Im vergangenen Jahr hatten wir an dieser Stelle stolz vermeldet, dass das erste Elektroauto für einen Großen Fahrtbericht gefahren wurde. Und obwohl wir schon immer skeptisch bezüglich der Zukunft mit Akku und Kilowattstunden waren, ein derartig katastrophaler Fehlstart des E-Autos hat uns dann doch überrascht. Und die Kanzlerin redet immer noch von einer Million Elektroautos im Jahr 2020.
Dabei hatten wir alle unsere Vorurteile über Bord geworfen und fuhren 2012 so viele E-Autos wie nie zuvor: Der Renault Twizy und der Nissan Leaf waren uns sogar Große Fahrtberichte wert. Außerdem wurden der Renault Fluence Z.E. sowie der Lieferwagen Kangoo und der elektrische Volvo C30 bewegt. Bestätigt wurden alle Vorurteile. Kein Wunder, dass das E-Auto schon kaum noch ein Thema ist. Da hätten wir den „Einsatz“ des Überführungsfahrers gar nicht nötig gehabt, der glaubte, er könne mit dem Leaf so einfach von Köln nach Frankfurt fahren und zwischendurch etwas (Stark-)Strom bei Nissan-Händlern bunkern. Pustekuchen. Keines der Autohäuser an der Strecke hatte Starkstrom. So endete die Fahrt in Limburg und wurde am anderen Tag fortgesetzt.
Noch immer sind E-Autos - selbst der sonst so erwachsene und geräumige Leaf - nicht mehr als Stadtautos, schon der Reichweite wegen. Der Renault Twizy, der meistverkaufte Stromer 2012, ist ein solches und dazu noch eines, mit dem man (auch jetzt noch) mehr Aufmerksamkeit erregt als mit jedem Ferrari oder Rolls-Royce. Schon kurz nach dem Verkaufsstart im Frühjahr waren in Deutschland schnell mehr als 1000 Twizy verkauft. In Europa hat Renault bisher rund 10 000 Einheiten des Wägelchens abgesetzt, aber Ende November wurde ein Großteil davon in die Werkstätten zurückgerufen, wegen eines ziemlich profanen Problems an der Bremse. Künstlerpech.
Reduziert auf die Bestimmung als Stadtfahrzeug, hat das E-Auto eine Zukunft, nicht umsonst prosperieren in Großstädten Carsharing-Angebote, und hierfür scheint das Elektrische wie geschaffen. Der E-Smart ist der nächste Kandidat, den wir im nächsten Jahr prüfen werden.
Fullsize-Autos mit elektrischem Antrieb werden es noch lange sehr schwer haben, von Spezialanwendungen (Lieferwagen) einmal abgesehen. Ob der Tesla S, der mit dem Versprechen einer Reichweite von mehr als 400 Kilometern im Herbst seine „erste Probefahrt“ hier abliefern durfte, das ändern kann, wird sich zeigen. Die ständig steigenden Strompreise sind ebenfalls ins Kalkül zu ziehen. Wahrscheinlich werden wir noch lange mit Verbrennungsmotoren unterwegs sein.
Hybride helfen sparen
Unterdessen bewähren sich die E-Antriebe zumindest als Helfer für ihre großen Brenner-Brüder, allein sieben Autos mit Hybrid-Technik traten 2012 zu einem Großen Fahrtbericht an, angefangen vom Opel Ampera bis zum Toyota Yaris, mit dem Hybrid-Pionier Toyota jetzt in die Kleinwagen-Klasse vorstößt. Einen guten Eindruck hinterließen auch die (vierzylindrige) Oberklasse-Limousine Audi A8 hybrid und der Mercedes-Benz E 300 Bluetec Hybrid, bei dem ein Dieselmotor mit einer E-Maschine kombiniert wird. Verbrauchswunder vollbringen sie aber alle nicht, der gute alte (Turbo-)Dieselmotor ist nicht so leicht zu schlagen. Aber immerhin, 2011 ging die Krone für das Auto mit dem niedrigsten Verbrauch an den Hybrid-Altmeister Toyota Prius mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Liter Super auf 100 Kilometer. Beeindruckend.
