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Durchhalteparolen und das Warten auf ein Wunder

 ·  Die Krise ist immer und überall. Selbst auf dem 79. Genfer Automobilsalon legt sie sich wie feiner Staub auf den angestrengt vorgetragenen Optimismus: Das Jahr 2009 überstehen, so lautet die Devise.

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Wer erwartet hatte, am Genfer See von einem Schwarm neuer Klein- und Sparmobile oder einem größeren Aufgebot neuer Hybridmodelle überrannt zu werden, musste sich enttäuscht fühlen. Auch das massenhafte Auftreten serienreifer E-Autos wurde wohl verschoben, die Hurrarufe ob künftigen elektrischen Fahrens richten sich ohnehin eher in die Zukunft, für E-Euphorie besteht nach Ansicht der in Genf versammelten Entwicklungskapazitäten kein Grund. Daraus folgt: Leistung und Größe prägten auch in diesem Jahr die Frühjahrsausstellung. Von einer Dominanz der Hyperkompaktautos mit Rasenmähermotoren, um entschieden vorgetragene Kundenwünsche zu befriedigen, kann keine Rede sein. Dagegen wirkt die deutsche Abwrackprämie zwar nicht Wunder, aber doch sehr belebend in den Autohäusern.

Starke deutsche Präsenz kennzeichnet die Ausstellung. Gleich vier Premieren feiert Audi: das schicke A5 Cabrio, den TT RS mit überbordenden 257 kW (350 PS) und den vor Kraft strotzenden R8 5.2 Quattro mit dem Italo-V10-Potenzbrocken sowie der neue A4 Allroad Quattro. Dieser wirkt schlanker als das A6-Pendant, aber nicht wie aus einem Guss, die Off-Road-Attribute wirken wie angesetzt.

BMW zeigt den GT, das ist ein Fünfer mit Fließheck, der noch als Studie gilt. Erst im Herbst zur IAA stellt sich die Serienversion vor. Das Auto wirkt mit seinem großzügigen Volumen ungewöhnlich, den Rucksack am Heck erwartet niemand in dieser Klasse. Der GT hat als zweites Auto nach dem Skoda Superb eine horizontal geteilte Heckklappe, man kann entweder nur das Fenster oder die gesamte Heckklappe öffnen. Eher beiläufig wirkt die Anwesenheit eines X1-Prototyps, der die Gelände-Gene von BMW in eine Klasse unterhalb des X3 tragen soll.

Ford präsentiert die designlastige Studie Iosis Max, Vorläufer des im übernächsten Jahr erscheinenden neuen C-Max. Die Front wird markanter, das Heck wirkt dominanter, die gegenläufig öffnenden Türen wird es in der Serie nicht geben. Es wird eine neue Ford-Motorenfamilie geboren, mit dem Namen Eco-Boost. Turbotechnik bläst dem 1,6-Liter-Vierzylinderbenziner beachtliche 132 kW (180 PS) ein. Außerdem werden ein Start-Stopp-System und ein Doppelkupplungsgetriebe an Bord sein.

Mercedes-Benz stellt sich von Kopf bis Fuß auf die neue E-Klasse ein, die sich vom 28. März an auf die schwierige Fahrt zum Erfolg macht. Das schicke Coupé geht im Mai mit auf die Reise, das T-Modell folgt im Herbst. Die Stuttgarter setzen auf ihr Blue-Efficiency-Programm zur Reduzierung von Verbrauch und Emissionen. Schon 30 000 Bestellungen für die E-Klasse soll es geben, der Wagen mit seinen neuen Ecken und Kanten, an denen sich auch die Stammkundschaft reiben kann, komme gut an, heißt es. 41 590 Euro kostet der E 220 CDI, das Basismodell, die Grundversion der Coupés, den 250 CDI, gibt es für 44 684 Euro.

Opel zeigt auf deutlich reduzierter Ausstellungsfläche (im vergangenen Jahr war der Stand noch gut doppelt so groß) den Ampera, das Elektroauto, das dank eines Duos aus Verbrennungsmotor und Generator an Bord die Reichweite von 60 (ohne Verbrennungsmotor) auf mehr als 500 Kilometer vergrößert. 2010 soll er auf die Straßen kommen, vorausgesetzt die Marke kann sich aus dem Strudel des sich abzeichnenden Untergangs von General Motors noch retten. Wenn nicht, kann der Insignia SportsTourer, die mächtige, 4,91 Meter lange Kombi-Version des Opel-Spitzenmodells, bei dann eventuell erforderlichen Umzügen helfen. Der Kofferraum des Wagen bietet 540 bis 1530 Liter Stauvolumen.

