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Fernsehübertragung Schüsseln und Verschlüsseln

Scharf, in prächtiger Auswahl und ohne Hürden: So sollten Fernsehbilder ins Wohnzimmer kommen. Die Realität ist nicht immer ganz so ideal. Denn alle Übertragungswege haben neben den Stärken auch ihre Schwächen.

© Andre Laame

Umzugsplaner, Haushaltsgründer, Häuslebauer und Tarifmüde in Wechselstimmung - sie alle müssen sich entscheiden: Auf welchem Weg sollen demnächst die Fernsehbilder auf die Mattscheibe kommen? Vier Übertragungswege stehen zur Wahl: das terrestrische Antennenfernsehen, der Satellitenempfang, die Kabelverteilung und der Empfang über schnelle DSL-Internet-Verbindungen, kurz IPTV. Sie alle haben ihre Stärken und Schwächen, Haken und Ösen. Wir wollen helfen, die Vor- und Nachteile zu sortieren.

Das Antennenfernsehen funktioniert seit 2009 komplett digital und trägt seither den Beinamen DVB-T (das Kürzel dieser Digitalnorm in Langschrift: Digital Video Broadcasting - Terrestrial). Seine Protagonisten haben ihm den Marketing-Namen „Überall-Fernsehen“ verpasst, um zu signalisieren: DVB-T eignet sich auch für den Empfang unterwegs - mit mobilen Mini-Fernsehgeräten, Empfangs-Sticks für Notebooks und winzigen Dongles, die sogar die Bildflächen von Smartphones und Tablet-PCs zu Fernsehschirmen machen.

HDTV ist nicht möglich

Ob der Empfang auch in der Wohnung klappt, hängt vom Standort ab: Manchmal genügt eine winzige Stabantenne, manchmal braucht man eine größere Zimmerantenne mit eingebautem Verstärker, manchmal sogar eine Außenantenne. Aber in jedem Fall hat der stationäre Empfang seinen Charme: Alle Flachbildfernsehgeräte haben heute DVB-T-Empfangsteile, können also autark, ohne Settop-Box und umständliche Verkabelung, auf Empfang gehen.

So wäre DVB-T eigentlich, zumindest für Zweitgeräte, eine pfiffige Empfangslösung. Jedenfalls in Ballungsgebieten wie Hamburg und Berlin, wo auch die Programmvielfalt bisher kaum Wünsche übriglässt. Doch in weiten Regionen der Republik bestreiten ausschließlich die öffentlich-rechtlichen Sender das Programm. Zudem hat RTL im Januar angekündigt, die terrestrische Verbreitung seiner Programme bis zum Jahr 2015 ganz einzustellen, Sat1 und Pro Sieben prüfen den Ausstieg ebenfalls.

Infografik / Digitales Fernsehen / Die Anbieter im Überblick © F.A.Z. Vergrößern

Hinzu kommt: Die heutige DVB-Technik erlaubt nur die Übertragung mit sehr niedrigen Datenraten, HDTV ist überhaupt nicht möglich. So bleibt der Fernsehgenuss auf großen Bildschirmen über das Antennenfernsehen getrübt. Auch die Netzpolitik der Bundesregierung nagt am Lebensfaden von DVB-T: In immer größeren Teilen des klassischen Fernsehspektrums soll sich der Mobilfunk breitmachen. Unter diesen Bedingungen hat das terrestrische Fernsehen keine Zukunftschancen.

Das müsste eigentlich nicht sein: Die Umstellung auf das modernere DVB-T2 würde Frequenzressourcen für HDTV und bessere Qualität in der Standardauflösung freisetzen, eine rege Beteiligung privater Sender würde die Attraktivität zusätzlich steigern und die anteiligen Übertragungskosten für die Medienhäuser senken.

Kabel gehört oft zur Ausstattung

Ob es dazu noch kommt oder ob DVB-T nur noch eine Weile als Provisorium in Umzugsphasen oder als Behelfsfernsehen in Studentenbuden dient, bis es vollends das Zeitliche segnet - das wird von Entscheidungen abhängen, die Sender und Politik in den nächsten Monaten treffen. Wir fänden die zweite Alternative schade. Mobiler Empfang wäre dann nur noch über die Mobilfunknetze möglich - und das ist für klassische, lineare Rundfunkverbreitung im Grunde nicht das passende Biotop, ganz abgesehen von den bedenklichen Einflüssen auf die monatliche Mobilfunk-Rechnung.

In größeren Mietshäusern ist die Wahlfreiheit des Fernsehanschlusses oft ohnehin Fiktion: Dort gehört der Kabelanschluss nicht selten zur Wohnungsausstattung, die monatliche Grundgebühr - typische Höhe um 15 Euro - zählt zu den Mietnebenkosten. So schluckt König Kunde wohl oder übel etliche Kröten, die ihm die Netzbetreiber zumuten.

Unitymedia und Kabel Deutschland zum Beispiel, die beiden größten Kabelgesellschaften in Deutschland, verschlüsselten jahrelang nicht nur Abo-Kanäle, sondern auch die privaten Programme in Standardauflösung, also die Senderfamilien um RTL, Sat1 und Pro Sieben, um sie einträglicher vermarkten und die Nutzungsmodalitäten, etwa die Aufnahme von Programmen, reglementieren zu können.

ARD und ZDF zahlen keine Einspeisegebühren

Erst das Bundeskartellamt machte dieser Praxis ein Ende: Unitymedia gab im Januar freiwillig die Verschlüsselung der genannten Programme auf - als Teil eines Deals mit dem Kartellamt im Zuge der Übernahme von Kabel Baden-Württemberg. Kabel Deutschland wird diesem Schritt im April unfreiwillig folgen: Die Kartellwächter hatten festgestellt, dass die „Grundverschlüsselung“ auf wettbewerbswidrigen Absprachen zwischen RTL, Sat1 und Pro Sieben beruhte.

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