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China-Kamera YI M1 ausprobiert : Vier Tasten, zwei Rädchen

Knipsen zum halben Preis: YI M1 Bild: Pardey

Mit der YI M1 hat ein chinesischer Hersteller eine spiegellose Systemkamera nach dem Micro-Four-Thirds-Standard (MFT) auf den Markt gebracht. Sie ist vor allem besonders billig.

          Wenn unser Smartphone nicht nur von Cupertinos chinesischer Werkbank stammt, sondern seine Entwicklung, Produktion und der Markenname rein chinesisch sind, warum dann nicht auch unsere Kamera? Dies ist in etlichen Fällen längst der Fall, etwa bei Actionkameras oder den fliegenden Augen, die eher namenlos unter Drohnen hängen. Auf genau diesen Feldern operiert Hersteller Xiaoyi Technology aus Schanghai. Mit der YI M1 hat er eine spiegellose Systemkamera nach dem Micro-Four-Thirds-Standard (MFT) auf den Markt gebracht, die wie seine anderen Wir-auch-Kameras vor allem durch den Preis auffällt.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Für weniger als 300 Euro wird das Paket mit dem Zoom 1:3,5-5,6/12-40 mm in Schwarz angeboten, Silber kostet rund einen Fünfziger Aufpreis. Für etwa 500 Euro gibt es im Internet ein Kit mit einer lichtstarken Festbrennweite als zweitem Wechselobjektiv. Ob es nun die technischen Daten des im Kleinbildformat 24 bis 80 Millimeter Brennweite entsprechenden Elflinsers oder die des Gehäuses mit 20-Megapixel-Sensor sind, alles wirkt wie anderswo schon gelesen: Ob 4k-Video, Bildstile oder Connectivity via Bluetooth und App, Punkt für Punkt lässt sich das ziemlich komplette „Haben wir auch“- Programm der Chinesen abhaken, und das leicht aufgerundet zum halben Preis des Wettbewerbs. Auch die äußere Erscheinung der Kamera verzichtet weitestgehend auf Eigenständigkeit.

          Ganz von fern erinnert sie an Leicas T-Modell, und in manchen Proportionen, etwa Größe des Objektivs im Verhältnis zum Gehäuse, steckt ein bisschen Sony drin. Das Bedienkonzept kommt der Wisch-und-weiter-Generation entgegen. Es gibt abgesehen von der Bajonettentriegelung genau vier Tasten inklusive des Auslösers und des roten Videoknopfs und zwei Rädchen. Alles Weitere muss mit virtuellen Bedienfeldern auf dem etwas zögerlich reagierenden Touchscreen angetippt werden – wenn man sich erst einmal zum Gewünschten durchgeblättert hat. Daher ist die YI M1 insgesamt keine Kamera für den Schnellschützen. Außerdem: In allen Lebenslagen kann es passieren, dass sie Befohlenes verweigert, ohne sich näher zu erklären.

          Mit MFT-Objektiven anderer Hersteller arbeitete die Kamera meistens klaglos zusammen. Es gab aber auch irritierende Einzelfälle: Da befanden sich auf den Aufnahmen seltsame Innenansichten des Objektivs, die zuvor auf dem – nicht neigbaren – Sucher/Monitor nicht zu sehen gewesen waren. Umgekehrt verstand sich das klobig und nicht sonderlich robust wirkende YI-Objektiv gut mit MFT-Kameras von Olympus und Panasonic. Und es machte Bilder von einer Qualität, die nicht sogleich nach anderen Optiken verlangte. Fazit: Kamera für eine Klientel, die mit besseren Bildergebnissen praktisch genauso wie beim Smartphone weitermachen möchte, vor allem aber nicht viel ausgeben will.

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