http://www.faz.net/-gy9-6xave

Glücksspiel : Casino Internet

  • -Aktualisiert am

200 Milliarden Euro echtes Geld sollen demnächst in virtuellen Casinos ungesetzt werden Bild: © TOBY MELVILLE/Reuters/Corbis

Glücksspiel im Netz wird in Deutschland immer beliebter. Die Anbieter wittern einen Milliardenmarkt, doch gegen Falschspieler und Betrüger müssen Glücksspielbranche und Kontrollinstanzen noch technisch aufrüsten.

          Poker, Roulette, einarmige Banditen, Baccarat und Blackjack hatten bisher eine gemeinsame Grundlage im Internet, und die hieß Flash. Das gern für Animationen verwendete Format sorgt seit mehr als 15 Jahren zuverlässig dafür, dass sich die Rouletteräder drehen, Karten gegeben werden und sich die Walzen der einarmigen Banditen in Bewegung setzen. Ausgerechnet in den Tagen, in denen sich die Online-Glücksspielbranche vor einem Boom sieht, müssen neue Softwareplattformen für Poker, Roulette & Co. im Netz her. Die werden sich zum einen stärker an den Web-Standard HTML5 anlehnen, zum anderen häufiger als bisher herstellereigenen Programmierstandards genügen. Auf jeden Fall muss die Casino-Software aufgerüstet werden - auch, um Falschspielern das Handwerk zu legen.

          Dem Glücksspielmarkt im Internet werden phantastische Wachstumsraten prognostiziert. So soll der Jahresumsatz der Branche nach Schätzungen der Marktforscher von Pricewaterhouse Coopers im Jahr 2015 bereits an 200 Milliarden Euro heranreichen. Für die angeblich so blendenden Aussichten der Spieler im Netz gibt es in Deutschland nur eine Schwierigkeit: Online-Glücksspiel ist hierzulande verboten. Das haben die 15 Bundesländer noch einmal in den Glücksspielstaatsvertrag hineingeschrieben, den sie nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs neu fassen mussten.

          20 Lizenzen für Sportwetten

          Die Luxemburger Juristen hatten nämlich staatliche Monopole bei Sportwetten beanstandet. Deshalb wollen die dem Glücksspielstaatsvertrag beigetretenen Bundesländer 20 Lizenzen für Sportwetten vergeben. Dabei darf auch online gewettet werden, Poker und Roulette im Internet bleiben jedoch verboten und können demnächst vermutlich nur im hohen Norden gespielt werden. Denn Schleswig-Holstein macht beim Glücksspielstaatsvertrag nicht mit und hat sich ein eigenes Gesetz gegeben.

          Das sieht nicht nur eine unbeschränkte Vergabe von Wettlizenzen vor, sondern erlaubt auch Online-Casinospiele und Poker. Die Anbieter müssen sich allerdings lizenzieren lassen. Die von CDU und FDP getragene Regierung im Lande zwischen Nord- und Ostsee erwartet jährliche Umsätze der Anbieter in Höhe von 200 Millionen Euro. Der Staatskasse dürften daraus zwischen 35 und 40 Millionen Euro zufließen. Denn die Veranstalter von Pokerrunden müssen 20 Prozent des Rohertrags abführen. Das ist ein recht risikoloses Geschäft, denn wer online Roulette spielen oder pokern will, der muss vorab sein Konto beim Glücksspielveranstalter per Kreditkarte oder Online-Zahlungsdienst wie zum Beispiel Paypal aufladen. Die Spieleinsätze werden dann von diesem internen Veranstalterkonto abgebucht.

          Am PC sind die Jetons genau so gefährdet wie im Hinterzimmer
          Am PC sind die Jetons genau so gefährdet wie im Hinterzimmer : Bild: © Gregor Schuster/Corbis

          "Der Online-Markt macht gegenwärtig mindestens zehn Prozent des gesamten Marktes von Glücks- und Geschicklichkeitsspielen in Deutschland aus", urteilen die Professoren Reiner Clement und Franz Peren vom Forschungsinstitut für Glücksspiel und Wetten in Sankt Augustin bei Bonn. Fürs Pokern im Netz geben die deutschen Spieler ihren Schätzungen zufolge knapp 340 Millionen Euro im Jahr aus. Damit hat Online-Poker die Online-Sportwetten, deren Umsatz bei 290 Millionen Euro im Jahr liegt, glatt überholt.

          Deshalb investieren die bisher etablierten Anbieter wie Poker Strategy, Pokerolymp, Party Poker oder Pokerstars enorme Summen, um ihre Software weiterzuentwickeln. Ihr Augenmerk gilt dabei vor allen Dingen der persönlichen Zusatzsoftware für den Online-Spieler sowie Sicherheitsfunktionen, die auch Mitarbeiter der Veranstalter nicht aushebeln können.

          Software für Spielangebote in sozialen Netzwerken und Poker-Apps für Tablet-PC und Smartphones sinken derzeit auf der Prioritätenliste der Pokerbranche. Dabei tummeln sich allein auf der Facebook-Plattform täglich bis zu 30 Millionen Online-Pokerspieler. Das Poker-Angebot von Zynga hat mittlerweile das "Farmville" desselben Herstellers auf der Beliebtheitsskala überholt.

          Weitere Themen

          Galaktischer Absturz

          Real Madrid in der Krise : Galaktischer Absturz

          Hinten anfällig, vorne erfolglos: Die Krise von Real Madrid verschärft sich. Und schon bald könnten für Trainer Zinedine Zidane die Stunden der Wahrheit anbrechen.

          Topmeldungen

          Offensive gegen Kurden : Verstößt die Türkei gegen das Völkerrecht?

          Anne Peters ist Direktorin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Im FAZ.NET-Interview erklärt sie, wie der türkische Militäreinsatz in Nordsyrien aus völkerrechtlicher Perspektive zu bewerten ist.

          Weltwirtschaftsforum : Warum eigentlich gerade in Davos?

          Alljährlich treffen sich führende Politiker und Top-Manager in Davos. Wie entstand das Weltwirtschaftsforum, wer darf teilnehmen – und was ist überhaupt der „Davos Man“? FAZ.NET beantwortet die grundlegenden Fragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.