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Weblogs : „Eine Kulturform, die auf Begeisterung aufsetzt“

  • -Aktualisiert am

Einen der ersten Unternehmenblogs gründete Daimler Bild: Daimler

In der deutschen Medienlandschaft haben sich Weblogs etabliert. Ebenso hat sich auch die polarisierende Diskussion festgesetzt, ob Blogs einerseits überhaupt glaubwürdig sind oder andererseits gar journalistische Darstellungsformen verdrängen.

          Blogger und Journalisten vertragen sich manchmal nicht. Anschaulich werden solche Abneigungen in Diskussionen, die seit Jahren in der Blogosphäre ebenso wie in den journalistischen Medien mit den gleichen Argumenten geführt werden. Weblogs haben ein Glaubwürdigkeitsproblem, sagen die einen. Weblogs sind objektiver, gründlicher und freier als journalistische Texte, sagen die anderen. Die Begründungen für diese Auffassungen haben meist ähnliche Strukturen.

          Journalisten werfen Bloggern vor, dass sie häufig keine journalistische Ausbildung haben und sich nicht an publizistische Konventionen halten. Zudem würden Blogger keine Pressekonferenzen besuchen, sie recherchierten ihre Themen selten vor Ort und Interviews als Grundlage für Zitate fände man ebensowenig in Blogs.

          Blogger dagegen vertreten häufig die Meinung, eine Bindung an einen Verlag im allgemeinen und an eine Redaktion im Besonderen hindere sie nur an objektiver Berichterstattung. Genaue Beobachtungsgabe, scharfer Verstand und eine kritische Haltung genügten häufig, um Themen recherchieren, bewerten und über sie schreiben zu können. Durch die fehlende Redaktion sei man freier in Themenwahl und -bewertung. Ein bekannter Blogger drückt dies so aus: „Es gibt beim Verfassen von Blogeinträgen zwar keine Redaktion, aber weil da keiner ist, der einem sagt, tu dies oder wir brauchen jenes, macht man es selber - und stellt vielleicht auch härtere Ansprüche an sich selbst. Journalisten sind oft Schlamper und Freunde des einfachsten Weges, da fällt es leicht, strengere Kriterien zu definieren“, schreibt Don Alphonso im Januar diesen Jahres auf seinem Weblog „Blogbar”.

          Der 34-jährige Sascha Lobo gilt als Mitbegründer der digitalen Boheme
          Der 34-jährige Sascha Lobo gilt als Mitbegründer der digitalen Boheme : Bild: dpa

          71 Prozent misstrauen dem Wahrheitsgehalt

          Zieht man die ARD/ZDF-Online-Studie 2008 heran, trauen die Menschen nach wie vor eher klassischen journalistischen Texten als Einträgen in Blogs: Nur 29 Prozent der Befragten halten die Informationen auf Weblogs für glaubwürdig. 71 Prozent misstrauen dem Wahrheitsgehalt solcher Angebote. Entsprechend niedrig ist auch die Zahl derer, die in Weblogs eine ernsthafte Konkurrenz zu professionellen journalistischen Angeboten sehen. Trotzdem konnten sich Weblogs inzwischen in der deutschen Medienlandschaft etablieren. Das zeigt sich gerade auch dadurch, dass immer mehr Nachrichtenportale ihre Seite mit Blogs ausstatten. Der Weg dahin dauerte nicht mehr als zehn Jahre.

          Mitte der neunziger Jahre tauchten die ersten Weblogs auf. Der Name „Weblog“, im Jahr 1997 vom amerikanischen Blogger Jorn Barger das erste Mal verwendet, ist eine Zusammensetzung aus den englischen Wörtern „World Wide Web“ und „Log“ für Logbuch. Die Kurzbezeichnung „Blog“, die inzwischen Einzug in unseren allgemeinen Sprachgebrauch gefunden hat und sogar im Duden steht, wurde erstmals 1999 von dem Webdesigner Peter Merholz benutzt. Bei Weblogs oder auch kurz „Blogs“ handelt es sich um eine Internetseite, auf der ein Autor, genannt „Blogger“, nach absteigender Chronologie Beiträge veröffentlicht, die sich kommentieren lassen. Ein typisches Merkmal für Blogs ist die gegenseitige Vernetzung mit Links. Der Begriff „Blogosphäre“ beschreibt die Gesamtheit aller Blogs. Seit den Anfangsjahren waren Weblogs überwiegend privater Natur. Menschen nutzten das Weblog als ein Online-Tagebuch, in dem sie ihre alltäglichen Erlebnisse festhielten. „Blogs sind 2009 zum Mainstream geworden. Jeder schreibt öffentlich über das, was ihn interessiert. Der Hobby-Gärtner schreibt über Gartenbau, andere über Sport“ sagt Markus Beckedahl, Mitveranstalter der Blogger-Konferenz re:publica. 99 Prozent aller Blogger schrieben über Freizeit.

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