Doch die in der Redaktion im Alltag ermittelten Werte können immer nur eine Tendenz zeigen, unmittelbare Vergleiche verbieten sich, weil nie die gleichen Strecken mit dem gleichen Leistungseinsatz bei gleichem Wetter und Beladung gefahren wurden. So wollte der Yaris Hybrid 2012 mit 5,3 Liter einen ganzen Liter mehr als der Prius im Jahr zuvor, was aber in der Rangliste 2012 immer noch für einen der vorderen Plätze taugt. Das sparsamste Auto in der Testwagenriege war der Hyundai i20 blue CRDi, der im Schnitt mit 4,9 Liter auskam. Dahinter plaziert sich der Audi A1 2.0 TDI Sportback mit 5,0 Liter Diesel. Dass klein nicht immer super-sparsam bedeutet, zeigen die 6,9 Liter, die sich der VW Up 1.0 genehmigte. Der Skoda Citigo 1.0 mit dem gleichen Motor (55 kW/75 PS) war mit 6,0 Liter zufrieden. Die Cityfloh-Drillinge Up, Citigo und Seat Mii gehören zu den wichtigsten Neuheiten 2012, sie treibt ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Motor an. Neue Ein-Liter-Motoren zeugen von der Weiterentwicklung des Downsizing, der Ford Focus war 2012 das erste Kompaktauto mit einem solchen Motor. 7,3 Liter Verbrauch waren jedoch keine Ruhmestat.
Kaum noch ein Auto schluckt mehr als 10 Liter
Mit einer Fünf vor dem Komma glänzten 2012 aber der Toyota Yaris 1.33, der Honda Civic 2.2 i-DTEC, der Citroën DS5 Hybrid4 sowie der Chevrolet Aveo Diesel 1.3 (Rang drei mit 5,2 Liter). Die Tendenz, dass die Autos immer sparsamer werden, hält an. Nur noch wenige der für einen Großen Fahrtbericht ausgewählten Fahrzeuge benötigten mehr als 10 Liter auf 100 Kilometer. Dem Porsche 911 sehen wir die 12,4 Liter gern nach, und die 14,0 Liter des Bentley Continental GTC V8 (ein Sparmodell, weil acht statt zwölf Zylinder) mögen angemessen sein. BMW bringt es freilich im 750i auf 11,7 Liter. Aber von nichts kommt nichts. Wichtig ist doch, dass so große Autos wie die Mercedes-Benz B-Klasse mit weniger als sieben Liter auskommen (als 180 CDI), auch der Kia Optima 1.7 CRDI schafft das, was man von einem Kleinwagen wie dem Fiat Panda 1.2 erwartet (Schnitt 6,1; Optima 6,6). Ebenfalls 6,6 Liter im Durchschnitt erreichte der so schicke VW CC mit dem 2.0-Liter-CDI (103 kW/140 PS).
Viele weitere Beispiele ließen sich anführen, auch die schon erwähnten Hybrid-Autos schlugen sich wacker. Die E-Klasse mit dem Hybrid-Diesel glänzte mit 6,9 Liter, der Peugeot 3008 (Diesel-)Hybrid 4 begnügte sich mit 6,8. Für den Opel Ampera, eines der Autos, über die 2012 am meisten gesprochen wurde, maßen wir 7,4 Liter - ohne die Kilometer zu berücksichtigen, die mit dem E-Motor ohne jeglichen Benzinverbrauch gefahren wurden. Der Verbrennungsmotor als Reichweiten-Verlängerer (neudeutsch Range-Extender) könnte eine der Lösungen sein, auf die wir in Bälde öfter treffen werden, zum Beispiel bei den avisierten i-Modellen von BMW.
Die Hybrid-Technik als solche, verfeinert mit der Möglichkeit, die Batterie an der Steckdose aufzuladen, hat nicht nur VW-Chef Martin Winterkorn inzwischen ins Herz geschlossen. Der Plug-in-Hybrid vereine das Beste aus zwei Welten und sei die Zukunftstechnik, die man aus ihrer Nische holen werde, sagte Winterkorn im September auf dem Pariser Autosalon. Für 2013 kündigte der Konzernlenker den Porsche Panamera als Steckdosenhybrid an und außerdem den Übersportwagen Porsche 918. 2014 folgen laut Winterkorn der VW Golf, der Passat, der Audi Q7, der A3 und der Porsche Cayenne als Doppelherzler mit Kabel, das Jahr darauf sollen noch der Audi A6 und der A8 kommen. Versprochen. Und wir werden sie alle fahren. Versprochen. Bei aller Euphorie (das Wort bedeutet eigentlich Todessehnsucht) für das (teil-)elektrische Fahren machte Winterkorn allerdings auch klar, dass es noch auf längere Sicht keine Alternative zum Verbrennungsmotor gebe. Sagen wir ja auch immer.
