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Fahrradbeleuchtung : Mehr Licht ist nicht alles

Viel Licht braucht der Mountainbiker bei der abendlichen Ausfahrt im Gelände Bild: Hersteller

Das Leuchtmittel LED hat die Technik der Fahrzeugbeleuchtung revolutioniert - vor allem am Fahrrad. Mehr Licht ist aber gerade dort nicht der Weisheit letzter Schluss.

          Das Szenario ist so häufig zu erleben, dass man es nicht erfinden muss. Zum Beispiel schreibt uns ein Münchener: „Als abendlicher Jogger längs der Isar unterwegs: da gibt es keine Laternen, der Weg ist aber gut erkennbar. Jetzt kommt ein Fahrrad entgegen, die Front-LED überstrahlt alles, da sie zu hoch eingestellt ist. Der Jogger sieht die LED, sonst aber gar nichts mehr. Also bleibt er stehen, Bäume und ein Graben neben dem Weg sind wohl eher ungesund. Sagt der Radfahrer zum Jogger: ‚Ich dachte, ich brauche das Licht, damit ich dich nicht überfahre.‘ Spätestens nach dem dritten Erlebnis dieser Art entwickelt der Jogger einen Hass gegen Radfahrer, eine Spezies, der er andernorts und zu anderer Zeit selbst gern angehört.“

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Es sind keineswegs immer nur die schwächeren Verkehrsteilnehmer, also die Fußgänger, die sich von moderner Fahrradbeleuchtung geblendet fühlen. Auf einer kilometerweit überblickbaren Geraden zwischen Darmstadt und Dieburg fährt nachts dem Autofahrer ein heftiger Schreck in die Glieder. Momente lang glaubt er, ihm komme ein Geisterfahrer mit aufgeblendeten Scheinwerfern auf seiner Seite der Fahrbahn entgegen. Er bremst heftig und unvermittelt, glücklicherweise ist niemand hinter ihm. Denn es stellt sich kurz danach heraus, dass das entgegenkommende Fahrzeug ein Fahrrad ist: mit zwei auf dem Lenker montierten Scheinwerfern und völlig korrekt auf dem rechter Hand die Landstraße begleitenden Radweg in Gegenrichtung unterwegs.

          Weniger Radfahrer ohne Licht

          Man muss jetzt nicht einmal argwöhnen, dass diese zwei grellen Leuchten irgendwelche in Deutschland nicht zugelassenen Scheinwerfer gewesen seien und dass sie in den Mond geguckt hätten, statt den Radweg zu beleuchten. Der Autofahrer ist selbst radfahrend auf diesem Radweg oft genug unterwegs gewesen, um das Dilemma aus mehreren Perspektiven zu kennen. Es gibt zum einen schließlich auch Autofahrer, die entweder grundsätzlich oder aus Angst vor einem vermeintlichen Falschfahrer und wegen des häufigen Wildwechsels aufgeblendet dort entlangfahren, bis sie zweifelsfrei ein entgegenkommendes Auto erkannt haben. Wer so einem begegnet, wird als Radfahrer wohl die Augen zukneifen und ist heilfroh, wenn er dank aktueller LED-Technik so viel Licht wie möglich vor sich ausgebreitet sieht, sobald der Blender vorbeigefahren ist. Ähnlich ergeht es einem, wenn zwei Radfahrer mit dem bläulich kalten Licht von Hochleistungs-LEDs begegnen. Besser nicht ins Licht gucken, blinzeln und vorbei. Ist der entgegenkommende Scheinwerfer - wie es nicht eben selten ist - an seiner Lenkermanschette nach oben verrutscht, nützt das Blinzeln wenig gegen einen Moment der Blindheit.

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          Es kommt noch einiges mehr zusammen, was sich zu dem Eindruck des schon zitierten Schreibers summiert, „dass es jetzt wegen der LEDs weniger Radfahrer ohne Licht gibt. Aber meist sind die Dinger nicht gut eingestellt ...“ Weniger Radfahrer ohne Licht gibt es hauptsächlich deshalb, weil die Lichttechnik durch die Verbreitung des weitgehend wartungsfreien und vom Wetter unabhängigen Nabendynamo viel zuverlässiger geworden ist. Hinzu kommt, dass nur noch ausgesprochene Billigräder mit einem schnell bei Nässe durchrutschenden Seitenläufer-Dynamo und einer gegen Bruch anfälligen Ein-Draht-Verkabelung (Masseschluss über den Rahmen) auskommen wollen. Wenn nun der Schreiber „LEDs nur noch als Positionslicht“ sehen möchte und eine „Umschaltung wie im Auto von Fahrlicht auf Positionslicht“ vorschlägt, lässt sich dazu nur sagen: Das gibt es längst - und intelligenter Entworfenes dazu.

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