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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Digitales Satellitenfernsehen Kinderkrankheiten aus dem Orbit

 ·  Massive Aufklärungskampagnen sollte dafür sorgen, dass alle Analoggucker den Umstieg auf die Digitaltechnik schaffen. In vielen Wohnzimmern zickt immer noch der digitale Empfang. Doch es gibt Abhilfe.

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Im Kalender des Satellitenbetreibers Astra galt der 30. April als Termin mit hohem Krisenpotential: An diesem Tag stellten die Erdtrabanten die analoge Fernsehübertragung ein. Würden nun, wie von Pessimisten befürchtet, Hunderttausende Bildschirme schwarz bleiben? Von wenigen Ausnahmen abgesehen, blieben sie es nicht, denn die Sender hatten mit massiven Aufklärungskampagnen vorgesorgt, fast alle Analoggucker haben den Umstieg auf die Digitaltechnik geschafft. Aber ganz ohne Risiken und Nebenwirkungen verlief die Technik-Zäsur dann doch nicht. Plötzlich zickte in vielen Wohnzimmern der digitale Empfang. Auf angestammten Programmplätzen erschienen nur noch Schrifttafeln, der Ton fiel hier und da komplett aus, manche Receiver gaben HDTV-Bilder nur ruckelnd aus, gelegentlich auch noch asynchron zum Ton, einige Settopboxen fielen sogar ins Wachkoma permanenter Neustarts. Was war passiert - und welche Therapie sorgt für Abhilfe?

Die Analogabschaltung ging mit verschärftem Fortschritt einher: Die öffentlich-rechtlichen Programmanbieter nutzten die nun freien Frequenzen, um gleich zehn weitere Programme parallel in HDTV auszustrahlen, darunter die meisten Dritten Programme der ARD. Dies setzte allerdings einige Umzüge im Frequenzspektrum voraus - und neue Zusammenstellungen zu sogenannten Multiplexen, also zu digitalen Bündeln aus vier bis sechs Programmen, die sich als gemeinsame Datenströme jeweils einen Übertragungskanal teilen. Die Schrifttafeln auf nunmehr verlassenen Programmplätzen weisen auf diesen Umzug hin. Die nötige Anpassung ist eigentlich kein Hexenwerk: Man startet am Empfangsgerät den Suchlauf, und die Elektronik findet alle Sender in ihrer neuen Frequenzheimat. Wer mag, kann die Stationen noch von Hand nachsortieren, damit sie auf der Fernbedienung ihren gewohnten Platz einnehmen. Einige Empfänger, etwa die Settopboxen von Technisat, haben diese Prozedur gar nicht nötig, weil der Hersteller die Frequenzliste der Sender automatisch über Astra aktualisiert. Auch auf HD+-Empfänger trifft das zu; Astra funkt für diese Geräte ebenfalls automatische Stationslisten. Manche Settopboxen, etwa bestimmte Modelle von Vantage, verschlucken sich beim Versuch, die Sender auf ihren alten Plätzen zu finden oder ihre Frequenzen zu aktualisieren. Abstürze und vergebliche Neustartversuche sind die Folge. Hier sorgt ein Firmware-Update für Abhilfe. Die Website des Herstellers hält die nötigen Informationen bereit.

Bleibt trotz erfolgreicher Aktualisierungen bei einigen Sendern der Ton komplett weg, so hilft ein Blick ins Tonmenü des Empfangsgeräts: Manche Programme haben die Tonspur gewechselt; der Empfänger lässt sich darauf aber einstellen. Und was ist mit den Ruckelbildern? Betroffen sind etwas mehr als zwei Dutzend Receivermodelle, die sich zu zwei Gerätefamilien gruppieren lassen. Die eine, ihr gehören etwa Empfänger von Smart, Comag und Medion an, reagiert vorwiegend auf die HDTV-Versionen der ARD-Programme allergisch, die andere Fraktion, etwa Receiver von Kathrein oder Philips, zickt bei den HDTV-Programmen auf dem Umfeld des ZDF. Der Grund: ARD und ZDF haben mit der Neuordnung ihrer Programme zusätzliche technische Veränderungen eingeführt. Zum einen setzen beide Häuser auf das dynamische Management der audiovisuellen Datenströme, um das Frequenzspektrum effizienter zu nutzen. Das heißt zum Beispiel: Braucht ein Programm im Multiplex gerade nur geringe Bitraten, etwa, weil es einen alten Schwarzweißschinken ausstrahlt, kann sich ein anderes Programm entsprechend höhere Datenkontingente genehmigen und damit die Bildqualität optimieren. Die Regelung dieser Prozesse setzt eine komplexe Kommunikation zwischen Sender und Empfänger voraus; die Receiver müssen damit adäquat umgehen können. Die andere Neuerung: Das ZDF hat sich einen moderneren Bildkodierer zugelegt, der die Videosignale noch effizienter komprimiert, also die Qualität steigern kann, ohne höhere Bitraten zu erzeugen.

Beides, betont die ARD, sei komplett DVB-konform, man wolle aber nicht einfach nur die Verantwortung an die Geräteindustrie abschieben: Über das von ARD und ZDF betriebene Institut für Rundfunktechnik in München arbeiten die Sender gemeinsam mit den Receiver-Herstellern fieberhaft an Lösungen. Bisher gehen die Techniker davon aus, dass sich alle Fehler mit Firmware-Updates kurieren lassen; es geht im Prinzip darum, in den Geräten eine Vielzahl von Parametern korrekt auf die höheren Anforderungen der neuen Sendesignale einzustellen. Rückrufaktionen dürften der Fernsehgemeinde folglich erspart bleiben. Tatsächlich kommt die Arbeit flott voran: Nach nur zwei Tagen zum Beispiel konnte Kathrein ein Firmware-Update für seine Settopbox UFS 922 vermelden. In ein paar Tagen also könnte der ganze Spuk schon vorüber sein. Bis dahin muss eine Minderheit der Fernsehgemeinde noch damit leben, die neu sortierten Programme vorerst in Standardauflösung zu gucken.

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