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Sportuhr oder Smartwatch? : Sie haben es an der Hand

Da setzt das Herz schon Mal aus: Die Apple Watch 3 misst zwar präzise, gönnt sich bisweilen aber auch kleine Pausen. Bild: Reuters

Nicht nur die neue Apple Watch wirft die Frage auf, was die Elektronik fürs Handgelenk mittlerweile kann. Wer viel Sport treibt, profitiert von akribischen Messungen. Und das ist längst nicht alles.

          Sportuhren, Smartwatches und Fitness-Tracker drängen ans Handgelenk. Der Markt für die elektronischen Armbänder wächst nach den Prognosen des Marktforschungsunternehmens IDC in diesem Jahr um 20 Prozent. Man rechnet mit 125 Millionen verkauften Geräten in aller Welt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Gerätegattungen sind jedoch immens. Ein simples Fitness-Armband chinesischer Provenienz ist schon von 20 Euro an erhältlich und arbeitet als elektronischer Schrittzähler oder zur Erfassung des Schlafs. Wer mit wenig Aufwand einen kleinen Motivationsschub für mehr Bewegung sucht, liegt hier richtig, darf aber nicht viel erwarten.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Sportuhren können mehr, und sie können es besser. Sie erfassen mehr Parameter, unter anderem die Herzfrequenz, werten einzelne Sportarten detaillierter aus, bieten Hinweise zum Trainingszustand. Gegebenenfalls warnen sie vor körperlicher Überlastung oder geben Hinweise im Laufe des Tages, dass jetzt mehr Aktivität anstehe, um die selbstgesetzten Ziele zu erreichen.

          Smartwatches wiederum haben oft ebenfalls Fitness-Funktionen eingebaut, sollen jedoch in erster Linie das Smartphone erweitern. Das Gerät am Handgelenk fungiert als Zweitdisplay des Handys. Wer Neuigkeiten abrufen will, muss nicht mehr in die Hosen- oder Handtasche greifen, sondern blickt auf die Uhr. Das ist nur ein kleiner Komfortgewinn, weil die Smartwatch nicht mehr kann als das Smartphone.

          Groß oder klein - hell oder dunkel?

          Die Marktforscher von IDC hatten zuletzt in der Sparte der Smartwatches den Marktanteil von Apple mit seiner Apple Watch bei rund 50 Prozent gesehen. Auf Platz zwei liegt demnach Samsung mit 800.000 Smartwatches und einem Marktanteil von 11 Prozent. An dritter Stelle folgt Garmin.

          Wer mit einer Smartwatch oder Sportuhr liebäugelt, muss wissen, was er will, weil man stets Kompromisse eingeht. Das beginnt mit Bauform, Größe und Gewicht. Ist eine Uhr gefragt, die man den ganzen Tag am Handgelenk tragen kann und will? Muss sie unter einen Hemdsärmel passen? Oder darf die Sportuhr größer und klobiger sein, weil man sie ohnehin nur während des Trainings trägt? Soll das Gerät der Wahl tagelang ohne Nachladen des Akkus laufen, oder nimmt man gern ein weiteres Ladegerät für die Uhr mit auf Reisen? Eine lange Laufzeit geht meist mit einem weniger hellen, passiv beleuchtbaren Display einher. Eine brillante farbenprächtige Oled-Anzeige ist in der Dunkelheit des frühen Morgens für den Jogger deutlich besser abzulesen, benötigt aber mehr Strom.

          Schließlich das Betriebssystem: Wer in der Google-Welt zu Hause ist und ein Android-Smartphone verwendet, mag sich für ein Produkt mit Googles Android Wear entscheiden. Telefonieren, Musikhören, Nachrichten lesen und Sportaktivitäten aufzeichnen, das geht prima. Aber ihre volle Funktionalität entwickelt eine solche Uhr natürlich nur mit dem Android-Smartphone. In der Apple-Welt ist die Apple Watch ausschließlich mit dem iPhone lauffähig. Android-Wear-2-Uhren sind von 200 Euro an zu haben. Die günstigste Apple Watch Series 3 kostet 370 Euro.

          Die Sportuhr - Dinosaurier mit Vorteilen

          Die Bedienung folgt stets den Konventionen des Betriebssystems. Apple und die Androiden setzen auf wenige Tasten und Wischbewegungen mit dem Finger über das berührungsempfindliche Display. Spracherkennung erlaubt es, mit der Uhr zu sprechen. Nicht nur, um ihr Kommandos zu geben und Fragen zu stellen, sondern auch, um kurze Nachrichten zu diktieren, und das funktioniert mittlerweile gut.

          Sportuhren mit dicken Knöpfen erscheinen angesichts der geradezu charmanten Smartphone-Bedienung wie Dinosaurier aus dem Technikmuseum. Kein Fingerwisch, sondern fleißiges Tastendrücken und das Bewegen durch statische Menüs sind gefordert. Das erfordert Einarbeitung. Man muss wissen, welche Funktion wie aufgerufen wird. Doch die Hersteller haben sich dabei durchaus etwas gedacht. Mit einer Sportuhr stoppt der Läufer seine Bestzeit auf den Punkt genau. Ein Tastendruck genügt. Mit der eleganten Smartwatch, etwa von Apple, dreht er schon 50 Meter vor dem Ziel am Rädchen, um das Display zu entsperren, und anschließend muss der Finger präzise das Stopp-Symbol treffen, was nicht immer gelingt, wenn man gerade den Lauf seines Lebens geschafft hat. Kurzum: Die Tastenbedienung ist beim Sport ungeschlagen.

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