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Sichere Alternativen : Was kommt nach Whatsapp?

Signal wurde maßgeblich von dem Sicherheitsforscher Moxie Marlinspike entwickelt. Open Whisper Systems, das Unternehmen hinter Signal, finanziert sich durch private Spenden und wird von Stiftungen wie der Freedom of the Press Foundation unterstützt. Signal gibt es als Gratis-App für iOS und Android, und wie bei Whatsapp ist das eigene Messaging-Konto an die Handynummer gebunden. Folglich benötigt Signal den Zugriff auf das eigene Telefonbuch. Wer die Rufnummer kennt, kann einen erreichen.

Die Optik der App wirkt etwas altbacken, sie hat den trockenen Charme der Nerds, damit muss man wohl leben. Wie in jedem anderen Messenger lassen sich Textnachrichten schreiben, aber auch Bilder oder Audionachrichten senden. Mit den verschwindenden Nachrichten, der Name sagt es bereits, löschen sich gesendete und empfangene Nachrichten einer Konversation nach einer wählbaren Zeit automatisch. Das Menü zur Überprüfung von Sicherheitsnummern erlaubt es, den kryptographischen Fingerabdruck von Gesprächspartnern zu kontrollieren. Entweder vergleicht man eine eingeblendete Zahlenfolge, oder man scannt einen QR-Code ein. Audio-Telefonate von Signal zu Signal gelingen ebenfalls, Video-Telefonie wie bei Whatsapp oder Skype ist im Versuchsstadium implementiert. Die Sprachübertragung ist ebenfalls verschlüsselt, bei unseren Versuchen war die Akustik indes deutlich schlechter als mit Whatsapp.

Kommunikation trotz Internetzensur

Wer sich das Leben mit einem Messenger einfach macht und seine Nachrichten nicht am Smartphone, sondern im Browserfenster am PC unter Zuhilfenahme von Maus und Tastatur schreibt, kann diesen Komfort auch für Signal haben. Allerdings auf kleinen Umwegen: Man muss den Chrome-Browser von Google verwenden und Signal Private Messenger als Chrome-Erweiterung installieren. Am Smartphone ist über die Einstellungen die Verknüpfung vorzunehmen, dabei wird ein QR-Code gescannt, der im Browser-Fenster erscheint. Noch ist die Software im Beta-Status und lief bei uns nicht ohne kleinere Probleme. Die Browser-App ist in Javascript geschrieben, und ihr Code ist abermals bei Github einsehbar.

Wenn Open Whisper Systems gezwungen wird, Daten von Nutzern und ihrer Kommunikation herauszugeben, kann das Unternehmen nur deren Registrierungsdatum sowie den Zeitpunkt des letzten Einloggens liefern. Alles andere wird nicht gespeichert oder ist wie die Inhalte von Nachrichten verschlüsselt und damit nicht einsehbar.

Dass die eingesetzten Verfahren der Verschlüsselung greifen und nicht nur theoretisch sicher sind, können jene Regierungen dieser Welt bezeugen, die versuchen, die Nutzung von Signal zu unterbinden. Zuletzt hatte dies im Dezember Ägypten probiert. In Ländern mit wenigen Internet-Service-Providern, die wiederum von Regierungen gezwungen werden, Filter für einzelne Programme einzusetzen, können solche Blockaden gelingen. Die Reaktion von Open Whisper Systems folgte nahezu umgehend: Mit einer neuen Version der App wurden Dienste wie Google und die Cloud-Angebote von Amazon genutzt, um die Kommunikation über Signal zu verschleiern. Für die Filtersoftware in Ägypten sah die Signal-Nachricht fortan wie eine normale Anfrage über Google aus. Die Technik nennt sich Domain-Fronting. Wenn Regierungen auch gegen diese Huckepack-Reise verschlüsselter Nachrichten vorgehen wollen, gibt es dafür nur eine Möglichkeit: Sie müssen das gesamte Internet in ihrem Land abschalten.

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