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Fahrzeugbrände Üben für den Ernstfall

Fahrzeugbrände sind der Albtraum jedes Autofahrers - auch wenn sie in der Realität wenig gemein haben mit den Darstellungen in Film und Fernsehen.

© Peter Thomas Vergrößern Feurig: Eine solche Verpuffung, wie sie hier simuliert wird, kommt bei Fahrzeugbränden selten vor. Und spontane Explosionen brennender Fahrzeuge gehören erst recht ins Kino

Unter der Haube, im Motorraum des Personenwagens, brennt es. Wäre das ein Actionfilm, dann schlüge aus dem Herz der Mittelklasse-Limousine gleich ein gigantischer Feuerball. „Zum Glück“, sagt Hans-Dieter Zentgraf, „sind wir aber nicht in Hollywood.“ Kino und Fernsehen zeigten, dass Autos schon beim kleinsten Unfall in die Luft gehen. „Das ist aber völlig falsch“.

Spektakuläre Pyrotechnik für Leinwand und Bildschirm ist eben eine Sache, ein realer Fahrzeugbrand ist eine völlig andere. Was genau passiert, wenn ein Auto brennt - und wie die Brandschützer richtig reagieren, das erklärt Zentgraf an diesem bitterkalten Winterabend den gut 30 Feuerwehrleuten aus dem hessischen Groß-Gerau, die im Kreis um ihn stehen.

Gefährlicher als Feuer sind die Brandgase

Zum Auftakt liefert der Mann mit dem kurzgeschorenen Vollbart den Teilnehmern des Seminars erst einmal Hintergrundwissen: Die meisten Fahrzeugbrände werden durch Leckagen und durch Fehler in den elektrischen Anlagen ausgelöst, erklärt Zentgraf. Welches Szenario jeweils dafür verantwortlich ist, unterscheidet sich von Fall zu Fall: Eine Leckage, die zum Brand führt, kann ebenso durch einen Verkehrsunfall ausgelöst werden wie durch einen Marder mit kulinarischer Vorliebe für Kunststoffschläuche.

Besonders wichtig für die Helfer ist die Erkenntnis, dass echte Fahrzeugbrände vergleichsweise viel Zeit zum Retten und Löschen lassen: „Selbst bei einem Motorraumbrand“, betont Zentgraf, „dauert es durchschnittlich sieben bis 15 Minuten, bevor die offene Flamme den Innenraum erreicht hat.“ Gefährlicher als das Feuer selbst seien in dieser Phase die Brandgase, die in den Innenraum eindringen.

18609964 © Peter Thomas Vergrößern Gummi und Kunststoff: Sie geben den Flammen Nahrung

Zu wissen, dass ein Personenwagen nicht so einfach spontan abbrennt, ist nicht nur für professionelle Helfer relevant. Eigentlich, so heißt es beim Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC), solle jeder Kraftfahrer darüber informiert sein. „Autos explodieren in der Regel nicht einmal dann, wenn sie bereits lichterloh brennen“, betont daher ADAC-Sprecher Christian Buric. Der Club hat gemeinsam mit Partnerorganisationen aus Österreich (ÖAMTC) und der Schweiz (TCS) wichtige Regeln über das Verhalten bei Fahrzeugbränden zusammengetragen.

Wer beispielsweise während der Fahrt ein Feuer im Motorraum entdeckt, soll ruhig, aber zügig einen möglichst ungefährlichen Platz zum Halten suchen. Wenn alle Insassen den Wagen verlassen haben und die Feuerwehr alarmiert ist, kann man auch einen Löschversuch unternehmen - falls ein Feuerlöscher an Bord ist.

Beißender Rauch, schwarze Schwaden

Die Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ), empfiehlt für Personenwagen grundsätzlich die Anschaffung eines solchen Feuerlöschers. Käufer sollten darauf achten, sagt GTÜ-Sprecher Hans-Jürgen Götz, dass das Gerät die DIN EN 3 erfüllt und regelmäßig gewartet wird. Weil selbst kleine ABC-Pulverlöscher mit zwei Kilogramm Füllmenge bei einer Vollbremsung oder einem Unfall zum gefährlichen Geschoss werden können, erinnert der ADAC an die crashsichere Montage des Löschers - am besten in einer speziellen Halterung unter dem Fahrersitz.

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