Porsche stellt den neuen GT3 mit seinem 3,8 Liter großen, 320 kW (435 PS) starken Sechszylinderboxer aus, natürlich steht auch der Cayenne Diesel im Scheinwerferlicht, der als halbwegs grünes Feigenblatt die Baureihe vor allem in Europa attraktiver machen soll.

Bei Volkswagen dreht sich alles um den neuen Polo und um das Sparprogramm Bluemotion, das auf fast alle Modelle ausgeweitet wird. Der kleine VW Polo macht einen kleinen Sprung nach oben, wächst um 3,6 Zentimeter auf 3,92 Meter Länge, hält mehr Raum für die Passagiere bereit und bietet gleichzeitig Platz für einen neuen, kleineren VW in der Produktfamilie. 12 150 Euro kostet die Basisversion mit dem 1,2-Liter-Motor (44 kW/60 PS), wenn sie Ende Juni auf den Markt kommt.

Besonders sparsam ist die Bluemotion-Ausführung, die von einem 1,6-Liter-TDI angetrieben wird und 66 kW (90 PS) hat. 3,8 Liter Diesel sollen dann für 100 Kilometer genügen. In Vorbereitung ist zudem eine Variante mit nur 3,3 Liter Normverbrauch, die abernals aud Sparsamkeit optimiert wurde. Dann sinkt der CO2-Ausstoß auf 87 g/km. Dieser Superspar-Polo soll im Herbst fertig sein.

Dass auch die Japan AG im Sog der Wirtschaftskrise aus dem Tritt gerät, kann den Konkurrenten kein Trost sein. Aber ein Hinweis: Selbst Hybrid- oder Elektroautos, ob schon im Markt oder noch in der Warteschleife, können die Kunden nicht aus der Reserve locken. Das hat auch Toyota mit seiner Luxustochter Lexus erkannt. Dort werden zwar der neue Toyota Prius und der mit neuer Technik antretende LX-Geländewagen präsentiert, aber es gibt auch Premieren für konventionelle Mobile: Der Verso ist ein kompakter Van mit Platz für sieben Passagiere und einem Design, das weder begeistert noch abschreckt. Fünf Motoren stehen zur Wahl, drei Diesel und zwei Benziner, alle auf äußerste Sparsamkeit getrimmt. Zudem gibt es eine neue Automatik mit sechs Schaltstufen. Auch die dritte Prius-Generation bleibt den Merkmalen der Familie treu: Das erfolgreichste Hybridauto ist eine Frage der Vernunft, das Design wirkt wie bisher unterkühlt, und Begeisterung kann sich nur beim Blick auf die Verbrauchsdaten entwickeln. Toyota verspricht für die Basisversion einen Kohlendioxidausstoß von nur noch 89 Gramm je Kilometer. Die Japaner sagen, das sei ihr "ultimatives Eco-Car". Kaum auf dem Markt, kommt der winzige iQ schon mit einem weiteren, neuen Benziner, der aus 1,3 Liter Hubraum etwa 73 kW (99 PS) holt und sich dabei mit 4,8 Litern auf 100 Kilometer zufriedengibt. Der Lexus RX 450h fährt mit Bärenkräften heran (in der Kombination fast 300 PS) und provoziert die Frage, ob die Hybriden womöglich zu kräftig geraten, um wirklich sparsam zu sein.

Mit drei Neuheiten ist Mazda an den Genfer See gereist. In der MPS-Version der jüngst präsentierten neuen Typ3-Baureihe, deren Bugpartie mitsamt spektakulärem Lufteinlass recht pausbäckig wirkt, fällt der bekannte 2,3-Liter-Vierzylinderturbo mit nun 191 kW (260 PS) über die Vorderräder her. Zudem gibt es für andere Typ3-Versionen eine neuartige Start-Stopp-Automatik, und in den schnittigen CX-7-Geländewagen fügt sich infolge einer Modellrenovierung zur Erleichterung europäischer Kaufinteressenten nun doch ein Diesel: Die auf Euro 5 ausgelegte 2,2-Liter-Turbomaschine bietet 127 kW (173 PS), ein Drehmoment von 400 Newtonmeter und ist die sparsamere Alternative zu dem Benziner-Turbo.

Honda fährt die Neuauflage seines Hybrid-Insight auf, der bereits in Detroit im Januar debütierte. Die Europa-Kunden dürfen mit viel Innenraum und geringem Verbrauch rechnen. Durchschnittlich soll der viertürige, leider ohne emotionale Attribute gezeichnete Wagen nicht mehr als 101 Gramm Kohlendioxid je Kilometer emittieren.

