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Sprache als Bediensystem : Das Arkansystem der Assistenten

Einmal „Okay Google“ sagen und Home wacht auf. Bild: Maximilian von Lachner

Jeder vierte Deutsche hat derzeit großes Interesse an den scheinbar intelligenten Lautsprechern von Amazon oder Google. Jetzt sind ganz neue Fragen aufgerufen.

          Angeblich will niemand mit ihnen sprechen, mit den digitalen Sprachassistenten wie Alexa von Amazon oder Google Home oder Apples Siri. Wirklich niemand? Immerhin jeder vierte Deutsche hat derzeit großes Interesse an den scheinbar intelligenten Lautsprechern, die Auskunft zum Wetter oder zur Verkehrslage geben, Musik abspielen und auf Fragen sogar pfiffige Antworten haben, indem sie in der Wikipedia oder anderen Quellen nachsehen. Wenn diese Assistenten nicht nur „Wie alt ist die Bundeskanzlerin?“ mit der richtigen Zahl beantworten, sondern auch die Folgefrage „Wo ist sie geboren?“ erfassen, weil sie den Kontext und die Fragehistorie berücksichtigen, dann wird die Stoßrichtung dieser Technik für die Zukunft ersichtlich: Die digitalen Assistenten ersetzen demnächst als Nutzerschnittstelle die herkömmlichen Verfahren des Umgangs mit dem Internet, mit Rechnern, Smartphones und Datensystemen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Muss man derzeit solche Helfer darum bitten, dass die E-Mails vorgelesen werden und anschließend die neuen Whatsapp-Nachrichten, ist künftig das Transportmedium irrelevant und die Aufforderung an den Assistenten, dieses oder jenes zu tun, überflüssig. Er wird von sich aus sagen, dass Gisela, die Tante, am kommenden Samstag zum Kaffee kommen möchte. Er wird darauf hinweisen, dass am Samstag auch der Sohn und seine Freundin eingeladen sind, und fragen, ob das passt. Das alles sind keine neuen Szenarien. Sie entstehen unweigerlich, wenn man, wie das jetzt angelegt wird, den Großsystemen von Google, Amazon oder Apple den Zugriff auf seine eigenen Daten gibt.

          Bislang gilt dieser Schritt unter Gesichtspunkten des Datenschutzes als problematisch, wenn die amerikanischen Konzerne auf Kontakte, Termine und weitere private Dinge zugreifen. Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Unter der Oberfläche sollte man auf den disruptiven Charakter achten, den Assistenzsysteme vor allem mit ihrer Bedienung entwickeln.

          Nötigenfalls kann man den Verlauf kontrollieren

          Wer auf gewohnte Weise am Rechner oder Smartphone Web-Adressen eingibt, Suchen startet oder Unerwünschtes wegklickt, der hat (oder glaubt es zumindest) die Kontrolle über sein eigenes Verhalten im Netz. Das meiste ist aktiv eingegeben, vom Nutzer auf den Weg gebracht. Nötigenfalls kann man den Verlauf einer Google-Suche kontrollieren oder korrigieren. Rechner und Netz machen nichts, was man nicht gewollt hat, so scheint es.

          Im Umgang mit Sprachassistenten gelten vollkommen neue Regeln. Zwar lässt sich auch bei Amazons Alexa eine Liste der zuletzt gesagten Kommandos aufrufen. Aber das ist nur eine Beruhigungspille, denn was Google, Alexa und Siri mit dem akustisch Erfassten machen, bleibt vollkommen intransparent. Noch kann man mit einem Startkommando wie „OK Google“ die aktuellen Systeme aus dem Dämmerschlaf erwecken. Schon nach dem derzeitigen Stand der Technik ist ein solches Aufwecken gar nicht mehr erforderlich, weil sich die Assistenten so einstellen lassen, dass sie permanent zuhören.

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