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Erste-Klasse-Kabinen Schlafzimmer im A 380 zu vermieten

Mehr Privatsphäre an Bord geht nicht: Singapore Airlines bietet im Airbus 380 in der ersten Klasse Kabinen an. Drei Jahre dauerte die Entwicklung.

© Thomas Vergrößern In dieser Suite an Bord des A 380 kann man ungestört die Nacht verbringen

Vier Quadratmeter können ein ganzes Königreich sein - zumindest in einem Passagierjet, der Nonstop von Europa nach Asien fliegt. So viel Platz räumen Singapore Airlines den Kunden ihrer "Suites" ein, einer nur in den Airbus A 380-800 dieser Fluggesellschaft angebotenen Variante der Ersten Klasse. Und weil ein Königreich einen Thron braucht, hat man einen entsprechenden Sitz entwickelt: fast einen Meter breit, mit reichlich zwei Quadratmeter feiner, honigfarbener Kuhhaut bezogen, gebaut von dem 100 Jahre alten, italienischen Unternehmen Poltrona Frau.

Der Sessel soll Maßstäbe für Komfort im Luxussegment an Bord setzen. Wer aber Funktionen erwartet, wie sie das ebenso noble Gestühl von feinen Automobilen bietet, wird enttäuscht. Es stehen nur zwei Verstellwege zur Verfügung, nämlich die Neigung des kompletten Sitzes und die Stellung der Fußstütze. Auch sonst zeigt sich die Technik eher traditionell. Weder gibt es eine Klimatisierung durch das perforierte Leder hindurch, noch ist eine Massagefunktion enthalten. Und die Steuerung setzt auf klassische Tastschalter in der Armlehne als Mensch-Möbel-Schnittstelle, nicht etwa auf einen Touchscreen, ein drahtloses Eingabegerät oder gar interaktive Sensorik.

18611210 © Thomas Vergrößern Zwei Tasten für ein Himmelreich

Der Verzicht auf solche Funktionen hat System, sagt Pee Teck Tan, Leiter Produkt und Services von Singapore Airlines. Die Luftfahrtgesellschaft sei vorsichtig, in den Sitzen "Cutting Edge-Technik" einzusetzen, erklärt der Entwickler. "Wichtiger sind uns Zuverlässigkeit, Ergonomie, hochwertige Materialien und eine wartungsfreundliche Mechanik." Entsprechend solide ist der Antrieb ausgelegt. Elektrische Stellmotoren schieben die Sitzfläche auf Knopfdruck nach vorne, während darunter die Beinauflage ausfährt. Langsam faltet sich so das Gebirge aus Polstern, Armlehnen und Kopfstützen zu einer Komfortzone mit einer maximalen Neigung von 130 Grad.

Auch der Gewichtsfaktor trägt zur Zurückhaltung bei der weitergehenden technischen Aufladung des solide gebauten Jet-Möbels bei. Denn Platz und Zuladung sind die wichtigsten Ressourcen an Bord. Leichtbaumaterialien dominieren deshalb die Wände der Kabinen, während Haptik und Aussehen der Oberflächen zugleich Solidität vermitteln. Dafür zeichnet der französische Designer Jean-Jacques Coste verantwortlich. Als Vorlage dienten ihm das Interieur von Luxusautos, die Ausstattung von Yachten und die Innenarchitektur internationaler Spitzenhotels. Denn das, sagt Entwickler Tan, seien die Maßstäbe, nach denen Passagiere die Suites bewerten.

"Einen neuen Flugzeugsitz zu entwickeln, bedeutet immer eine Balance aus Innovation und Evolution", sagt Tan. Dabei gehe es um die Technik ebenso wie die Verbindung von Ästhetik und Materialität. Dunkles Holz und helles Leder erinnerten an das Reisen in einem historischen Luxuszug. Und die Gestaltung des Sessels, der trotz straff gepolsterter Mitte den Körper wie ein weicher Baseballhandschuh geborgen hält, lasse an den "Lounge Chair" von Ray und Charles Eames denken.

18611207 © Thomas Vergrößern Die Suite kann auch zum Doppelbett umgebaut werden

Die Ingenieure hingegen sind für Funktionen und Ergonomie des Möbels verantwortlich. Grundlage jeder Neuentwicklung sind biometrische Daten. Die spezifischen Bedingungen von Flugreisen, insbesondere auf Langstreckenflügen, lassen sich aber nicht alleine mit Modellen abbilden. Hier komme die Erfahrung der Fluglinie ins Spiel, sagt Pee Teck Tan. Das betreffe sowohl gewachsene Erkenntnisse aus der Entwicklungsgeschichte der eigenen Sitze, als auch Erfahrungen und Beobachtungen der Crews im täglichen Betrieb der Flotte.

Ob Economy, Business oder First: Die Sitze sind eines der wichtigsten Ausdrucksmittel einer Fluggesellschaft, um ihren Maschinen einen eigenen Charakter zu geben und Passagiere an sich zu binden. Denn bei der Konstruktion eines Verkehrsflugzeuges kann die Airline kaum mitreden, nur über den Innenausbau samt Bestuhlung der Decks entscheidet jeder Besteller selbst. Das ist ein wenig so wie mit einem Konzertflügel. Der wird zwar immer nach dem selben Plan gebaut, aber für jeden Pianisten anders gestimmt. Und die Klavierstimmer, das sind im Fall der A 380 von Tan und seine Mitarbeiter. Aber es gibt natürlich die solide Marktforschung, auf deren Basis die Auslegung der A 380 von Singapore Airlines entstanden ist.

Die intensive Befragung von First-Class-Kunden gehörte dazu, wobei die Präferenz der Kunden eindeutig war. "Statt einer Bar, einer Dusche oder einem Fitnessstudio an Bord, wollten diese Passagiere lieber noch mehr Raum und einen noch besseren Sitz", sagt Tan. Singapore Airlines gab den Kunden, was sie wollten. In der Suite ist gegenüber dem italienischen Jumbo-Sessel genug Platz für eine zweite Sitzbank, sodass man beispielsweise die Mahlzeiten zu zweit am Tisch einnehmen kann. Und weil die insgesamt zwölf Kabinen je Flugzeug im Muster 1-2-1 angeordnet sind, lassen sich die beiden in der Rumpfmitte liegenden Suiten zu einem Doppelabteil verbinden. Komfortabler sei die Klausur über den Wolken nur in einem Privatjet zu haben, heißt es von der Fluglinie.

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In nüchternen Zahlen betrachtet, fällt besonders der Sitzabstand in den Suites von satten 2,05 Metern auf. Zum Vergleich: In der Business Class, wo die Passagiere zum Schlafen leicht schräg zur Flugrichtung im Bett liegen, beträgt der Abstand von Lehne zu Lehne 1,40 Meter, in der Economy sind es lediglich 81 Zentimeter. Platz und Service-Angebot spiegeln sich in den Ticketpreisen. Kostet ein Flug in der Suite eines A 380 von Frankfurt nach Singapur ab 6877 Euro, zahlen Business-Passagiere von 3587 Euro an und Economy-Kunden ab 709 Euro.

Derzeit wird im Entwicklungszentrum von Singapore Airlines am nächsten Projekt für die Kabinenausstattung gearbeitet. Details will Pee Teck Tan noch nicht verraten, nur so viel: "Es wird eine signifikante Veränderung darstellen, und Kunden aus aller Welt werden den Designer kennen".

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 18.02.2012, 18:00 Uhr

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