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Veröffentlicht: 31.03.2012, 08:00 Uhr

Fujifilm X-S1 Das eine Gehäuse mit allem dran

Seit es Systemkameras ohne Spiegel gibt, sind Bridgekameras tot? Von wegen! Was der Bautyp All-in-one kann, zeigt Fujifilm mit der X-S1.

von Hans-Heinrich Pardey
© Hersteller Die Fujifilm X-S1 hat bis hinauf zum Blitzgehäuse eine genarbte Oberfläche

Bevor jetzt wieder jemand zum Telefon greift oder eine Mail in sein Smartphone hackt, kommt hier die Antwort auf die immer gleiche Frage: Ja, das Weiße-Scheiben-Problem (auch “white orbs“ genannt und offiziell „das Bloomingproblem des Sensors“), das die Finepix X-S1 mit der X10 teilt, ist bekannt. Auch zur X-S1 hat Fujifilm eine Firmware-Aktualisierung veröffentlicht, die zumindest im automatischen EXR-Modus die wie ausgestanzt wirkenden kreisrunden Spitzlichter mildert. Im Mai soll es einen überarbeiteten Sensor geben, der vom Service gegen den bisherigen 2/3-Zoll-Sensor ausgetauscht werden kann. Allen, die wegen der weißen Scheiben diese beiden Kameras im Brustton der Entrüstung von sich gewiesen haben, sei hier aufrichtiges Mitgefühl ausgedrückt: Denn ihnen entgehen zwei bis auf ihren Geburtsfehler vorzügliche Kameras. Das gilt besonders für die X-S1 mit ihrem Fujinon-Superzoom, das bei einer Anfangslichtstärke von 1:2,8-5,6 in Kleinbildbrennweiten umgerechnet vom 24-mm-Weitwinkel bis zum 624-mm-Tele reicht.

Was das bedeutet, versuchen die drei Aufnahmen nebenan zu verdeutlichen: Bei allen dreien sind die obersten Fenster des Torhauses der Messe Frankfurt anvisiert worden - und zwar aus der freien Hand, ohne Stativ und ohne Objektivwechsel. Ein Dreh von rund 100 Grad am Zoomring genügt. Das Bild wird optisch stabilisiert. Dass man die über 600 mm Telebrennweite digital verdoppeln kann, erscheint eher akademisch. Von mehr praktischem Nährwert ist, dass mit demselben einen Objektiv auch Makroaufnahmen aus einem Zentimeter Abstand möglich sind.

Klapp- und neigbarer 3-Zoll-Monitor

In ihrer Erscheinung, mit einem Listenpreis von rund 700 Euro und mit ihrem Gewicht, das betriebsbereit stattliche 935 Gramm beträgt, zielt die X-S1 wie jede echte Bridgekamera auf die Einsteigerklasse der DSLRs - oder etwas höher. Anders als diese bringt sie aber neben dem einen Objektiv für alles und dem klapp- und neigbaren 3-Zoll-Monitor (460.000 Bildpunkte) einen sehr guten elektronischen Sucher (1,44 Millionen Bildpunkte) mit. Zudem wird mit einem Annäherungssensor gewechselt, wenn man die Kamera ans Auge hält. Gut, dass die etwa im EXR-Modus etwas klotzig wirkenden Informationen weggedrückt werden können. In diesem Modus schaltet die Kamera-Software entsprechend ihrer Motivanalyse die 12 Millionen Sensorelemente unterschiedlich zusammen: um feinste Details zu zeichnen, um die Lichtempfindlichkeit des Sensors auszureizen oder den Dynamikumfang zu erweitern. Das kann man - wie praktisch alle anderen Aufnahmeparameter - auch selbst einstellen.

Die Empfindlichkeit reicht bei manueller Wahl bis ISO 3200, bei reduzierter Bildgröße bis ISO 12 800. Am praxistauglichsten sind die ISO-Automatiken mit Festlegung einer Obergrenze: Da ist ISO 1600 eine vernünftige Wahl. Bei 12 Megapixel großen Bildern schafft die X-S1 bis zu sieben Serienbilder in der Sekunde, bei halbierter Bildgröße sind es zehn. Full-HD-Videos (1080p mit Stereo-Ton, externes Mikrophon möglich) kann sie über ihre HDMI-Schnittstelle gleich an ein HDTV-Gerät liefern.

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Von der Vielzahl der Eingriffsmöglichkeiten her genauso wie bedienungstechnisch ist die X-S1 ein echter Brückenschlag. Wie eine DSLR ist ihre Gehäuserückseite mit Tasten für unmittelbare Zugriffe auf Funktionen übersät. Aber wenn einzelne Parameter verändert werden sollen, gibt es dafür nur ein Drehrad. Und die Komplexität der manuellen Einstellmöglichkeiten kann ganz schnell unter dem Mantel der Automatiken und Motivprogramme verschwinden. Der Autofokus arbeitet im Allgemeinen prompt, kann sich aber gelegentlich nur deutlich schwerer als eine DSLR auf einen Schärfepunkt festlegen. Selbstverständlich speichert die X-S1 auch Rohdaten.

Die Bildqualität ist sehr gut und kann sich mit der von Systemkameras unbedingt messen. Was der Kamera fehlt, das sind Spielereien wie etwa bildbearbeitende Digitalfilter. Die Panoramafunktion oder die Veränderung der Farbigkeit durch „Filmsimulationen“ wie Velvia - ein traditioneller Markenname von Fuji - wirken demgegenüber etwas angestaubt. Die Finepix X-S1 einem ambitionierten Fotofreund zu empfehlen, der keine Wechselobjektive mitschleppen möchte, fällt leicht - weiße Scheiben hin oder her.

Quelle: F.A.Z.

 

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