Home
http://www.faz.net/-gy9-75pxg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Fahrtbericht: Skoda Rapid Elegance Die simple Cleverness der wahren Werte

Es muss nicht immer Kaviar sein. Das gilt auch für Autos, und da ist Skoda, die Vollkornmarke im VW-Konzern, die richtige Adresse. Der neue Rapid bringt intelligente Nüchternheit zum Vorzugspreis. Aber Liebreiz fühlt sich anders an.

Es muss nicht immer Kaviar sein. Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© F.A.Z, Skoda, F.A.Z., Skoda Vergrößern F.A.Z.-Fahrtbericht: Skoda Rapid

Beinahe über Nacht sind sie gekommen. Flammneue, moderne Autos mit Miniverbräuchen, die man bezahlen kann. Sogar im VW-Konzern, der nicht unbedingt als Erfinder des Billigautos geführt wird, gibt es sie. Die für Vernunftmobile mit einem Hauch von Cleverness zuständige Konzernmarke Skoda entdeckte zwischen ihrem kleinen Fabia und dem größeren Octavia noch eine Nische und füllte sie mit dem Rapid. Er soll gegen die preisbrechenden Koreaner von Kia und Hyundai antreten und den rumänischen Dacia aus dem Renault-Konzern die elegante Stirn bieten. Die technischen Zutaten lieferten die VW-Regale, das Design blickt in die Skoda-Zukunft, das Auto wird definiert als unscheinbarer Held des Alltags.

Die Qual der Wahl

Wolfgang Peters Folgen:  

Der potentielle Käufer hat zunächst die Qual der Wahl. Will er sparen und fährt im Jahr etwa 10 000 Kilometer, dann greift er am besten zum Einsteiger-Rapid mit 1,2-Liter-Dreizylinder-Otto, der allerdings (mit 55 kW/75 PS und 112 Nm) nur bescheidene Dynamik-Ansprüche erfüllt. Doch man wird nicht zum Verkehrshindernis und kommt in Verbindung mit der recht frugalen Active-Ausstattung auf nur 13990 Euro, ohne Klimaanlage. Wer mehr Leistung spüren und die Wärme von ruhigem Luxus genießen will, der hangelt sich durch die Rapid-Riege, landet schließlich auf der Elegance-Ebene und hat den bekannten 1,6-Liter-TDI, allerdings nur in Verbindung mit manuellem Fünfganggetriebe unter der Haube. Die DSG-Box steht nur für Benziner bereit, eine Sechsgangschaltung ist für diesen Diesel nicht vorgesehen. Dennoch wirkte der Testwagen auf den ersten Blick keineswegs ärmlich.

Er kostete allerdings ohne Extras schon 22 160 Euro, und das lässt sich nicht mehr aus dem Sparstrumpf zahlen. Deshalb gilt auch für den Skoda Rapid: Günstige Tarife werden nur an der Basis geboten; für passive Sicherheit mit Airbags und Bremseingriffen ist aber immer gesorgt, mit gewissen Komfort-Einschränkungen muss man aber leben.

Mehr zum Thema

Reisen ohne Kofferbeschränkung

Nur geringe Beschränkungen muss man sich auferlegen, wenn es um die Transportansprüche geht. Der Radstand von 2,60 Meter und ein füllig geratener Überhang hinten sind schöne Hinweise auf Platz für Passagiere und Gepäck. Notorisch mobile Menschen, die gern im Kofferraum ihren kompletten Hausrat mitführen oder für die Ferien nicht auf die große Garderobe verzichten wollen, haben nach dem gut unterstützten Anheben der großen Klappe im Heck des Rapid Tränen der Ergriffenheit in den Augen: Hinter der recht hoch geratenen Ladekante (Abstand zum Boden etwa 70 Zentimeter) tut sich eine Höhle auf, wie sie in dieser Klasse sonst keiner bietet. In der Tiefe misst sie bis zu den Rücksitzen auf dem Boden etwa 105 Zentimeter (aufgrund der sehr schräg installierten Rücksitzlehnen geht weiter oben Ladetiefe verloren), in der Breite sind es zwischen den Radkästen rund 104 Zentimeter. Daraus ergibt sich ein Stauvolumen von 550 Liter. Das lässt sich durch Umklappen der ein zu zwei Drittel geteilten Lehne erweitern, maximal gibt es 1490 Liter. Da zahlt es sich aus, dass der Rapid zwar ein Stummelheck, aber dennoch eine Heckklappe hat. Clever ist der zwar hässliche, aber hilfreiche, nach unten ragende Kunststoffgriff zum Schließen der Klappe. Eher ein Gag ist der in der Tankklappe hausende, teigschaberähnliche Eiskratzer.

