Das Szenario ist so häufig zu erleben, dass man es nicht erfinden muss. Zum Beispiel schreibt uns ein Münchener: „Als abendlicher Jogger längs der Isar unterwegs: da gibt es keine Laternen, der Weg ist aber gut erkennbar. Jetzt kommt ein Fahrrad entgegen, die Front-LED überstrahlt alles, da sie zu hoch eingestellt ist. Der Jogger sieht die LED, sonst aber gar nichts mehr. Also bleibt er stehen, Bäume und ein Graben neben dem Weg sind wohl eher ungesund. Sagt der Radfahrer zum Jogger: ‚Ich dachte, ich brauche das Licht, damit ich dich nicht überfahre.‘ Spätestens nach dem dritten Erlebnis dieser Art entwickelt der Jogger einen Hass gegen Radfahrer, eine Spezies, der er andernorts und zu anderer Zeit selbst gern angehört.“
Es sind keineswegs immer nur die schwächeren Verkehrsteilnehmer, also die Fußgänger, die sich von moderner Fahrradbeleuchtung geblendet fühlen. Auf einer kilometerweit überblickbaren Geraden zwischen Darmstadt und Dieburg fährt nachts dem Autofahrer ein heftiger Schreck in die Glieder. Momente lang glaubt er, ihm komme ein Geisterfahrer mit aufgeblendeten Scheinwerfern auf seiner Seite der Fahrbahn entgegen. Er bremst heftig und unvermittelt, glücklicherweise ist niemand hinter ihm. Denn es stellt sich kurz danach heraus, dass das entgegenkommende Fahrzeug ein Fahrrad ist: mit zwei auf dem Lenker montierten Scheinwerfern und völlig korrekt auf dem rechter Hand die Landstraße begleitenden Radweg in Gegenrichtung unterwegs.
Weniger Radfahrer ohne Licht
Man muss jetzt nicht einmal argwöhnen, dass diese zwei grellen Leuchten irgendwelche in Deutschland nicht zugelassenen Scheinwerfer gewesen seien und dass sie in den Mond geguckt hätten, statt den Radweg zu beleuchten. Der Autofahrer ist selbst radfahrend auf diesem Radweg oft genug unterwegs gewesen, um das Dilemma aus mehreren Perspektiven zu kennen. Es gibt zum einen schließlich auch Autofahrer, die entweder grundsätzlich oder aus Angst vor einem vermeintlichen Falschfahrer und wegen des häufigen Wildwechsels aufgeblendet dort entlangfahren, bis sie zweifelsfrei ein entgegenkommendes Auto erkannt haben. Wer so einem begegnet, wird als Radfahrer wohl die Augen zukneifen und ist heilfroh, wenn er dank aktueller LED-Technik so viel Licht wie möglich vor sich ausgebreitet sieht, sobald der Blender vorbeigefahren ist. Ähnlich ergeht es einem, wenn zwei Radfahrer mit dem bläulich kalten Licht von Hochleistungs-LEDs begegnen. Besser nicht ins Licht gucken, blinzeln und vorbei. Ist der entgegenkommende Scheinwerfer - wie es nicht eben selten ist - an seiner Lenkermanschette nach oben verrutscht, nützt das Blinzeln wenig gegen einen Moment der Blindheit.
Es kommt noch einiges mehr zusammen, was sich zu dem Eindruck des schon zitierten Schreibers summiert, „dass es jetzt wegen der LEDs weniger Radfahrer ohne Licht gibt. Aber meist sind die Dinger nicht gut eingestellt ...“ Weniger Radfahrer ohne Licht gibt es hauptsächlich deshalb, weil die Lichttechnik durch die Verbreitung des weitgehend wartungsfreien und vom Wetter unabhängigen Nabendynamo viel zuverlässiger geworden ist. Hinzu kommt, dass nur noch ausgesprochene Billigräder mit einem schnell bei Nässe durchrutschenden Seitenläufer-Dynamo und einer gegen Bruch anfälligen Ein-Draht-Verkabelung (Masseschluss über den Rahmen) auskommen wollen. Wenn nun der Schreiber „LEDs nur noch als Positionslicht“ sehen möchte und eine „Umschaltung wie im Auto von Fahrlicht auf Positionslicht“ vorschlägt, lässt sich dazu nur sagen: Das gibt es längst - und intelligenter Entworfenes dazu.
