Home
http://www.faz.net/-gy9-75ran
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Facebook-Neuerung Es ist eine Suchmaschine

„Kommt und seht, woran wir bauen“, mit diesen Worten hatte das soziale Netzwerk für eine Veranstaltung am Dienstag eingeladen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg stellte persönlich eine Art Suchmaschine vor.

© dpa

Die Ankündigung war mysteriös und die Spekulationen entsprechend wild. „Kommt und seht, woran wir bauen“, stand über der Einladung zu einer Facebook-Veranstaltung am Dienstag im Unternehmenshauptquartier  in Menlo Park. Einschlägige Technologieblogs buchstabierten alle möglichen Neuigkeiten herauf und herunter: Würde Mark Zuckerberg ein Facebook-Smartphone vorstellen? Würde er die Renovierung der Startseite, des sogenannten Newsfeeds, ankündigen. Vielleicht würde er auch mehr dazu sagen, wie Facebook mobil Geld verdienen will, was die Investoren sicher gefreut hätte?

Martin Gropp Folgen:

Am Ende stellte Zuckerberg eine „dritte Säule“ vor, auf der Facebook künftig ruhen soll. Zum Newsfeed und den Profilseiten der Nutzer, der „Timeline“, gesellt sich fortan Graph Search, eine Suchmaschine, mit der Facebook-Mitglieder künftig das Netzwerk durchleuchten können.

Wer spielt Tennis und wohnt in der Nähe?

Die Suchfunktion sei ein neuer Weg, um Menschen, Fotos, Orte und Interessen zu finden, die für den einzelnen Nutzer hohe Relevanz haben, hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag. Dabei nutzt sie das soziale Geflecht, das die mehr als 1 Milliarde Mitglieder des größten Netzwerks der Welt inzwischen angelegt haben. Zu diesem von Facebook genannten „Social Graph“ gehören die Mitglieder selbst, aber auch die 240 Milliarden Fotos und die mehr als eine Billiarde Verbindungen zu Dingen, Kommentaren und Person, die die Nutzer mit dem „Gefällt-Mir“-Knopf hergestellt haben. 

Mit der Suche  seien nun Anfragen der Art „Menschen, die Tennis mögen und in der Nähe wohnen“ oder „Fotos meiner Freunde in New York“ möglich. Man wolle wieder dahin kommen, wo das Netzwerk am Anfang stand, heißt es in der Mitteilung: „Die neue Funktion führt uns zurück an unsere Wurzeln und erlaubt den Menschen, ihr soziales Geflecht zu nutzen, um neue Verbindungen herzustellen.“

Vorerst in der Probephase

Die erweiterte Suchfunktion befindet sich derzeit in einer Probephase, für die sich Freiwillige seit Dienstagabend auf eine Warteliste setzen lassen können. Bislang sind auch nur Suchen auf Englisch möglich. In den kommenden Monaten soll die Funktion ausgebaut werden.

Zuckerberg sprach Live-Blogs zufolge gleich zu Anfang der Präsentation den Datenschutz der neuen Funktion an. „Wir haben Graph Search von Anfang an mit dem Datenschutz im Sinn gebaut“, heißt es in der Mitteilung. Es respektiere den Datenschutz und auch das vorher vom Nutzer begrenzte Publikum für jedes Stück Information im Netzwerk. „Die neue Funktion macht es einfacher, neue Dinge zu finden, aber man kann nur sehen, was auch sonst auf Facebook zu sehen ist“, hieß es.

Mark Zuckerberg © AP Vergrößern Mark Zuckerberg auf der Präsentation am Dienstag

Bei der Präsentation machte Zuckerberg auch deutlich, dass die neue Funktion sich von der Internetsuche, wie sie etwa auch Google anbietet, absetzen will. Die herkömmliche Internetsuche sei darauf ausgelegt für eine Reihe von Stichwörtern die bestmöglichen Resultate zu liefern. Die Facebook-Suche kombiniere Aussagen, um eine Sammlung von Menschen, Orten oder anderen Inhalten zu erhalten, die auf  Facebook zu finden sind. Das Netzwerk macht damit einen Schritt hin zur semantischen Suche, bei der Computer die Bedeutung einer Suchanfrage interpretieren und die Ergebnisse daraufhin optimieren.

Trotzdem dürfte die Erneuerung der Suchfunktion auch als Angriff auf den Suchmaschinenriesen Google gewertet werden. Für Anfragen außerhalb des sozialen Netzwerks habe man eine Kooperation mit der Suchmaschine Bing von Microsoft geschlossen, hieß es am Dienstag

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Repression im Netzwerk So zensiert Facebook

Mark Zuckerberg, Chef eines Konzerns mit 1,5 Milliarden Nutzern, gibt sich gern harmlos. Doch er hofiert Despoten. Und seine Algorithmen unterdrücken die Freiheit der Kunst und der politischen Meinung. Mehr Von Adrian Lobe

06.07.2015, 16:30 Uhr | Feuilleton
Wien Datenschützer wollen gegen Facebook klagen

Facebook will die österreichische Sammelklage von 25.000 Nutzern wegen mangelnden Datenschutzes seinerseits verhindern. Das Online-Netzwerk argumentierte am Donnerstag, das Landesgericht Wien sei gar nicht für das von einem Studenten angestrengte Verfahren zuständig. So will Facebook einen möglicherweise langen Prozess mit offenem Ausgang abwenden. Mehr

01.07.2015, 11:22 Uhr | Wirtschaft
Initiative von Max Schrems Wiener Gericht weist Sammelklage gegen Facebook zurück

Acht Bürgerrechtler hatten gegen Facebook vor das Wiener Landgericht ziehen wollen, 25.000 weitere Nutzer sich ihrer Klage angeschlossen. Jetzt hat sich das Gericht für nicht zuständig erklärt: Der Initiator Max Schrems sei kein Verbraucher. Mehr

01.07.2015, 10:27 Uhr | Feuilleton
Kommunikation Messaging-Services - die Zukunft sozialer Netze?

Mit mehr als 500 Millionen Nutzern ist WhatsApp der derzeit der erfolgreichste Messenger-Dienst. Smartphone-User verschicken über solche Apps Texte, Bilder, Videos und Sprachnachrichten. Gerade junge Leute verzichten dadurch vermehrt aufs SMS-Schreiben oder die Kommunikation über Facebook. Mehr

20.01.2015, 18:17 Uhr | Wirtschaft
Max Schrems zur Entscheidung Das Gericht wollte den Facebook-Fall wohl schnell vom Tisch haben

Zehntausende unterstützen die Sammelklage des Wiener Datenschutz-Aktivisten gegen Facebook. Jetzt hat das Wiener Landgericht sich für nicht zuständig erklärt. Im Gespräch kommentiert Max Schrems diesen Schritt - und begründet seinen nächsten. Mehr Von Fridtjof Küchemann

01.07.2015, 12:53 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.01.2013, 20:11 Uhr

Europa schafft ab

Von Michael Spehr

Mit der Abschaffung der Netzneutralität in Europa wird es jetzt ernst. Diese Grundfrage wird jedoch in der Öffentlichkeit wie gehabt weder gestellt noch diskutiert. Mehr 5