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Tech-Talk : Gestrichen voll

Vom Anlegen sprechen Maler, wenn sie Haus- oder Wohnzimmerwände streichen. Die Qualität neu angelegter Wandflächen lässt sich nur eher subjektiv beurteilen.

          Vom Anlegen sprechen Maler, wenn sie Haus- oder Wohnzimmerwände streichen. Dieser Begriff ist gut gewählt, beschreibt er doch nicht nur das Verteilen von Farbe, sondern weist zudem darauf hin, dass sich Anstreicher gerne mal mit ihrer Kundschaft über Qualität und Termintreue streiten – sich also mit ihr anlegen. Denn anders als beim Erfassen des Schadstoffausstoßes von Verbrennungsmotoren lässt sich die Qualität neu angelegter Wandflächen nur eher subjektiv beurteilen: Das soll gleichmäßig gestrichen sein?

          Die Wand ist ja fleckig ohne Ende – und, haben Sie überhaupt den Farbton getroffen, den wir ausgesucht und bestellt haben? Das Bewerten der Qualität von Malerarbeiten lässt also Spielraum zu. Eigentlich vollkommen eindeutig sollte das Urteil sein, wenn hässliche, nicht zu übersehende Schlieren über die Fenster laufen, die unmittelbar unterhalb der neu angelegten Flächen liegen. Doch weit gefehlt. Der zum Rapport einbestellte Malermeister gibt sich unwissend. Da müsse man beim Farbenhersteller nachfragen. Der verweist als Ursache erst einmal auf Blütenstaub und Insektenkot, die der Regen vom Dach gewaschen habe. Dieser Erklärungsversuch ist abwegig, liefen zuvor doch nie Schlieren über die Scheiben. Die Ursache muss bei Farbe und Maler zu suchen sein. Nach einigem Drängeln nahm eine Fachkraft des Herstellers dann Proben. Mit dem Skalpell schabte er und steckte den Abrieb in sterile Döschen.

          Das Labor lieferte dann das Ergebnis: Es ist kein Vogelmist, sondern es handelt sich um Emulgatorenausläufer. Was bedeutet, dass sogenannte Hilfsmittel aus der Farbe ausgewaschen wurden, was immer dann passieren kann, wenn während der Streicharbeit ungünstige Witterungsverhältnisse herrschen. Ein Schaden sei das nicht. Lediglich eine vorübergehende optische Beeinträchtigung. Damit müsse man leben. Nur möge man auf keinen Fall, das gab man uns schriftlich, die Emulgatorenausläufer überstreichen. Warum auch, die Streifen finden sich auf der Scheibe!

          Georg Küffner

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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          Quelle: F.A.Z.

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