Mit Studien und Start-Stopp-Technik warten die koreanischen Marken Kia und Hyundai auf. Der Kia No.3 ist ein kompaktes Hochdachauto m it großzügigem Innenraum, und der Hyundai Ixonic ist eine weitere Antwort auf die Frage nach einem Geländewagen für die Straßen.

Nissan und Mitsubishi stöhnen (unabhängig voneinander) besonders heftig unter dem Joch der Krise. Wobei Nissan in Genf auf durchaus ansehnliche, konventionelle Hervorbringungen verweisen kann: Der Sportwagen 370Z folgt mit höherer Leistung und ähnlichem Design seinem Vorgänger, und die Studie Qazana wird im Sommer als Serienmodell mit etwas weniger bauchigem Design antreten. Bei Mitsubishi konzentrieren sich die Phasen des Fortschritts auf den iMiev. Das Elektroauto hat in einer weiteren Ausführung das Lenkrad nun auf der linken Seite und wappnet sich so für den Einsatz im kontinentalen Europa. Davon abgeleitet wurde der iMiev SportAir in der bewährten Form des liegenden Hühnereis, das auch nicht verrät, wo vorne und wo hinten sein könnte. Bei Subaru kann man für Europa endlich auf den Diesel verweisen, der sich in der Modellfamilie durchgesetzt hat, und auch der Schachzug, bestimmte Modelle zudem mit Front- und nicht mehr ausschließlich mit Allradantrieb anzubieten, bringt offensichtlich neue Kunden zu den Händlern.

Von den europäischen Herstellern hat Renault den forschesten Auftritt. Als gäbe es die Krise nicht, sind gleich mehrere neue Modelle zu bewundern. Für den kleinen Clio gab es ein Facelift, neu dabei sind zudem der Clio GT, die Kombi-Variante Grandtour und der „Clio Renault Sport“. Derweil wächst die Mégane-Familie um eine solche Sportvariante sowie den Grandtour und den brandneuen Scénic. Wie bisher gibt es den Kompakt-Van in einer kürzeren, fünfsitzigen Version und als längeren Siebensitzer. Bei Peugeot gilt alles Augenmerk dem neuen Crossover 3008 sowie dem ebenfalls taufrischen Cabriolet 308CC. Die Schwestermarke Citroën hat kein unmittelbar neues Exponat, aber die viel beachtete DS3-Picasso-Studie aus Paris ist immer noch ein Hingucker. Auch bei Land Rover tut sich momentan nichts, der Freelander mit Start-Stopp-System ist schon bekannt, er kommt im Mai. Jaguar hat neue Motoren für verschiedene Modelle (ausführliche Berichte folgen), und die neue Mutter Tata aus Indien ist mutig genug, in Genf den winzigen Nano als „Europa“ zu zeigen. 2012 soll er für 5000 Euro auf den Markt kommen. Eine Sitzprobe zeigt: Selbst wenn der Preis eingehalten werden würde, wäre das billigst wirkende Winzmobil in Deutschland in dieser Form chancenlos.

Eine Billigmarke, die schon reichlich Erfolg hat, ist die Renault-Tochter Dacia aus Rumänien. Mit der Studie „Duster“ zeigt sie abermals großes Selbstbewusstsein. Das hat man schon längst wieder bei Fiat, seitdem man sich von GM getrennt hat (welch ein Glück!). Immer nur auf den immer noch betörenden 500 zu setzen wie bei den Pressetagen ist doch auf die Dauer zu wenig. Kein anderes Auto war am Stand, nur 500er, mit und - neu - ohne Dach. Für die Techniker interessant war die Vorstellung eines neuen Motorenkonzepts, genannt „MultiAir“. Es handelt sich um eine elektrohydraulische Ventilhubverstellung auf der Einlassseite. Fiat hält große Stücke auf die Technik, die den Verbrauch weiter senken soll. Im Alfa Romeo Mito soll im Herbst der erste Motor mit dieser Technik laufen. Im Übrigen zeigt Alfa in Genf den Mito als 240 PS starkes GTA-Conceptcar und hat neue Triebwerke für Brera, Spider und 159. Noch mehr ums Detail geht es bei den Neuheiten von Lancia. Trotz einem wieder sehr gelungenen Messe-Auftritt: Die zweite Fiat-Tochter braucht massentauglichere Produkte, um in Zukunft außerhalb Italiens bestehen zu können.

