Vor langer Zeit waren die Jahre der Photokina in Köln die Jahre der Neuheiten für den Fotofreund. Unternehmen sparten sich ihre Entwicklungen für den Herbst am Rhein auf, oder man ließ seine jungen Pflänzchen pünktlich auf diesen Termin hin reifen. Das ist längst Vergangenheit, unwiderruflich.
Dass Canon kurz vor der Photokina nun doch - man darf sagen: endlich - eine tatsächlich Eos M genannte Systemkamera mit APS-C-Sensor und Wechselobjektiven, aber ohne Spiegel präsentiert, passt ins Bild. Das überfällige, kaum zur Überraschung geeignete Bindeglied zwischen den Eos-Spiegelreflexkameras und den Baureihen der Kompaktklasse wäre anders aus Köln wohl unter „ferner liefen“ gemeldet worden. Jetzt, wo noch fleißig in den Töpfen der Gerüchteküche gerührt wird, kann eine vorwiegend von Sachzwängen konstruierte Kamera noch auf etwas mehr Aufmerksamkeit hoffen.
Es war klar, dass Canon die spiegellose Systemkamera nicht noch einmal erfinden würde. Das ist inzwischen auch gar nicht mehr so einfach, weil es alle möglichen Varianten bereits gibt. Es schien logisch, dass Anschluss an die Vielzahl vorhandener Objektive gesucht würde. Das schafft nun ein Adapter, denn die Eos M hat, bedingt durch ihre Bauweise, ein anderes Auflagemaß und deshalb ein anderes Bajonett. Dass die Neue mit einem eigenen Standard-Zoom (Kitpreis rund 850 Euro) und einem besonders kompakten Pancake Mitte Oktober in den Handel kommt - ja, so was aber auch!
Canon hat Techniken der DSLR Eos 650D wie den 31-Punkt-Hybrid-Autofokus, der Kontrast- und Phasendifferenz-Vergleich kombiniert, in das angenehm in der Hand liegende Kompaktgehäuse übernommen. Gleichwohl erinnert die Eos M mehr an Kameras anderer Hersteller, die schon längst im Markt sind. Namentlich an die Systemkameras von Sony muss man denken: zierlicher Body, vergleichsweise dicke Objektive, Frontlastigkeit. Dass es den Blitz nur zum Aufstecken gibt, ist bei Wettbewerbern auch so. Und natürlich muss die Kamera über den Touchscreen bedienbar sein: Erstens möchte das die iGeneration so, wenn sie sich denn überhaupt noch eine Kamera kauft. Außerdem erspart dieses Bedienkonzept Konstrukteuren und Benutzern die vielen Knöpfchen, Rädchen und Tasten auf dem Gehäuse. Bei der Eos M geht es gar nicht anders: Auch wenn viele Menüs markentypisch vertraut erscheinen, funktionieren viele Bedienschritte ausschließlich über das Betatschen des Monitors.
So erscheint die Eos M nicht als Morgenröte einer neuen Kameraklasse. Dass sie just zu dem Zeitpunkt auftaucht, da Canon ein Vierteljahrhundert der Eos-Baureihe feiert, mit der höchst erfolgreich der Schritt von der analogen zur digitalen Spiegelreflextechnik vollzogen wurde, ist allenfalls eine Fußnote. Spitze Zungen behaupten, Canon hätte die spiegellose Eos nicht M, sondern ML nennen sollen - wie Missing Link.