Eine Übung macht noch keinen Meister, sorgt aber für ein gutes Gefühl. Markus Müller zumindest, Auszubildender und Besitzer eines Audi A4 älteren Baujahrs, freut sich, das Fahrsicherheitstraining für kluge Köpfe mit einer ganzen Reihe bedeutsamer Erkenntnisse beendet zu haben. Verkehrssituationen richtig einschätzen, richtig bremsen und korrekt mit Gegenlenken reagieren, wenn der Wagen ins Schleudern gerät, das sind die wesentlichen Inhalte des Lehrgangs, zu dem in den vergangenen 15 Jahren rund 1500 Leser dieser Zeitung eingeladen wurden. Und fast alle sind nach dem Tageskurs mit einem deutlich besseren Gefühl auf die Heimreise gegangen. Sie haben sich, ihren Wagen und vor allem die unumstößlichen Regeln der Fahrphysik kennengelernt.
In Kooperation mit dem AvD und Skoda Deutschland organisiert die F.A.Z. das Fahrsicherheitstraining für kluge Köpfe, 1997 wurden die Lehrgänge zum ersten Mal angeboten. Und die Erfahrungen, wie intensiv sich die Übenden im Vorfeld mit sich und ihrem Auto auseinandergesetzt haben, sind vielfältig. Der aus Darmstadt stammende Markus Müller gehört zu den autoaffinen Teilnehmern. Dennoch ist er überrascht: „Ich konnte es kaum glauben, welche Strecke ich mit meinem Wagen bei nur 50 km/h in einer Sekunde zurücklege, da wird es schwer, einen Unfall zu vermeiden, wenn plötzlich jemand aus der Seitenstraße heraussticht und mir die Vorfahrt nimmt“, sagt er. Wer jetzt die Bremse allzu zögerlich betätigt, muss sich hinterher die Frage gefallen lassen, ob er nicht doch den Unfall hätte vermeiden können.
Der schonende Umgang mit der Technik ist in diesen Fällen nicht angeraten. Der sogenannte Bremsschlag, ein beinahe schon rabiater Tritt auf die Bremse, ist in Gefahrensituationen notwendig, um nicht entscheidende Zentimeter des Anhalteweges zu verschenken. Daran muss man sich gewöhnen. „Ich traue mich einfach nicht, mein Auto so zu behandeln“, erklärte in der Vergangenheit eine Teilnehmerin aus Oldenburg. Erst die praktische Übung, bei der ihr neuer Opel Astra das symbolisch aus Styroporquadern dargestellte Hindernis noch kräftig touchierte, während die zum Teil weniger modernen Autos anderer Teilnehmer gut zwei Meter davor zum Stehen kamen, hat ihr die Notwendigkeit des schnellen und kräftigen Drucks auf das Pedal deutlich gemacht. Ein mit 50 km/h fahrendes Auto, das mit maximaler und sofort nach dem Erkennen der Gefahr beginnender Bremskraft verzögert wird, bleibt nach etwa zehn Meter stehen. Ein Wagen, bei dem der Bremsdruck mit einer nur flach ansteigenden Kurve aufgebaut wird, benötigt etwa drei Meter mehr zum Anhalten und hat an jener Position, an der das maximal verzögernde Fahrzeug zum Stehen gekommen ist, immer noch eine Restgeschwindigkeit von 25 km/h.
“Das ist ohnehin ein wesentlicher Teil des Lernerfolgs beim F.A.Z.-Fahrsicherheitstraining“, sagt Matthias Kleinmichel, einer der Moderatoren des AvD bei den Lehrgängen. „Hier können die Teilnehmer unter realistischen Bedingungen das Verhalten ihres Wagens im Wortsinn erfahren und aus den sehr konkret nachgestellten Verkehrssituationen ihre Schlüsse ziehen.“ Das sieht auch Ralf Hoffmann aus Nürnberg so. Der BMW-Fahrer ist deshalb bekennender Wiederholungstrainer. „Ich fahre beruflich viel Auto und mache, wenn es irgendwie geht, jedes Jahr beim Fahrsicherheitstraining mit“, sagt er. Denn die erlernten, richtigen Reaktionen werden wünschenswerterweise nicht alltäglich nachvollzogen. Da können die richtigen Abläufe im Laufe der Jahre durchaus in Vergessenheit geraten.
