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Ferrari California Frau am Steuer

 ·  Mit einem Ferrari California gegen die Vorurteile. Oder dafür? Antworten gibt eine gemeinsame Fahrt durch den Taunus. Eine Frau und ein Mann haben ihre Gedanken in Worte gefasst.

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© Hersteller Sie wird nicht mal den Anlasser finden

Autos sind was für Männer, Technik ist was von Männern, Frauen dürfen allenfalls die Farbe aussuchen, und in Sportwagen sind die Rollen sowieso klar verteilt: Er sitzt lässig hinterm Lenkrad, sie macht mit kurzem Rock und Stöckelschuhen nebenan eine gute Figur. Was soll an diesem Weltbild schlecht sein? Nichts, natürlich, aber ich unternehme den vermutlich irrwitzigen Versuch, es zu überprüfen: Ich will eine Frau an das Steuer eines Ferrari California lassen. Zwei Kolleginnen kommen in Frage, die haben immer eine kesse Lippe und vermeintlich keine Ahnung von Autos. „Kleine Ausfahrt durch den Taunus gefällig?“ Die eine meldet sich ab, Zahnschmerzen. Ich glaube das mal. Die andere sagt sofort zu, fragt noch am Telefon: „Hat der ein Schiebedach?“. „Nein, hat er nicht, ist nämlich ein Cabriolet.“ Volltreffer also.

Die Frau: Mein Polo reicht auch

„Er lässt dich wirklich fahren?“ Die Kollegin im Nachbarbüro blickt ungläubig drein, und ihre Zweifel sind ansteckend. Wird mir wirklich ein Ferrari anvertraut, oder sucht der Herr mit dem Pirelli-Kalender an der Wand nur ein Blondchen für den Beifahrersitz? Die Zweifel werden stärker, als meine Erkundigung per Mail, welches Modell es denn sei -, ich möchte mich doch einlesen - unbeantwortet bleibt. Will der Mann mich im Ungewissen halten? Keine Frage, hier steht nichts weniger als die Ehre der modernen Autofahrerin auf dem Spiel. Und wer könnte sie besser verteidigen als Bornheims beste Einparkerin? Mein Polo fährt an der Ampel noch jedem davon, 213.000 Kilometer hin oder her. Dieses italienische Pferdchen wird mein Freund, nehme ich mir vor. Notfalls muss ich es eben zähmen.

Der Mann: Auto mit Startknopf!

Sie wird nicht mal den Anlasser finden, ist nämlich ein Startknopf, aber ich werde nichts sagen. Sie wird den bordeauxroten Lack loben und die cognacfarbenen Sitze, sich Sorgen um ihre Frisur machen und es mir überlassen, rückwärts auszuparken.

Die Frau: Handtasche und Schuhe im Kofferraum

„Der Wagen wird einen Startknopf haben“, berät mich die befreundete Auto-Expertin, „vielleicht auf der Mittelkonsole. Es ist wahrscheinlich einer mit Automatik, bitte such keine Handbremse, das ist peinlich. Wo sonst die Bremse ist, wird der Knopf für den Rückwärtsgang sein.“ Ächz. Das kann ja heiter werden. Dann sehe ich ihn, den California. An diesem Anblick gibt es wirklich nichts zu meckern. Allenfalls, dass der Herr Kollege ziemlich schief eingeparkt hat. Im Kofferraum werden Handtasche und Schuhe verstaut - nur Anfängerinnen gehen ohne absatzlose Wechselschuhe auf Tour -, aber das geht nicht ganz mühelos. Der Kofferraum lässt sich nur mit zweifachem Druck auf den Schlüssel öffnen, nach nur einmal Drücken gellt die Alarmanlage. Der Schuhbeutel lässt sich nur unelegant in die Seite des Kofferraums stopfen, denn ungleich mehr Platz nimmt ein erstaunlich hässlicher schwarzer Koffer ein, den ich erst zu Unrecht meinem Begleiter zugeordnet hatte. Offenbar enthält er wichtiges Ferrari-Equipment.

Der Mann: Zwei Notsitze hinten

Sie wechselt die Schuhe, na immerhin ist sie vorbereitet. Den Kofferdeckel bekommt sie kaum auf, aber, das muss man ihr zugutehalten, das Ding ist auch höllisch schwer. Darunter liegen das (geöffnete) Dach und das Windschott, und damit bleibt nicht viel übrig. Aber immerhin haben so zwei Notsitze hinten Platz, knapp ausreichend für Kinder oder eine Prada-Tasche. Wir haben beides gerade nicht dabei, also einsteigen, hoffentlich macht sie nichts kaputt.

Die Frau: Passgenau um die Hüften

Das Cockpit weckt nicht nur Begeisterung. Doch, das kleine Lenkrad schmiegt sich wunderbar in die Hände. Das „Manettino“ - ein Schalter im Lenkrad zum Umstellen des Motors in andere Modi - weckt Rennfahrer-Gefühle. Und auf Knopfdruck legt sich der Fahrersitz passgenau um die Hüften. Sieht aus, als wollte sich dieses Auto lieb Kind machen. Das ist auch nötig: Kleine Fahrerinnen verrenken sich den Arm beim Griff nach dem Gurt. Und alles andere als schick kommt das Design der Mittelkonsole daher. Zwei Reihen einfallslos schlicht schwarzer Knöpfe umrahmen das Display des Navigationsgeräts - diese Optik findet man (scusi!) auch in Mittelklassewagen. Noch dazu klemmt der Knopf für das Navi.