LED-Scheinwerfer, die sich in Stufen heller oder weniger hell schalten lassen, hat praktisch jeder Anbieter im Angebot. Dabei wird meistens in der Werbung allerdings nicht auf den Blendschutz abgestellt, sondern die beim Dimmen länger reichende Akkuladung in den Vordergrund gestellt. So nennt etwa Trelock bei dem fürs Rennrad zugelassenen, in fünf Stufen anpassbaren Batterie-Scheinwerfer LS 950 die Schaltung „Ecopower Control: „Ein Display zeigt Batteriestand, Schaltstufe und die verbleibende Zeit an. Ab- oder aufzublenden ist mit Plus- und Minustasten kein Kunststück des Scheinwerfers. Ein weiß blinkendes Positionslicht, wie es für nicht zugelassene Scheinwerfer manchmal als besonders stromsparend empfohlen wird, ist bei uns nicht zulässig.
Noch mehr Licht und ein ausgefeilteres Management
Klar und deutlich spricht Philips den Blendschutz bei dem für Mountainbiker konzipierten Scheinwerfer Activeride (rund 220 Euro) an. Vier Hochleistungs-LEDs liefern im Gelände maximal 70 Lux, die sich auf 50 Lux im „blendfreien Modus für die Straße“ reduzieren lassen. Beim Fahren im Gelände ist nicht nur das Licht heller, der Ausleuchtwinkel ist zudem ein anderer: Geblendet wird im Wald wohl kaum jemand, aber man möchte zum Beispiel in den Weg hängende Zweige deutlich und früh erkennen. Die mit dreidimensionaler Lenkerhalterung und einem 2,2-Amperestunden-Akku kommende Leuchte arbeitet 2,5 Stunden im Gelände und doppelt so lange im 50-Lux-Modus, bevor sie auf „Safe Ride Home“ umschaltet und dafür noch eine Stunde mit verminderter Leistung leuchtet.
Noch mehr Licht mit einem außerdem noch ausgefeilteren Management der Lichtquellen bietet der Scheinwerfer Luxos von Busch und Müller (je nach Ausführung zwischen rund 120 für die Basisvariante und 200 Euro im kommenden Frühjahr fürs E-Bike). Am üppigsten ausgestattet ist der StVZO-zugelassene Luxos U (rund 180 Euro), den man sich schon unter den Weihnachtsbaum legen lassen kann. Wie frühere IQ-Scheinwerfer des Meinerzhagener Unternehmens findet eine „indirekte Lichtquelle“ Verwendung. Allerdings ist das Prinzip der von oben in einen speziell geformten Reflektor leuchtenden LED nochmals mit einem Prisma optimiert worden. Damit lässt sich die Lichtausbeute noch homogener und genauer gerichtet dahin werfen, wo man sie haben möchte. 70 Lux liefert der Luxos U gewöhnlich, 90 Lux, wenn er mit seinem Lenker-Taster auf Flutlicht umgeschaltet wird. Der Taster mit Kontroll-LED schaltet ein und aus, das Fernlicht an und beim Parken das Standlicht aus und dient als Lichthupe, wenn man tagsüber mit ausgeschaltetem Scheinwerfer fährt. Außerdem lassen sich an der USB-Buchse des Tasters Geräte wie Handy, Smartphone oder Navi laden. Damit Sensibelchen dieser Art sich nicht wegen der Spannungsschwankungen vom Nabendynamo her verabschieden, sitzt noch ein Pufferakku dazwischen.
Der auf Wunsch sensorgesteuerte Luxos hat in der Front oben unter dem kühlenden Gehäuse weitere LEDs fürs Tagfahrlicht und das Standlicht. Neu ist das Panoramalicht, das den Bereich am und unmittelbar vor dem Fahrrad weich und breit ausleuchtet, der bei vielen voll auf den Messpunkt in zehn Meter Entfernung konzentrierten Fahrrad-Scheinwerfern eine Dunkelgrauzone ist. Diese zusätzlichen LEDs werden automatisch den Nutzungsbedingungen angepasst. Zu guter Letzt überwacht der Luxos U im Gegensatz zur Basisausführung auch das Rücklicht. Das kann nun auch bei Trelock als Bremslicht hell aufleuchten oder als zierliches Rundlicht bei Philips mit Lichtleiter-Technik im Kleinformat auf sich aufmerksam machen.
vernünftiges Licht
Xenia Mutschera (BlueSatin)
- 01.12.2012, 20:59 Uhr
Kabel
Dr. Andreas Frick (Hephaistos)
- 28.11.2012, 18:17 Uhr
"ohne Licht fährt man sicherer..."
Marcus Grimm (quaknuss)
- 27.11.2012, 14:06 Uhr
Kein großes Problem, oder?
Martin Schwoerer (ms-ffm)
- 27.11.2012, 11:53 Uhr
Kein Ärgernis - Sicht ist sicher
Thomas Weis (ThomasOnTour)
- 27.11.2012, 11:37 Uhr