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Ducati : Alles wird supergut

Es war einmal eine große deutsche Autoindustrie, die sich um Kleinigkeiten wie italienische Motorradhersteller kümmerte.

          Es war einmal eine große deutsche Autoindustrie, die sich um Kleinigkeiten wie italienische Motorradhersteller kümmerte. Im Moment steht derlei auf der Tagesordnung nicht ganz oben. Der Volkswagen-Konzern in Gestalt seiner Abteilung mit den vier Ringen kaufte 2012 die Markenperle Ducati aus Bologna, zum Wohlgefallen des seinerzeitigen Patriarchen Ferdinand Piëch. Die Daimler-Tochter AMG, bis dahin locker mit Ducati verbandelt, schaute erst in die Röhre und sich dann anderweitig um, stieß auf MV Agusta, das schillernde Unternehmen aus Varese. Die Deutschen erwarben ein Viertel der Anteile. Dem Vernehmen nach galt es zunächst, Löcher zu stopfen, worüber sich niemand wunderte.

          Audi will Ducati wieder loswerden. Namen möglicher Käufer schwirren herum, wobei mancher Freund der Marke im Stillen hoffen dürfte, der eine oder andere davon möge bitte, bitte nicht zum Zuge kommen. Im Fall von MV Agusta ist die Sache jetzt klar, so einigermaßen zumindest: Im Zuge einer Kapitalerhöhung der MV Agusta Holding an der MV Agusta Motor S.p.A. bei gleichzeitiger Übernahme der AMG-Anteile wurden die Weichen gestellt. Daimler ist raus.

          Eine Jetzt-wird-alles-gut-Pressemitteilung aus Varese lässt allerdings offen, welche Gelder wohin flossen. Die Mehrheit an der Holding besitzt MV-Boss Giovanni Castiglioni. Eine starke Minderheitsbeteiligung hält nun laut Mitteilung über ComSar Invest als Teil der Black Ocean Group der russische Geschäftsmann Timur Sardarow. Mit „Super-Premium-Motorrädern“ soll sich Erfolg einstellen.

          Bei Mercedes-AMG dürfte man mit säuerlicher Miene aufs MV-Abenteuer zurückblicken, so wie einst auch Harley-Davidson. Die Amerikaner, damals selbst in Schwierigkeiten geraten, warfen MV Agusta 2010 wie eine heiße Patata weg. Castiglionis inzwischen verstorbener Vater bekam den Betrieb für einen Euro zurück, nur etwa zwei Jahre nachdem Harley geschätzte 70 Millionen Euro dafür zahlte und Löcher stopfte. Wer sagt denn, Wirtschaft sei langweilig, liebe Schüler?

          Nur: Wer mit Super-Premium Erfolg haben will, der braucht irgendwann mal Ruhe, Kontinuität, Vertrauen. Es sei denn, er findet einen weiteren Käufer für den ganzen Laden.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

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