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Tech-Talk : Entthront

Autos verkaufen kann so leicht sein, nur erkennen viele Mitarbeiter im Autohandel offenbar nicht, wenn jemand tatsächlich konkrete Verkaufsabsichten hegt. Ein paar Beispiele.

          König Kunde. Das ist oft nur noch ein leeres Schlagwort. Auch oder gerade in der Automobilindustrie, der es ja trotz mannigfaltiger Probleme immer noch so gutgeht, dass man sich als kaufbereiter Kunde manchmal vorkommt, als sei man noch in der DDR und müsse von Glück sagen, wenn man einen der Hobel zugeteilt bekommt.

          Der Versuch, einen nagelneuen Volvo XC40 zu bestellen, scheitert zunächst, weil sich der Verkaufsleiter trotz dreimal versuchter telefonischer Kontaktaufnahme einfach nicht zurückmeldet. „Kundin droht mit Auftrag, nur nicht antworten“, wird er gedacht haben. Zuvor hatte man persönlich vorgesprochen und den größeren XC60 als Ersatz für einen 1er-BMW verworfen. Kurz, es war klar, dass wirklich Kaufinteresse besteht, und dass es keine verlorene Zeit ist, wenn man sich mit der Kundin weiter beschäftigt. Gut, auch andere Mütter haben schöne Töchter.

          Volkswagen zum Beispiel. Die haben den Audi Q3. Doch auch hier sieht es nicht viel besser aus. Weil der Audi nur die zweite Wahl ist, wird hier nicht dreimal nachgehakt, sondern nur einmal, aber das vergeblich, das Verkäufer-Team lässt nichts mehr von sich hören. Vielleicht ein VW Golf GTE? Da gibt es ja auch noch die E-Auto-Prämie und ein gutes Gewissen. Leider sind die VW-Mannen von der Diesel-Krise offenbar so demoralisiert, dass sie sich gar keine Mühe geben, ein Auto an die Frau zu bringen. Keine weiteren Verkaufsbemühungen zu erkennen. Ob es die Möglichkeit einer Probefahrt gibt? Rückruf eines Verkäufers? Fehlanzeige.

          Einmal kann es ja sein, dass alles schiefläuft, aber bei drei verschiedenen Marken? Da muss irgendwo ein Fehler im System sein. Ein anderer Volvo-Händler rettet dann die Ehre des Berufsstands. Kompetent, höflich und zuvorkommend. Der Vertrag ist schnell unterschrieben. Autos verkaufen kann so leicht sein, nur erkennen viele Mitarbeiter im Autohandel offenbar nicht, wenn jemand tatsächlich konkrete Verkaufsabsichten hegt. Übrigens hat sich BMW nicht die Bohne um den auslaufenden Leasing-Vertrag geschert.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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