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Frankreich : Adieu, Oberklasse

Die französische Autoindustrie gibt sich alle Mühe, ihre jüngste Niederlage so still wie möglich zu verarbeiten. Doch den Anschluss an deutsche Marken hat sie längst verloren.

          Als Frankreich sein stolzes Schiff „France“ nicht mehr finanzieren konnte und aufgeben musste, hat der berühmte Sänger Michel Sardou ein bewegendes Lied geschrieben, ein politisches und erfolgreiches, das den französischen Stolz bis heute trifft.

          Man könnte es jetzt wieder spielen, obgleich sich die französische Autoindustrie alle Mühe gibt, ihre jüngste Niederlage so still wie möglich zu verarbeiten. „Ne m’appelez plus jamais C 6“, schreibt der Kollege von Le Monde entlarvend, Citroën hat klammheimlich am 19. Dezember 2012 die Produktion seines Oberklassemodells eingestellt.

          Seit 2005 sind gerade mal 23.384 Stück des C 6 verkauft worden, nicht in Frankreich, insgesamt. Renault hatte seine barocke Fehlentwicklung Vel Satis schon 2009 aufgegeben, Peugeot seinen 607 ein Jahr später. Damit hat die Nation, die auf der Welt führend ist mit Luxusartikeln von Hermès bis Louis Vuitton, die prachtvolle Bauwerke ihr Eigen nennt und mit Spitzenküche die Gaumen verwöhnt, in der automobilen Oberklasse nichts mehr zu bieten.

          Den Anschluss an deutsche Marken hat sie längst verloren, die Gründe sind mehrschichtig: die Besteuerung, fehlender Ehrgeiz zu führender Technik, Produktentscheidungen am Kundenwunsch vorbei. Peugeot ist abstinent. Citroën versucht sich immerhin mit der DS-Reihe, die aber auch nicht an Audi, BMW oder Mercedes heranreicht. Renault hat einst die Welt verändert mit dem Minivan Espace, dessen jüngste Auflage zehn Jahre alt ist. Der letzte Versuch, den Rhombus erstrahlen zu lassen, hieß Latitude, ein banales Derivat aus Südkorea. Die stolze France, wird sie je wieder fahren?

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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          Quelle: F.A.Z.

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