Home
http://www.faz.net/-gy9-6yqe0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fujifilm X-S1 Das eine Gehäuse mit allem dran

Seit es Systemkameras ohne Spiegel gibt, sind Bridgekameras tot? Von wegen! Was der Bautyp All-in-one kann, zeigt Fujifilm mit der X-S1.

© Hersteller Vergrößern Die Fujifilm X-S1 hat bis hinauf zum Blitzgehäuse eine genarbte Oberfläche

Bevor jetzt wieder jemand zum Telefon greift oder eine Mail in sein Smartphone hackt, kommt hier die Antwort auf die immer gleiche Frage: Ja, das Weiße-Scheiben-Problem (auch “white orbs“ genannt und offiziell „das Bloomingproblem des Sensors“), das die Finepix X-S1 mit der X10 teilt, ist bekannt. Auch zur X-S1 hat Fujifilm eine Firmware-Aktualisierung veröffentlicht, die zumindest im automatischen EXR-Modus die wie ausgestanzt wirkenden kreisrunden Spitzlichter mildert. Im Mai soll es einen überarbeiteten Sensor geben, der vom Service gegen den bisherigen 2/3-Zoll-Sensor ausgetauscht werden kann. Allen, die wegen der weißen Scheiben diese beiden Kameras im Brustton der Entrüstung von sich gewiesen haben, sei hier aufrichtiges Mitgefühl ausgedrückt: Denn ihnen entgehen zwei bis auf ihren Geburtsfehler vorzügliche Kameras. Das gilt besonders für die X-S1 mit ihrem Fujinon-Superzoom, das bei einer Anfangslichtstärke von 1:2,8-5,6 in Kleinbildbrennweiten umgerechnet vom 24-mm-Weitwinkel bis zum 624-mm-Tele reicht.

Was das bedeutet, versuchen die drei Aufnahmen nebenan zu verdeutlichen: Bei allen dreien sind die obersten Fenster des Torhauses der Messe Frankfurt anvisiert worden - und zwar aus der freien Hand, ohne Stativ und ohne Objektivwechsel. Ein Dreh von rund 100 Grad am Zoomring genügt. Das Bild wird optisch stabilisiert. Dass man die über 600 mm Telebrennweite digital verdoppeln kann, erscheint eher akademisch. Von mehr praktischem Nährwert ist, dass mit demselben einen Objektiv auch Makroaufnahmen aus einem Zentimeter Abstand möglich sind.

Klapp- und neigbarer 3-Zoll-Monitor

In ihrer Erscheinung, mit einem Listenpreis von rund 700 Euro und mit ihrem Gewicht, das betriebsbereit stattliche 935 Gramm beträgt, zielt die X-S1 wie jede echte Bridgekamera auf die Einsteigerklasse der DSLRs - oder etwas höher. Anders als diese bringt sie aber neben dem einen Objektiv für alles und dem klapp- und neigbaren 3-Zoll-Monitor (460.000 Bildpunkte) einen sehr guten elektronischen Sucher (1,44 Millionen Bildpunkte) mit. Zudem wird mit einem Annäherungssensor gewechselt, wenn man die Kamera ans Auge hält. Gut, dass die etwa im EXR-Modus etwas klotzig wirkenden Informationen weggedrückt werden können. In diesem Modus schaltet die Kamera-Software entsprechend ihrer Motivanalyse die 12 Millionen Sensorelemente unterschiedlich zusammen: um feinste Details zu zeichnen, um die Lichtempfindlichkeit des Sensors auszureizen oder den Dynamikumfang zu erweitern. Das kann man - wie praktisch alle anderen Aufnahmeparameter - auch selbst einstellen.