Gasautos bleiben Nischenprodukte
Eine Möglichkeit - auch wenn freilich Treibstoff verbrannt wird - sind Gasautos. Einige Vertreter dieser Spezies hatten wir ebenfalls zu Gast, doch solange der Aufpreis für die Umbauten am Motor verhindert, dass die Gesamtrechnung signifikant niedriger wird, bleiben LPG (Flüssiggas, Abfallprodukt bei der Mineralölherstellung) oder CNG (natürliches Gas) Nischenprodukte. Für CNG spricht langfristig, dass die Vorräte wohl noch viel länger reichen als im Fall des Erdöls.
Davon wird täglich die unvorstellbare Menge von zirka elf Millionen Tonnen verbrannt, da fühlt man sich als Einzelner doch unbedeutend und grämt sich nicht zu sehr über die 23 Liter auf 100 Kilometer, die der Lamborghini Aventador vergeudete. Ihm folgte der Mercedes-Benz ML 63 AMG (17,0 Liter). Der Mix unserer Testwagen ist stets eine Komposition aus dem, was wichtig im Markt ist, und dem, was unsere Leser darüber hinaus interessiert. Die wollen ja nicht nur über ihr Auto Bescheid wissen, sondern auch über das der Nachbarn. Deshalb haben die Importeure immer ein „Übergewicht“. Obwohl sie nur ein gutes Drittel des Neuwagenmarkts ausmachen, stellten sie auch 2012 das Gros der F.A.Z.-Testwagen. 64 Importeurs-Autos stehen 49 Fahrzeuge deutscher Hersteller gegenüber. Die wachsende Bedeutung der koreanischen Marken schlägt sich in neun Fahrtberichten nieder. Ginge es nach dem Markt, müsste die Redaktion - überspitzt formuliert - immer nur VW Golf erproben.
Apropos: Leider hat es mit einem Golf VII als Testwagen in diesem Jahr nicht mehr geklappt, an uns hat es gewiss nicht gelegen. Aber am 5. März reichen wir unsere Eindrücke nach zwei Wochen Alltagsbetrieb und dem Abspulen unseres regulären Programms (forciert gefahrene, definierte „Taunusrunde“, bestimmte Messfahrten) nach.
Auch dieses Jahr sind wir - Gott sei’s gedankt - abermals von Unfällen verschont geblieben, Langfinger versuchten sich an einer Mercedes-Benz B-Klasse, scheiterten jedoch. Seit mehreren Jahren keinen Unfall - und das bei rund 150 Testfahrzeugen im Jahr, da gilt es dreimal auf Holz zu klopfen.
Elektrische Motorräder kommen
Und wenn auch dem Auto unser Hauptaugenmerk gilt, dem Motorrad und den Wohnmobilen widmen wir uns mit derselben Hingabe, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Schließlich sind hier Fahrzeuge zu bewerten, die überwiegend oder sogar ausschließlich in der Freizeit genutzt werden. Auch bei den Zweirädern tat sich 2012 einiges. Das Interesse daran nimmt wieder zu, Assistenz-Technik hält nach und nach Einzug. BMW ist der Treiber auf dem (deutschen) Markt, dass die Münchner in Berlin jetzt wieder Roller bauen, hätte nach dem Flop mit dem überdachten und technisch extravaganten C1 vor Jahren wohl keiner mehr gedacht. Und sogar einen rein elektrischen Roller wird BMW auf den Markt bringen - 2013 oder spätestens 2014. Ja, elektrische Motorräder sind im Kommen, da gibt es ähnliche Entwicklungen wie beim Auto. Jedes Jahr warten wir auf den Fortschritt, jedes Jahr kommen wir ihm ein bisschen näher.
Bedrückend
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 04.01.2013, 13:39 Uhr
Zuviel Getöse bei zu wenig Effizienz
Gunnar Schurich (GSchurich)
- 04.01.2013, 12:41 Uhr
Eine vermisse ich, nämlich die Brennstoffzelle.
Thomas Berger (tberger)
- 04.01.2013, 12:00 Uhr
Ein interessanter Bericht...
Gus Savel (gsavel)
- 04.01.2013, 10:48 Uhr
Mutmaßung, Vorurteil und Urteil
Horst Günther (MarkTwain)
- 04.01.2013, 07:42 Uhr
