09.09.2008 · Peter Paay hat einem Kunden, der offenbar flüssig ist, kürzlich einen Wasserhahn in die Designer-Kombüse gebaut, der per Tastendruck die Temperatur regelt und das durch eine offene Rinne ausströmende Wasser beleuchtet.
Peter Paay hat einem Kunden, der offenbar flüssig ist, kürzlich einen Wasserhahn in die Designer-Kombüse gebaut, der per Tastendruck die Temperatur regelt und das durch eine offene Rinne ausströmende Wasser beleuchtet. Je nachdem wie kalt oder warm schimmert es in Rot, Blau oder allen möglichen Zwischentönen. Ein toller Effekt und ein Zeichen, was kleine, feine Werften zustande bringen können. Die schwierigste technische Leistung des Unternehmens Excellent Yachts aus dem holländischen Aalst war das aber nicht. Paay beschäftigt sich schon seit zehn Jahren mit Hybridantrieben für Motoryachten. Er begann damit also zu einer Zeit, als die meisten von uns beim Wort Prius noch an etwas Unverständliches aus der Welt der Mathematik dachten.
Im Motorbootbau ist der Hybrid nach wie vor eine Rarität. Die Werft rüstet auf Wunsch ihr älteres Zehn-Meter-Modell und neuerdings auch die zwölf Meter lange Excellent 1200 damit aus - insgesamt schon 17 Stück. Das trifft den Nerv von Kunden, die Lärm und Qualm vermeiden wollen, wann immer möglich, Hafenmanöver, Bade- und Kanalfahrten lieber elektrisch absolvieren. Die Große wird fast ausschließlich mit dem kombinierten Diesel-Elektro-Antrieb geordert, wie Paay berichtet, der nicht nur die Yachten an sich entwickelt hat, sondern auch die Antriebe und ihre Steuerung. Bei der Hybrid-1200er arbeiten ein 330-kW-Diesel von Iveco und ein 8-kW-Elektromotor auf ein und dieselbe Welle, durch eine Kupplung getrennt und je nachdem, welcher gerade aktiv ist, mit entsprechender Übersetzung. Das Umschalten am Steuerstand, die Bedienung wahlweise mit Gashebel oder Joystick erscheinen geradezu verblüffend einfach, wenn Paay das vorführt. Er hat sogar Bug- und Heckstrahlruder in das System integriert.
Er bezieht seine Energie aus einem Generator
Der Diesel bringt die Excellent 1200 als Halbgleiter auf ungefähr 40 km/h. Mit dem Elektromotor sind knapp 10 km/h möglich, er bezieht seine Energie aus einem Generator, der eine Bleibatteriebank lädt, die auch das Bordnetz mit Strom versorgt. Der Generator läuft stets bei gutem Wirkungsgrad, während der Antriebsdiesel bei Schleichfahrt kaum warm würde. Der Generator startet automatisch, sobald die Batterien bis auf 30 Prozent entleert sind, der Energievorrat soll bei einer Geschwindigkeit von 8 km/h drei, bei 6 km/h sechs Stunden reichen.
Die Polyester-Yacht trägt Züge von Retro, der Rumpf basiert auf einem Vorbild aus den Sechzigern, aber der Schwung in der Deckslinie und die Badeterrasse am Heck sind neu. Zwei Schlafkabinen sind Standard, Waschmaschine und Trockner, Heizung und Klimaanlage ebenso, die Einrichtungsstile reichen von traditionell bis extravagant mit Leuchtwasserhahn, die Preise beginnen bei 445.000 Euro. Mit Hybrid nähert man sich der halben Million.