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Fotografie Ungebremste Profitechnik zum Sparpreis

22.03.2004 ·  Die Nikon D70 ist eine digitale Spiegelreflexkamera mit allem Drum und Dran

Von Nils Schiffhauer
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Daß es dann doch so zügig gehen sollte, kommt selbst für einen gut belichteten Experten wie Hideshi Hirai überraschend: "Der Filmverkauf sinkt weitaus stärker und schneller als erwartet." Der Präsident von Nikon Europe hat an dieser Entwicklung nicht nur erheblichen Anteil, sondern wird ihn mit der D70 benannten digitalen Spiegelreflexkamera seines Hauses noch weiter steigern. Nach der Canon D300 ist es der zweite Preisbrecher-Pixelfänger, für den nach der Einführungsphase der Verkaufspreis einen Euro unter die 1000er-Schwelle sinken wird.

Canon hat bei seiner EOS 300D nicht nur an der Mechanik gespart - was einsehbar ist, um sie von der höherwertigen EOS 10D abzugrenzen -, sondern zugleich ihre Leistung künstlich abgeregelt, indem dort bestimmte Software-Funktionen einfach nicht zur Verfügung stehen. Nikon setzt mit seiner D70 zwar ebenfalls auf ein preisgünstiges Kunststoffgehäuse, hat darin aber soviel Software wie nur irgend möglich untergebracht. Daß sich die D70 bis auf die überschätzte Spiegel-Vorauslösung und einem Synchronanschluß für den Studioblitz, der sich jedoch über einen Adapter zünden läßt, im Nutzwert von einem Profimodell zum dreifachen Preis kaum unterscheidet, wird die analogen Kameras noch schneller ins Schattenreich drängen.

Entwickelt wurde die D70 mit ihrem 6,1-Megapixel-Sonysensor im DX-Format jedoch für den engagierten Freizeitfotografen, der mit einem Dreh von der Vollautomatik zu Programm-, Blenden- und Zeitautomatik wechseln oder zwischen sechs Motivprogrammen wählen kann. Letztere optimieren nicht nur das Verhältnis von Blende und Belichtungszeit, sondern kümmern sich zudem um innere Werte wie Sättigung, Kontrast und Schärfe. Besonders die Funktion "Langzeitbelichtung mit Blitzaufhellung" nimmt dem Fotografen einiges an Überlegung ab, die er somit in die grundsätzlich manuelle Steuerung im Bereich zwischen ISO 200 und ISO 1600 sowie 1/8000 und 30 Sekunden einbringen kann. Die Motivprogramme sind auf lebhafte Farben und gute (Software-)Schärfe für den direkten Ausdruck hin angelegt, was den sensiblen Fotojünger nur so lange zusammenzucken läßt, bis er im vorzüglichen Handbuch nachgelesen hat, wie er diese ikonographische Vormundschaft auf neutrale Werte setzt. Ähnlich verhält es sich mit der Lichtmessung, die entweder das komplette Bild berücksichtigt und sich dabei an der Helligkeitsverteilung typischer Motive orientiert oder eine in seinem Durchmesser einstellbare Mitte betont oder sich einen nur ein Hundertstel des Bildes umfassenden Spot vornimmt: dem Gelegenheitsfotografen wird jede Bequemlichkeit geboten, ohne dem Bildgestalter irgendeine individuelle Einflußmöglichkeit zu nehmen.

Die interne und sehr schnelle Datenverarbeitung in wählbarer Auflösung und JPG-Komprimierung, aber auch mit verlustlos gespeicherten Rohdaten mit 12 Bit Farbtiefe macht dank großzügig bemessenem Pufferspeicher zwischen vier und 49 Serienbildern im Tempo von drei Bildern in jeder Sekunde möglich. Mit 0,3 Sekunden ist die Einschaltverzögerung kaum wahrnehmbar, während die Auslöseverzögerung recht gut ihren analogen Gegenstücken entspricht. Die Kontrolle der Einstellungen und des fertigen Bildes - einschließlich Metadaten, Histogramm und Spitzlichter-Markierung - erfolgt über ein helles, kontrastreiches und fest in die Rückwand eingelassenes Farbdisplay von 1,8 Zoll Diagonale mit 130000 Pixel. Die wichtigsten aufnahmebezogenen Daten sind zudem einem beleuchtbaren LC-Display auf der Oberseite sowie einer LED-Zeile unter dem Sucherbild zu entnehmen. Mit zwei Drehknöpfen und einer Vierfachwippe schippert der Fotograf hinreichend schnell und logisch durch alle 3087 Einstellmöglichkeiten, die ein fleißiger Nikon-Ingenieur wohl mehr errechnete als abzählte.

Wir haben die D70 über eine Woche mit dem brandneuen Zoom 3,5-4,5/18-70 mm (entsprechend einer Kleinbildbrennweite von 27 bis 105 mm, etwa 300 Euro) sowie dem sich in den Telebereich anschließenden 4,5-5,6/70-300 mm (105 bis 450 mm, etwa 190 Euro) mit uns geführt. Weder hat sie sich von der gleißenden Sonne Afrikas blenden lassen, noch verwackelten bei höchster Empfindlichkeit Handaufnahmen im Dämmerlicht des Oktogons der Aachener Pfalzkapelle. Von Anfang an hatte wir die Sicherheit einer professionellen Systemkamera in der Hand, die Schnappschüsse selbst bei anspruchsvoller Lichtstimmung ebenso meistert, wie der Fotograf beispielsweise Aufnahmen im extremen Gegenlicht manuell perfekt aussteuert. Bei 30 Sekunden Belichtungszeit zeichnete sich das Sternenzelt über uns so deutlich ab, daß ferne Sonnen bis zur Helligkeit 10 einwandfrei vor dem bemerkenswert gering rauschenden Nachthimmel zu identifizieren waren. Der Chip gibt das gesamte Spektrum von zarten Hauttönen bis zum Schwarzweiß-Kontrast, mit dem Licht und Schatten hellen Sandstein modellieren, überzeugend wieder. Zusätzlich zur 3D-Color-Matrixmessung aus den Profimodellen kann auf sechs manuelle Weißabgleichseinstellungen zurückgegriffen werden. Wem die Farbinterpretation zu meinungsfreudig ist, der ändert sie nach eigenen Wünschen.

Canon hatte die 1000-Euro-Klasse mit nicht nachvollziehbaren Software-Beschränkungen eröffnet und führt beim Absatz digitaler Spiegelreflexkameras. Nikon hingegen verpackte mit seiner D70 komplette Profitechnik in ein schlagend preiswertes Kästchen.

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