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Soziale Netzwerke : Wiedersehen mit alten Bekannten

  • -Aktualisiert am

MySpace, studiVZ & Co.: Die bunte Welt der sozialen Netzwerke Bild: Betreiber

In Deutschland boomen die sozialen Netzwerke. Bereits drei von fünf deutschen Internetnutzern beteiligen sich aktiv. Solche Plattformen nutzen nicht nur junge Leute. Hat das Bierchen in der Kneipe als Smalltalk-Ereignis nun ausgedient?

          Früher führten Menschen in der Kneipe rege Diskussionen, flirteten in der Disko, blätterten Zeitungen auf der Suche nach einem neuen Job oder tauschten Musik in Form von Mixtapes. Diese Zeiten sind vorbei. Zumindest für mehrere Millionen Menschen in Deutschland und viele Millionen auf der ganzen Welt. Heute tauscht man sich auf wer-kennt-wen (WKW) aus, zeigt sich auf Facebook die Schnappschüsse des vergangenen Sommertripps, lässt sich von MySpace Musik empfehlen und findet einen neuen Job auf Xing.

          Soziale Netzwerke boomen. Laut einer Studie der Convios Consulting GmbH und Web.de zum „Kommunikationsverhalten deutscher Internet-Nutzer“ sind bereits drei von fünf deutschen Internetnutzern in einem sozialen Netzwerken aktiv. StudiVZ, Facebook & Co. verbinden. Die erste Liebe aus der Schulzeit lässt sich mit wenigen Klicks wieder finden und der heimische Kicker-Club gruppiert sich online. Für manchen sind soziale Netzwerke die wichtigste Freizeitbeschäftigung und machen daraus einen Kult. Ob „Gruscheln“ oder „Funken“ - VZler wissen was gemeint ist.

          Nicht bloß etwas für junge Leute

          Dabei sind solche Plattformen nicht ausschließlich etwas für junge Leute. 2008 entstand neben studiVZ und dem erfolgreichen schülerVZ ein weiteres Pendant für die „ältere“ und arbeitende Zielgruppe. MeinVZ ging online. Inzwischen registriert das Netzwerk 3,17 Millionen Nutzer, von denen etwa 250.000 der Generation 40plus angehören. In punkto „ältere Nutzer“ ist allerdings das Netzwerk wer-kennt-wen Spitzenreiter: Von derzeit 6,1 Millionen angemeldeten Nutzern fallen 27 Prozent in die Altersgruppe von 30-39 Jahren, 24 Prozent sind zwischen 40 und 49 Jahre alt, 11 Prozent sind zwischen 50 und 59 Jahren alt und 4 Prozent sind sogar über die 60 Jahre alt.

          Wolfgang, 53 Jahre alt, wohnt in einem kleinen Ort in Rheinland-Pfalz und ist bekennender WKWler. Auf die Idee, sich dort anzumelden, brachte ihn im Januar 2008 sein damals 22 Jahre alter Sohn. „Den Reiz solcher Seiten wie wer-kennt-wen sehe ich für mich darin, alte Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen, die ich vielleicht seit 15 oder 20 Jahren nicht mehr gesehen oder gehört habe, wiederzufinden“. Zurzeit sei sogar ein Treffen seiner ehemaligen Schulklasse geplant, was die Suche nach alten Klassenkameraden durch wer-kennt-wen enorm vereinfachte.

          „Das Bierchen in der Kneipe hat niemals ausgedient“

          Den Gedanken, das die Kommunikation in sozialen Netzwerke das Gespräch in der Kneipe ablöst, teilt er nicht: „Solche Seiten ersetzen das nicht“. Ein persönliches Gespräch sei für ihn immer noch interessanter. Insofern seien soziale Netzwerke „gut, um Kontakte zu halten mit Leuten, die weiter weg wohnen und die ich nicht jeden Tag sehen kann. Wohingegen ich den Kumpel aus der Kneipe jeden Tag treffen kann“.

          Karin Rothgänger, Pressesprecherin bei wer-kennt-wen, sieht das ähnlich: „Das Bierchen in der Kneipe hat bestimmt niemals ausgedient. Ein Social Network wird den persönlichen Kontakt genau so wenig ersetzen, wie das Internet das Buch vollständig ablösen wird“. Viel mehr verlagere sich die Kommunikation in soziale Netzwerke, die dadurch beschleunigt und vereinfacht wird. „Termine werden nun schnell und unkompliziert per Nachricht ausgemacht und um die Fotoalben aus dem letzten Urlaub anzuschauen, muss nicht mehr mühselig die ganze Familie zusammengetrommelt werden. Man stellt einfach das Fotoalbum ein“.

          Lösen soziale Netzwerke nun die E-Mail ab?

          Soziale Netzwerke wie wer-kennt-wen, so Karin Rothgänger, „machen es einfacher und leichter, sich mit neuen und alten Bekannten zu vernetzen und miteinander in Kontakt zu bleiben“. Dabei sei das Schreiben von Nachrichten, Blog- und Gästebucheinträge eine wichtige Funktionen für die Nutzer. Als Wolfgang vor zwei Jahren schwer erkrankte, erkannte er diese Vorteile: „In der Zeit, in der ich nicht in der Lage war, das Haus zu verlassen, war das eine Sache, die für mich sehr praktisch war, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten“. Wolfgang hat monatlich bis zu 200 Nachrichten geschrieben. So konnte er Kontakt zu Freunden und Bekannten halten.

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