Nicht jeder ist allerdings mit den Abläufen beim Fahrsicherheitstraining einverstanden. Ein Sportwagenfahrer sei einst enttäuscht davongefahren, als er erkannte, dass es hier nicht um Rundenzeiten und Wettbewerbssituationen geht, plaudert Manfred Just, ehemaliger Mitarbeiter des AvD, aus den Erfahrungen vieler Jahre. Langeweile kommt jedoch in aller Regel nicht auf. Die konsequente Einhaltung kleiner Gruppengrößen garantiert, dass jeder Teilnehmer die Übungen ohne lange Wartezeiten mehrfach fahren kann.
Vor der Praxis steht jedoch die Theorie. Die Teilnehmer lernen, welche Kräfte ein Reifen übertragen kann, dass Quer- und Längsbeschleunigung addiert werden müssen und dass ein rutschender Pneu so gut wie nichts mehr überträgt. Auch den Blick in den Kofferraum fordern die Moderatoren. Denn dort tritt bisweilen Erstaunliches zutage. Schneeketten und Frostschutzkanister im Sommer oder Sonnenschutzfolie und Picknickkorb im Winter, allerlei unsinnige Mitnehmsel füllen das Gepäckabteil vieler Autos. Die werden vor den Fahrübungen ausgeladen und beiseitegestellt. Denn in den dynamischen Sektionen auf der reibungsreduzierten Fahrbahn oder Spurwechselübungen lenkt das Poltern im Kofferraum nur ab. Und im Wageninneren verstautes Gepäck kann dabei sogar zur ernsten Gefahr werden und Ursache für Verletzungen sein. Abgesehen vom Mehrverbrauch, den das überflüssige Gewicht verursacht.
Die zweite Lerneinheit betrifft die korrekte Fahrerposition. Viele Autofahrer sitzen mit zu weit nach hinten gestellter Rückenlehne im Auto und in viel zu großer Entfernung vom Lenkrad. Die richtige Haltung ist hergestellt, wenn die Handballen bei ausgestreckten Armen und an der Rückenlehne anliegenden Schulterblättern locker oben auf dem Lenkrad liegen. Außerdem gilt es, die Kopfstütze in eine Position zu stellen, bei der ihre Oberkante leicht über der Höhe des Scheitels liegt. Wenn nun noch die Einstellungen von Innen- und Außenspiegel stimmen, kann der fahraktive Teil des Trainings beginnen.
Geübt wird mit dem eigenen Fahrzeug, die Teilnehmer sollen schließlich das Leistungspotential ihres Wagens kennenlernen können. Verschiedene Skoda-Modelle sind ebenfalls dabei und werden zu Demonstrationszwecken genutzt. Im Jubiläumsjahr sind fünf Fahrsicherheitstrainings geplant, in Frankfurt am Main, in Lengede (Niedersachsen), Essen, Reinberg (bei Bonn) und eins in Saalfelden (Österreich). Für die Bewerbung um eine Teilnahme müssen sich Interessenten unter der Faxnummer 069/6606534 oder über die E-mail-Adresse Karin.Hoffmann@AvD.de anmelden. Die limitierte Zahl der Trainingsplätze erfordert eine Begrenzung über die Reihenfolge der Bewerbungseingänge oder das Los. Die Teilnehmer werden persönlich rechtzeitig vor dem jeweiligen Lehrgang informiert und erhalten eine Teilnahmebestätigung. Die ist nicht personengebunden und übertragbar, kann also von erfahrenen, älteren Autofahrern gerne an junge Einsteiger weitergegeben werden. Die einzige Voraussetzung ist, dass sie im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sind.
In den Monaten Juli, August und September sind die Termine der fünf Fahrsicherheitstrainings für Kluge Köpfe geplant. Sie finden jeweils am Wochenende statt. Interessenten können sich von jetzt an bis zum 30. Juni bewerben: Faxnummer 069/66 06 534 oder per Mail an Karin.Hoffmann@AvD.de. Sie erhalten nach ihrer Bewerbung eine Benachrichtigung mit einem Terminvorschlag und der Anfahrtsbeschreibung. Änderungswünsche, falls der Kursus mit Urlaubs- oder Ausflugsfahrten kombiniert werden soll, werden nach Möglichkeit berücksichtigt, ein Anspruch lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.