennen. Den 2.0 TDI, der jetzt 110 kW (150 PS) leistet, ergänzt ein 1.6 mit 77 kW (105 PS). Allrad-Benziner wird es nicht geben, die Nachfrage sei einfach nicht vorhanden, heißt es aus Wolfsburg. Außerdem ist der 4Motion-Golf nur als Viertürer zu bestellen - in den üblichen Ausstattungslinien Trendline, Comfortline und Highline. Der Aufpreis für Allrad beträgt 1800 Euro, wenn man so will, das Äquivalent für vier Winterreifen auf teuren Alu-Rädern (dass Allrad Winterreifen nicht ersetzen kann, sei ausdrücklich betont, denn beim Bremsen bietet 4×4 keine Vorteile). Einen kleinen Nachteil bringt Allrad zudem noch: Das Kofferraumvolumen verringert sich von 380 auf 335 Liter.

Die Motoren (mit Start-Stopp) haben einen Normverbrauch von 4,5 oder 4,7 Liter, was im Vergleich mit dem bisherigen 140-PS-Motor eine Reduktion um 15 Prozent bedeutet. Das Drehmoment der größeren Maschine von 320 Newtonmeter liegt von 1750 bis 3000 Umdrehungen in der Minute an, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 211 km/h angegeben. Mit dem 105-PS-Aggregat sollte man etwas bescheidener sein: 250 Nm und 187 km/h müssen genügen. Die Kraft wird jeweils über eine manuelle Sechsgangschaltung an die Räder geschickt, eine Automatik oder ein Doppelkupplungsgetriebe ist für die Allradler nicht vorgesehen.

23121258 © Schmidt Vergrößern Die Preise beginnen bei 23.425 Euro für den 1.6 TDI und 28.035 Euro für den 2.0 TDI

Eine Haldex-Kupplung (siehe Kasten) sorgt für den optimalen Kraftfluss auf die Räder. Die Technik wurde abermals weiterentwickelt, in der fünften Generation wiegt das Haldex-System 1,4 Kilogramm weniger als bisher, bei einem Mehrgewicht der Allradler von rund 100 Kilo.

In der Regel fließt die Kraft nur zu den Vorderrädern, doch sobald dort Grip fehlt, schalten sich die Hinterräder zu. „Ein Traktionsverlust kann nahezu ausgeschlossen werden“, sagt VW, deshalb könne man auch mit gutem Gewissen von einem permanenten Allradantrieb sprechen. Natürlich wacht über alles die Elektronik, im ESP sind elektronische Differentialsperren integriert, die Kraft wird stets optimal auf die vier Räder verteilt. In schnellen Kurven werden die inneren Räder abgebremst, sobald die Elektronik registriert, dass das oder die Räder zu sehr entlastet werden. So wird das Lenkverhalten optimiert. Im Gegensatz zum herkömmlichen Golf darf der 4Motion statt 1500 bis zu 1700 Kilogramm an den Haken nehmen (bei Steigungen bis zu 12 Prozent). Wird es nicht steiler als acht Prozent, sind sogar 1900 Kilogramm erlaubt.

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Im neuen modularen Querbaukasten (MQB) von VW war Allrad von Anfang an vorgesehen, neu ist hier ein Mittengelenk in der nach hinten führenden Antriebswelle (Kardanwelle). Es sorgt dafür, dass sich bei einem schweren Frontalunfall die Rohre der Welle ineinanderschieben, was wiederum die Verzögerungswerte optimiert.

Der Golf 4Motion ist schon im Handel, die Preise beginnen bei 23 425 Euro für den 1.6 TDI und 28 035 Euro für den 2.0 TDI. Gebaut werden die Allradmodelle ausschließlich in Zwickau (weitere Golf-Produktionsstätte ist Wolfsburg). Wenn im Herbst der Variant die Golf-Palette abermals erweitert, wird auch der mit Allrad zu haben sein. Noch nicht final beschlossen ist eine Alltrack-Variante à la Volkswagen Passat mit etwas höhergelegter Karosserie.

Haldex - die professionelle Hilfe

Nur Anfänger geben Gas. Das gilt jedenfalls beim Einparken, wo geübte Fahrer die Vorwärts- oder Rückwärtsbewegung nur über das Kupplungspedal dosieren. Grundsätzlich funktioniert eine Haldex-Kupplung, die Volkswagen bei den Allradvarianten von Fronttrieblern einsetzt, ähnlich. Im normalen Fahrbetrieb ist der Golf 4Motion ein Auto, bei dem nur die Vorderachse angetrieben wird. Erst wenn das Fahrstabilitätssystem glatte Straßen detektiert, wird die Hinterachse über die Haldex-Kupplung zugeschaltet. Im Gegensatz zu jener Kupplung, die Motor und Getriebe voneinander trennt, handelt es sich jedoch um ein ganzes Paket von Kupplungsscheiben, die hydraulisch gegeneinandergepresst werden. Der Anpressdruck entscheidet darüber, welcher Anteil des Drehmoments an die Hinterachse weitergegeben wird, maximal ist es die Hälfte. Die Haldexkupplung hat gegenüber der im Automobilbau oft verwendeten Visco-Kupplung zwei Vorteile. Sie ist sehr schnell, sie greift nach einer Achtelumdrehung der Getriebeausgangswelle ins Geschehen ein. Und sie produziert, solange sie deaktiviert ist, keinerlei Verlustreibung und schont so den Kraftstoffvorrat. Der Name Haldex geht auf einen schwedischen Zulieferer zurück, der dieses Prinzip einst erfand. Heute gehört Haldex zu Borg-Warner. (jowh.)

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 09.02.2013, 08:00 Uhr

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