Die Empfindlichkeit reicht bei manueller Wahl bis ISO 3200, bei reduzierter Bildgröße bis ISO 12 800. Am praxistauglichsten sind die ISO-Automatiken mit Festlegung einer Obergrenze: Da ist ISO 1600 eine vernünftige Wahl. Bei 12 Megapixel großen Bildern schafft die X-S1 bis zu sieben Serienbilder in der Sekunde, bei halbierter Bildgröße sind es zehn. Full-HD-Videos (1080p mit Stereo-Ton, externes Mikrophon möglich) kann sie über ihre HDMI-Schnittstelle gleich an ein HDTV-Gerät liefern.

Mehr zum Thema

Von der Vielzahl der Eingriffsmöglichkeiten her genauso wie bedienungstechnisch ist die X-S1 ein echter Brückenschlag. Wie eine DSLR ist ihre Gehäuserückseite mit Tasten für unmittelbare Zugriffe auf Funktionen übersät. Aber wenn einzelne Parameter verändert werden sollen, gibt es dafür nur ein Drehrad. Und die Komplexität der manuellen Einstellmöglichkeiten kann ganz schnell unter dem Mantel der Automatiken und Motivprogramme verschwinden. Der Autofokus arbeitet im Allgemeinen prompt, kann sich aber gelegentlich nur deutlich schwerer als eine DSLR auf einen Schärfepunkt festlegen. Selbstverständlich speichert die X-S1 auch Rohdaten.

Die Bildqualität ist sehr gut und kann sich mit der von Systemkameras unbedingt messen. Was der Kamera fehlt, das sind Spielereien wie etwa bildbearbeitende Digitalfilter. Die Panoramafunktion oder die Veränderung der Farbigkeit durch „Filmsimulationen“ wie Velvia - ein traditioneller Markenname von Fuji - wirken demgegenüber etwas angestaubt. Die Finepix X-S1 einem ambitionierten Fotofreund zu empfehlen, der keine Wechselobjektive mitschleppen möchte, fällt leicht - weiße Scheiben hin oder her.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Leica M Edition 60 Die Zeitreise

Dieser Kamera Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ist nicht ganz leicht. Die sündhaft teure Leica M Edition 60 versteht man am besten aus der Erfahrung heraus: wie Fotografieren einmal war – und wie es heute sein kann. Mehr Von Hans-Heinrich Pardey

27.10.2014, 10:57 Uhr | Technik-Motor
Die Kamera schafft etwas Distanz

Für ihre bewegenden Bilder aus dem Irak-Krieg gewann Anja Niedringhaus 2005 den Pulitzer-Preis. In einer Slideshow für FAZ.NET erinnerte sich die Fotografin 2009 noch an jeden Moment ihrer Einsätze in dem Golf-Staat. Mehr

22.07.2014, 16:37 Uhr | Politik
Strom gegen Kohle Duell mit dem Grillmeister

Im Winter steht man mit dem OptiGrill in der Küche, im Sommer auf dem Balkon. Das Gerät sagt, wann das Fleisch durch ist. Gegen den Kohle-Profi hatte unser Autor beim Wettgrillen dennoch keine Chance. Mehr Von Marco Dettweiler

29.10.2014, 10:48 Uhr | Technik-Motor
Samsung Galaxy Tab S

Mit dem neuen Galaxy Tab S im 8,4- und 10,5-Zoll-Format greift Samsung den Marktführer Apple mit seinen iPads frontal an. Der Trumpf der Koreaner ist der Bildschirm. Mehr

22.07.2014, 11:31 Uhr | Technik-Motor
VW Passat Der wahre Wagen der Völker

Der meistverkaufte VW ist nicht der Golf, sondern der Passat. In Deutschland ist der Mittelklasse-Volkswagen Dienst- und Familienauto Nummer 1. Eine Probefahrt mit der achten Generation. Mehr Von Boris Schmidt

20.10.2014, 17:47 Uhr | Technik-Motor
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.03.2012, 08:00 Uhr

Sorge um Sicherheit

Von Michael Spehr

Man soll im Hotel der Zukunft sogar mit seinem Smartphone die Zimmertür öffnen. Da ist die Rede von mehr Sicherheit mit Verschlüsselung und digital signierten Zertifikaten. Mehr 4