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Dreirad Quadro 350 D Auf den Spuren des Unikums

 ·  Der Quadro 350 D hat ein hydraulisch-pneumatisches Neige- und Lenksystem für die beiden schmalen Vorderräder. Das Dreirad kann mit PKW-Führerschein gefahren werden.

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© Hersteller Zielgruppe sind Autofahrer ohne Motorradführerschein

Er ist ein echter Erfolgstyp, der Piaggio MP3. In Paris beispielsweise sieht man das Dreirad (zwei vorne, eines hinten) praktisch überall. Und in der deutschen Zulassungsstatistik nimmt das Unikum schon einige Jahre einen Spitzenplatz unter den Kraftrollern ein. Weit mehr als 100 000 Stück hat der italienische Piaggio-Konzern vom 2006 präsentierten MP3 inzwischen produziert. Da verwundert es nicht, dass allmählich auch andere Hersteller versuchen, sich vom Kuchen ein Stück abzuschneiden.

Hinter dem neuen Anbieter Quadro Tecnologie steckt mit Marabese aus Mailand bemerkenswerterweise jene italienische Entwicklungs- und Designschmiede, die einst an Piaggios Dreiradkonzept mitwirkte. Im Gegensatz zum MP3 mit seinem mechanischen Neigesystem hat der Quadro 350 D ein hydraulisch-pneumatisches Neige- und Lenksystem für die beiden schmalen Vorderräder. Wie der Piaggio MP3 soll der Quadro seine Vorteile - geringer Platzbedarf und hohe Fahrsicherheit - vorwiegend im Verkehr großer Ballungszentren ausspielen. Zielgruppe sind Autofahrer ohne Motorradführerschein, denn der 15,4 kW (21 PS) starke Dreirad-Scooter darf mit dem Führerschein B, der früheren Klasse 3, bewegt werden.

Im Vergleich mit dem MP3 ist der Quadro auch bei Langsamfahrt und sogar im Stand ausgesprochen stabil und gar nicht kippelig. Der Grund dafür liegt in der anderen Art der Vorderradführung. Das Hydrauliksystem der beiden Räder mit 550 Millimeter Spurweite arbeitet, anders als das mechanische Piaggio-System, relativ träge. Andererseits hat dies zur Folge, dass das Einlenken in Kurven einen größeren Kraftaufwand erfordert, was kein Nachteil, aber gewöhnungsbedürftig ist. Wie überhaupt das Fahren eines Quasi-Einspurfahrzeugs geübt sein will. Einfach draufsetzen und lospreschen ist Kunden ohne Zweiraderfahrung nicht zu empfehlen; Quadro-Händler - es gibt in Deutschland mehr als 100 - geben Unterweisungen. Schalten muss nicht trainiert werden; eine für Roller übliche Automatik sorgt für ruckfreien Vortrieb.

Mit maximal 120 km/h ist der 220 Kilogramm schwere Quadro auch für Autobahnabschnitte schnell genug. Der Spurt aus dem Stand bis etwa 60 km/h verläuft bei Vollgas flott genug, um die meisten Autolenker hinter sich zu lassen. Oberhalb davon wird es zäh. Großer Vorteil des Quadro gegenüber einem Roller oder einem Motorrad ist die dreiradspezifische Stabilität beim Bremsen und Kurvenfahren; ein rutschiger Untergrund bedeutet dank zweier Vorderräder nicht gleich Instabilität und Sturzgefahr.

Beim Parken braucht der Quadro nicht mehr Platz als ein Zweirad. Wer über ein funktionierendes Gleichgewichtsgefühl verfügt, braucht beim Stoppen nicht mal einen Fuß auf den Boden zu stellen - dem hydraulischen Neigesystem sei Dank. Ein MP3 ist da weitaus anspruchsvoller, würde ohne Verriegelung der Vorderrad-Mechanik oder ein stützendes Bein umkippen. Dennoch hat der Quadro einen Arretierungshebel, der sowohl die Neigetechnik starrschaltet als auch als Feststellbremse dient. Pfiffig! Bei abgesperrtem Lenkschloss ist auch dieser Hebel arretiert. Der Stauraum unterm Sitz fasst außer einem Integralhelm noch einen Jethelm sowie etwas Kleinzeug. In der Frontverkleidung finden sich zwei weitere Fächer.

ABS hat der Quadro, wie auch sein Vorbild MP3, nicht - kein Nachteil. Die vordere Doppelscheibenbremse, mit dem rechten Handhebel zu aktivieren, ist auch mit einer Eisenfaust nicht zum Blockieren zu bringen, spricht dafür aber etwas stumpf an. Der linke Handhebel wirkt, wie der Fußbremshebel, als Kombibremse auf alle drei Bremsscheiben; bei sehr harten Bremsmanövern blockiert dann das Hinterrad, was jedoch die Fahrstabilität nicht nennenswert beeinträchtigt. Ein konventioneller Roller ohne ABS verzeiht im Ernstfall jedenfalls weitaus weniger.

Einen guten Eindruck hinterlässt der vom taiwanesischen Hersteller Aeon - er erledigt auch die Fahrzeug-Endmontage - stammende Motor. Der 313-Kubikzentimeter-Einzylinder läuft kultiviert und mit 4 bis 4,5 Liter je 100 Kilometer recht sparsam. E10-Sprit verträgt der Motor laut Betriebsanleitung nicht, zum Service muss das Fahrzeug alle 6000 Kilometer. Der Anschaffungspreis von 7295 Euro ist nicht gering, der Fahrspaß - trotz nicht gerade überbordender Leistung - ist es erfreulicherweise ebenso. Noch mehr davon verspricht das schon fast fertig entwickelte nächste Produkt des Unternehmens Quadro Tecnologie, der Quadro 4D. Mit vier Rädern und Neigetechnik vorne wie hinten reift ein Mobil heran, das herkömmliche Vorstellungen eines Großstadtfahrzeugs über den Haufen wirft. Vielleicht heißt der Hersteller des dreirädrigen 350 D deshalb Quadro.

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