Gespart wird im Detail

Hinweise auf ernsthafte Sparbemühungen geben die ohne Dämpfung in ihre Warteposition zurückknallenden Griffe am Dach, die hohl und hart klingenden Geräusche beim Pochen der Fingerknöchel auf die großen Kunststoffteile und die Beschränkung auf einen einzigen Schminkspiegel in der Sonnenblende auf der Beifahrerseite. Einige Kanten könnten besser entgratet sein, und auf den reichlich vorhandenen, vorgeblich Hochwertigkeit signalisierenden Chromschmuck verzichtete man besser. Aber der Innenraum ist gut geschützt vor Abrollgeräuschen, Windlärm tritt erst jenseits von 140 km/h auf, und so ist vor allem der Vierzylinderdiesel für störende Töne zuständig. Er sorgt auch für sanfte, aber beständige Vibrationen im Schalthebel und in der Sitzlehne. Beim vorsichtigen Anfahren mit niedriger Drehzahl fällt die Leistungsbereitschaft des Turbodiesels gern in den Keller. Er bietet zwar auf dem Papier 250 Nm schon bei 1500/min, aber im Alltag hält man ihn am besten in der Nähe von 2000/min, wenn man auf Zug fahren möchte. Dann ist beim Wandern durch die Schaltgassen angenehmer Druck zu spüren, das Getriebe ist gut auf den eher zäh reagierenden Motor abgestimmt. Unter voller Last knurrt er unwillig, beschleunigt den 1265 Kilo wiegenden Rapid aber recht zügig, 190 km/h sind möglich, 160 bis 170 km/h sind aber wegen des geringeren Getöses aus dem Maschinenraum angenehmer. Freundlich gestalten sich für den Fahrer auch die Aufenthalte an der Zapfsäule: Der Durchschnittsverbrauch liegt mit 5,9 Liter zwar deutlich über dem Normwert von 4,4 und ist dennoch ein gutes Argument für den Diesel, als Minimalkonsum notierten wir nach intensiven Knauserbemühungen sogar auf einem Teilabschnitt nur 4,1 Liter auf 100 Kilometer.

Der müde Diesel hat keine negativen Einflüsse auf die dynamischen Möglichkeiten des Rapid. Er wirkt leichtfüßig, folgt präzise den Lenkbefehlen, bereitet mitunter auf kurvigen Landstraßen sogar Freude, nicht wegen Rasens, sondern aufgrund der Präzision des Fahrens und der ruhigen, keine Überraschungen bietenden Reaktionen des Fronttriebler-Fahrwerks. Erkauft wird die sichere Straßenlage mit einem für Familientransporte zu hart abgestimmten Fahrwerk, Querfugen werden unverblümt nach innen weitergereicht.

In gewissem Sinn erdet der Rapid die Marke Skoda wieder. Er hat selbst in den teuersten Versionen eine enge Verbindung zu den Finanzen des Alltags, und Design sowie Charakter sind eine Botschaft der programmatischen Bescheidenheit. Allerdings mangelt es ihm ein wenig an Ausstrahlung, an Emotionen, die über die Freude am Schnäppchen hinausgehen. Wir warten auf die scharfe RS-Version.

Nächste Woche: Ford B-Max Titanium 1.0 Ecoboost

Technische Daten

Preis:
Empfohlener Preis 22 160 Euro, Preis des Testwagens 23 119 Euro

Motor und Getriebe:
Vierzylinder-Diesel, vier Ventile je Zylinder, Common-Rail-Einspritzung,
Abgasturbolader, Hubraum 1598 Kubikzentimeter
Leistung 77 kW (105 PS) bei 4400/min Höchstes Drehmoment 250 Nm von 1500 bis 2500/min, 90 Prozent davon ab 1400 bis 3000/min Fünfgang-Schaltgetriebe Antrieb auf die Vorderräder
 

Abmessungen:
Länge/Breite/Höhe 4,48/1,94/1,46 Meter Radstand 2,60, Wendekreis 10,9 Meter Leergewicht 1265
Zulässiges Gesamtgewicht 1725, Anhängelast 1200 Kilogramm, Kofferraumvolumen 550 bis 1490 Liter Tankinhalt 55 Liter
Reifengröße 185/60 R15 84H (Winter- reifen)
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h Von 0 auf 100 km/h in 10,1 s; von 50 auf 100 km/h im 4./5. Gang in 12,3/15,8 s
 

Verbrauch
4,1 bis 6,4, im Durchschnitt 5,9 Liter Diesel je 100 km; 114 g/km CO2 bei Normverbrauch von 4,4 Liter
Versicherungs-Typkl. HP 16, VK 19, TK 21 Garantie 2 Jahre ohne Kilometerbegrenzung, 12 Jahre gegen Durchrostung; Wartung alle 30 000 km oder alle 2 Jahre

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.01.2013, 19:14 Uhr

Umfrage

Wird die Apple Watch ein Erfolg?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Appgeschreckt

Von Walter Wille

Allem Neuen stehen wir hier grundsätzlich erst einmal aufgeschlossen gegenüber. All die vielen Apps, zum Beispiel - toll. Mehr 1