Der Mann: Es zählt jedes Gramm

Die gemusterten Teile am Armaturenbrett, das ist Karbonfaser, schick und teuer. Verkörpert Leichtigkeit, in Sportwagen zählt nämlich jedes Gramm, wegen der Dynamik, auch wenn das im schweren Hardtop-Cabriolet so eine Sache ist. Ferrari ist ganz stolz darauf, in der jüngsten Modellstufe noch mal 30 Kilo weniger auf die Waage zu bringen.

Die Frau: Nase auf das gelbe Pferdchen

Aha, sehr interessant. Ich muss jetzt ausparken. Die erste angenehme Überraschung: Ich hatte mich darauf eingestellt, dass der California bei der leisesten Berührung des Gaspedals einen Satz macht und meine Nase auf das gelbe Pferdchen im Lenkrad knallt. Aber nein. Der Wagen reagiert traumhaft: sensibel, doch nie hastig. Ich gleite, wie empfohlen, rückwärts die Parkhaus-Rampe hinauf. „Gar nicht so schlecht.“ Eine leise Enttäuschung schwingt in der Stimme des Beifahrers mit. Gut, dass er es nicht merkt: Nach hinten bin ich blind. Bei allen Halsverrenkungen bleibt das Sichtfeld für Nicht-Cabrio-Fahrer ungewohnt eng. Das Navi-Display will helfen, zeigt die Perspektive der Rückfahrkamera. Doch die Ansicht, durch allerlei Linien „geordnet“, verwirrt nur. Eher hilft das traute Piepen der Einparkhilfe.

Der Mann: 181.000 Euro zuzüglich Sonderwünsche

Herrjeh, fährt die forsch los. Hallo, das wird zu eng. Nein, wird es doch nicht. Hier kann man nicht überholen, uff, ging doch. Nur mal kurz zur Erinnerung: Achtzylinder mit 4,3 Liter Hubraum, 360 kW (490 PS), null auf einhundert in 3,8 Sekunden und, darüber wollen wir gar nicht reden, 312 km/h Spitzengeschwindigkeit. 181000 Euro zuzüglich Sonderwünsche. Am Rande: Etwa 17 Liter Durchschnittsverbrauch, bei forscherer Fahrt und in der Stadt auch mal 23, aber das interessiert hier heute niemand. Ich bin ja schon ruhig, nein still, ruhig bin ich nicht.

Die Frau: Jetzt ist es purer Genuss

Auf die Autobahn in Richtung Taunus. Der rote California teilt den Verkehr wie das Rote Meer. Fahrschulbrav drücke ich dennoch den Blinker bei jedem Spurwechsel, der leider einen Tick zu weit entfernt von meinen Fingern ist. Die ständige Tasterei lenkt ab - bei 170 km/h (Waren es nicht eben noch 100?) nicht ungefährlich. Den Schulterblick könnte ich mir auch sparen. Er zeigt mir: nix. Den Berg hinauf, jetzt drücke ich richtig drauf. Das Röhren und Heulen des Motors beim Zwischengas feuert mich an, elektrisiert. Der Beifahrer greift unauffällig nach dem Haltegriff. Ob das Röhren auf die Dauer nervig wäre? Jetzt ist es purer Genuss. Der Wagen schießt in die Kurven wie auf Schienen, fast überhöre ich die Warnung des Co-Piloten: Feuchten Grund liebt der Italiener nicht. Würde ich jetzt am „Manettino“ alle elektronischen Hilfen ausstellen, wären wir ratzfatz im Graben. Ein gutes Drittel leerer ist der Tank inzwischen, schluckt er wirklich nur 4,3 Liter?

Der Mann: Lust auf einen Kaffee?

Das ist der Hubraum, der Unterschied zwischen Hubraum und Verbrauch ist.....verdammt enge Kurve, lassen wir das. Ich versuche ein Ablenkungsmanöver. „Lust auf einen Kaffee“ und gewinne meine Fassung als Gentleman wieder: „Ich zahle auch.“

Die Frau: Es klingt nach Fehlfunktion

Auf der Rückfahrt - jetzt muss ich mir nichts mehr beweisen, treibe gemächlich mit der Herde - ertönt bei Bremsmanövern ein unangenehmes Sirren, fast schon ein Quietschen. Es klingt nach Fehlfunktion, und zwar nach einer gefährlichen. „Die Bremsen, Karbon-Keramik“, urteilt der Beifahrer fachmännisch, um mit frechem Seitenblick zu fragen: „Müssen wir wohl mal ölen?“ Also ich muss doch sehr bitten.

Der Mann: Ein Lächeln im Gesicht

Wir rollen in den Kurort hinein. „Was bedeutet denn die 7 im Cockpit?“ fragt sie. „Der eingelegte Gang.“ „So langsam kann der im siebten Gang fahren?“, hakt sie ungläubig nach. Tatsächlich schafft es der Ferrari sogar, durch Tempo 30-Zonen ohne Ruckeln im vierten Gang mit 1400/min zu fahren. „Achtzylinder, Hightech, versuch das mal mit deinem Polo“, sage ich, aber sie hört schon nicht mehr zu. Parkt den 4,56 Meter langen und 1,90 Meter breiten California ein, als habe sie nie etwas anderes gemacht. Ein Lächeln im Gesicht, sie spricht ein Wort mit g, genial vermutlich. Lief eigentlich alles prima. Aber sie wird doch nicht das nächste Mal wieder fahren wollen?

Die Frau: Dachknopf dauerdrücken

Der Abschied scheint dem California so schwerzufallen wie mir. Er rückt meine Schuhe nicht mehr raus. Bei offenem Verdeck klemmen sie in ihrer Nische im Kofferraum fest. Also heißt es wieder in den Wagen steigen, den Dachknopf dauerdrücken, Dach einfahren, aussteigen, zweimal schlüsseldrücken - also, da geht noch was, Ferrari!

Für Männer: der Soundcheck im Video.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für „Technik und Motor“.

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