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Funktionsbekleidung Schlag den Rab

 ·  „Neoshell“ heißt der neue Stoff von Polartec. So wasserdicht und atmungsaktiv soll zuvor noch kein anderes Material gewesen sein, behauptet der Hersteller.

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Für uns normale Jackenträger ist die Welt der Funktionsbekleidung nicht einfach zu durchschauen. Hersteller ausgeklügelter Materialien hantieren mit Fachbegriffen und Phantasiebezeichnungen, die den Kunden mindestens so verwirren, wie sie ihn aufklären. Die Königsdisziplin der Branche ist es, Textilien so zu konstruieren, dass sie zugleich atmungsaktiv als auch wind- und wasserdicht sind. Mit anderen Worten: etwas schaffen, das zugleich eckig und kreisrund ist.

Das amerikanische Unternehmen Polartec, nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Fertigung von Funktionsstoffen und Anfang der Achtziger Erfinder des Fleece-Stoffs, hat jetzt mit Polartec Neoshell ein Material herausgebracht, von dem es behauptet, es sei das atmungsaktivste wasserdichte Textil, das jemals hergestellt wurde. Dieses Neoshell soll schützen wie ein (dichtes, raschelndes) Hardshell, sich aber bewegen und atmen wie ein (weiches) Softshell-Kleidungsstück. Es wird in diversen Variationen für Jacken, Hosen, Mützen, Handschuhe angeboten - vom dünnen, besonders leichten Trikot-Innenfutter bis hin zum Stoff mit flauschiger „High Loft“-Innenseite sowie mit abriebfestem Außengewebe. Die Varianten unterscheiden sich hinsichtlich der Wärmeisolation, haben aber die gleiche neuartige hydrophobe, mikroporöse Polyurethan-Membran.

Zwei-Wege-Luftaustausch

Mit einer Wassersäule von 10.000 Millimeter - eine Maßeinheit für die Dichtigkeit technischer Gewebe - gilt Neoshell als wasserdicht. Nach 20 Wasch- und Trockengängen soll der Wert noch ausreichende 5000 mm betragen. Verarbeitet wird Neoshell von den Marken 66 North, Mammut, Marmot, Montura, Rab, Vaude und Westcomb. Weil es weich und dehnbar ist, vermarkten es einige von ihnen mit einer Velours-Innenseite als „wasserdichtes Softshell“, andere verkaufen ganz dünne Versionen als Hardshell. Polartec nennt als Einsatzzwecke Skifahren, Snowboarden, Bergsteigen, Eisklettern, Fischen „und alle Aktivitäten, bei denen man schlechtem Wetter ausgesetzt sein kann“. Also wohl auch Sonntagsspaziergang.

Wir haben den „revolutionären“ Stoff anhand des „Stretch Neo Jacket“ von Rab ausprobiert. Eine Stunde Radfahren im peitschenden Regen zum Beispiel haben ihm nichts ausgemacht, auch an den Nähten waren keine Schwachstellen auszumachen. Er fühlt sich absolut winddicht an, wenngleich laut Polartec „nur“ 99,9 Prozent des Windes abgeblockt werden mit dem Ziel, durch einen Zwei-Wege-Luftaustausch die Atmungsaktivität zu verbessern. Ob die Fähigkeit, Schweiß in Form von Wasserdampf nach außen zu transportieren, tatsächlich so viel besser ist als im Fall von Konkurrenzprodukten, mögen wir nicht beurteilen. Allerdings bildete sich auch bei wirklich schweißtreibenden Aktivitäten kein Feuchtigkeitsstau: Die Innenseite des Kleidungsstücks fühlte sich stets trocken an. Ein gutes Zeichen.

Die Rab-Jacke an sich ist geradezu hauchdünn und ein extremes Leichtgewicht. Mit ihrem körperbetonten Schnitt sieht sie erstens gut aus und schmiegt sich zweitens an, folgt den Bewegungen und stört nicht durch Pluderigkeit. Das ergibt in der Summe ein überragend angenehmes Tragegefühl. Die Kapuze mit Schirmchen lässt sich mit Gummibändern so fixieren, dass sie Drehungen des Kopfs mitmacht ohne Sichtbehinderung. Leider ist das Einstellen der Bändchen schwierig, wenn man Handschuhe trägt. Wird die Kapuze nicht benötigt, liegt sie wie das Verdeck eines Käfer Kabrio auf der Schulter, gehalten von einem Klettband. Wie viel Überlegung in dem Produkt steckt, zeigt auch die Anordnung der ohne Verrenkungen erreichbaren Taschen, je zwei außen und innen. Die „Aquaguard“-Reißverschlüsse sind vielleicht ungewöhnlich dicht, aber auch ungewöhnlich schwergängig: Man benötigt zum Öffnen und Schließen beide Hände.

Dennoch: Das ist Wetterschutz auf sehr hohem Niveau. Der Listenpreis ist es allerdings auch: 370 Euro.

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Geboren am 10. Dezember 1959, Redaktion „Technik und Motor“

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