Längst nicht nur in der Heimat eine große Nummer ist die VW-Tochter Skoda. Man versteht es bestens, vom großen Know-how aus Wolfsburg zu profitieren (statt „BlueMotion“ heißt es hier „Greenline“) und dennoch den Modellen eine spitzbübische Eigenständigkeit zu geben. Bestes Beispiel ist der auf dem Salon debütierende Yeti. Er will in die Fußstapfen der so vielen erfolgreichen SUV-Modelle vor ihm treten. Mal sehen, ob es dazu nicht zu spät ist. Moderne Motoren (Direkteinspritzer), Allradantrieb und bis zu 1760 Liter Ladevolumen sollen dem klar gezeichneten Skoda auf die Sprünge helfen. Die andere VW-Tochter, Seat, leidet zurzeit unter der besonders stark ausgeprägten Kaufunlust der Spanier. Auch sie hat die VW-Spritspar-Technik (hier als Ecomotive) und ein ziemlich neues Auto: Den vom alten Audi A4 abgeleiteten Exeo zeigt man als Kombi (ST).

Nur nicht unterkriegen lassen, denkt man sich bei Saab und stellt sich wacker den neugierigen Fragen der Journalisten. Und eine neue Modellvariante hat man auch dabei: den 9-3 als Kombi mit Allradantrieb. Die Schweden aus Göteborg, Volvo, können sich nach der Kreditzusage des Staates etwas sicherer fühlen. Mit sieben neuen Spritspar-Modellen (siehe F.A.Z. vom 28. Februar) und der Studie S60 Concept zeigen sie Flagge.

Als einziger chinesischer Hersteller ist wieder Brilliance vertreten. Die von Hans-Ulrich Sachs geführte Importeursgesellschaft HSO werden nicht müde, den BMW-Partner in Europa anzutreiben. Noch ist alles am Anfang, aber die Beharrlichkeit könnte sich irgendwann auszahlen. Neu ist der BS4 als Kombi.

Chevrolet hat den neuen Kleinwagen Spark dabei, und auch hier muss man fragen, ob es diese GM-Marke bald noch gibt. Übrigens haben auch Hummer, Cadillac und Corvette ihren eigenen Auftritt in Genf. Für Fahrzeuge der Sonderklasse werden sich immer Kunden finden.

Es gab trotz aller Schwarzmalerei nicht weniger Exoten und Luxusfahrzeuge als sonst zu bewundern - eher im Gegenteil. „Das hört sich wie ein Terroranschlag an“, sorgte sich die junge, blonde Kollegin vom ZDF. Doch es war nur das Brüllen (vom Band) eines Lamborghini Murciélago SuperVeloce. 670 PS, 342 km/h Höchstgeschwindigkeit und 357 000 Euro Kaufpreis sind die Eckdaten. Mehr als 350 Einheiten werden nicht gebaut.

Und Ferrari, Maserati, Rolls-Royce, Maybach, Bentley (jetzt auch mit Bio-sprit-Modell) und Aston Martin fehlen nicht. Die Briten dominierten den zweiten Pressetag mit der Vorstellung des neuen Lagonda, über den man vielleicht doch besser den Mantel des Schweigens decken sollte. Das Beste an dem unförmigen Crossover-Concept ist der neue (alte) Markenname Lagonda. Einen so hässlichen Aston Martin darf es nicht geben. Zum ersten Mal in Genf ist der italienische Hersteller DR, der in Süditalien chinesische Autos in Lizenz baut und 2008 im Stiefel schon knapp 2000 Fahrzeuge verkauft hat. Bald will DR auch in Spanien, Frankreich und Deutschland aktiv werden. Es gibt fünf Modelle (DR1 bis DR5), vom Kleinwagen bis zum SUV.

Das Salz in der Genfer Marken-Suppe sind stets die weniger bekannten Kleinserien-Hersteller, Tuner und Prototypen-Bauer: Perana aus Südafrika zeigt den „P-One“, von dem 999 Exemplare gebaut werden sollen. Das zweisitzige V8-Coupé soll weniger als 50 000 Euro kosten, so viel wie eine Mittelklasse-Limousine.

Solche Summen reichen in der Regel, um bei Abt, Alpina, Arden, Brabus, Carlsson, Irmscher, Rinspeed, Ruf oder Techart ein Auto schöner und schneller machen zu lassen. Brabus hat die Zeichen der Zeit erkannt und schon den elektrischen Tesla getunt. Wer es exklusiver mag, schaue sich bei Artega, Gumpert, Koenigsegg, KTM, Lotus, Spyker oder Wiesmann um.

Noch bis Sonntag, den 15. März, dauert die Messe. Weitere Berichte lesen Sie morgen in „Technik & Motor“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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Offene Stilfragen

Von Wolfgang Peters

Das Öffnen eines geschlossenen Cabrios ist heute eine Frage des Stils, der Sekunden und des Tempos. Nicht für die Bewegung des Dachs, sondern des Autos. Mehr 1