http://www.faz.net/-gy9-8gkt2

Vier neue Gadgets : Sony ist das Smartphone nicht genug

Nur eine Idee, dafür serienreif: das Ear von Sony Bild: Hersteller

Das Handy ist die Zentrale unserer Kommunikation. Braucht man noch ein weiteres Gerät? Sony hat viele neue Ideen und will sich vom Smartphone lösen.

          Es ist nicht verkehrt, über die Zeit nach dem Smartphone nachzudenken. Der Markt ist allmählich gesättigt, die Produkte sind sich sehr ähnlich - und das auf hohem Niveau. Hersteller suchen nach neuen Geräten, die das Smartphone ablösen oder ergänzen sollen. Sony ist einer davon - und zeigte in Tokio seine Neuheiten aus der Welt der mobilen Kommunikation. Unter dem wolkigen Schlagwort „Internet der Dinge“ versammelten sich vier Geräte. Ein Headset im Ohr (Ear), eine 180-Grad-Kamera um den Hals (Eye), ein Beamer in Wandnähe (Projector) und ein Roboter auf dem Tisch (Agent). Ear ist serienreif und kommt im Juli auf den Markt, die drei anderen Geräte sind Prototypen.

          Sony will dem Nutzer den Umgang mit dem Smartphone erleichtern, indem er es nicht mehr aus der Tasche ziehen muss. Es agiert nur noch als Verwalter im Hintergrund. Der Mensch soll sich seine Informationen so holen, wie er es vor der Zeit des Smartphones gemacht hat: indem er spricht.

          Knopf im Ohr

          Dafür hat Sony das Ear entwickelt. Es sieht aus wie ein kabelloses Headset, das man sich ins Ohr steckt. Letztlich ist es auch so etwas, nur dass man nicht nur mit jemanden telefonieren kann, sondern auch Apps auf dem Smartphone steuert. Mit einer kurzen Berührung des Gehäuses aktiviert der Nutzer die Nachrichten-App und kann allein mit Sprache eine SMS senden oder vorlesen lassen. Das übliche „Wie ist das Wetter in Frankfurt?“ wird ebenso beantwortet wie „Welche Länge hat der Main?“ Ear zapft dann über das Smartphone die Daten der Wetterzentrale und Wikipedia an.

          Das Ear steckt wie ein kabelloses Headset im Ohr
          Das Ear steckt wie ein kabelloses Headset im Ohr : Bild: Dettweiler

          Hey, Siri, Okay, Google, Hey, Cortana: Die Idee, mit dem Smartphone zu sprechen, ist nicht neu. Auf Apples iOS, Googles Android und Microsofts Windows 10 lassen sich einige Apps dank Spracherkennung nutzen. Allerdings muss man bis auf einige Ausnahmen die Smartphones in die Hand nehmen, um sie aus dem Stand-by zu wecken. Alternativ gibt es schon viele smarte Uhren, die den Griff zum Smartphone ersetzen. Doch Sony lagert nicht nur die Spracherkennung aus, sondern überlässt auch die Kamerafunktion einem weiteren Gadget.

          Kamera um den Hals

          Nach Vorstellung der Japaner soll man nicht nur den ganzen Tag den Knopf im Ohr haben, sondern auch das Eye um den Hals tragen. Das ist eine hochauflösende Kamera, die etwa 50 Gramm wiegt, 32 Gigabyte speichert und Bilder in einem Winkel von 180 Grad aufnimmt. Eye soll also ein Sichtfeldersatz sein. Sie ist mit dem Smartphone über W-Lan verbunden und scannt fortwährend die Umgebung. Sieht sie Gesichter, fängt sie automatisch an, Bilder oder Videos aufzunehmen. Sie reagiert aber auch auf Zuruf.

          Auf dem MWC in Barcelona war die Eye noch hinter einem Glaskasten versteckt
          Auf dem MWC in Barcelona war die Eye noch hinter einem Glaskasten versteckt : Bild: AFP

          Im Vergleich zum serienreifen Ear bleiben beim Eye noch viele Fragen offen. Der Speicher dürfte nach eineinhalb Stunden Video-Aufnahmen im 4K-Format voll sein. Die Qualität der Bilder ist wahrscheinlich stark abhängig vom Bewegungsverhalten des Nutzers. Und in Deutschland dürfte es einige rechtliche Bedenken geben, wenn Sony-Freunde durch die Straßen schlendern und heimlich Menschen aufnehmen. Nicht zuletzt deswegen scheiterte die Google Glass, die ebenso der Versuch war, das Smartphone zu ersetzen oder zu ergänzen.

          Beamer an der Wand

          Sony hat zwei weitere Prototypen im Angebot. Der Projector sieht aus wie ein kleines Computergehäuse für die Verwendung auf dem Tisch. Auf so einem steht auch Sonys drittes Gerät, um die nahe Wand als Projektionsfläche zu nutzen. Da der Projector auch Gesten erkennt, lässt sich durch eine Wischbewegung eine Fotogalerie durchblättern, der Terminkalender durchsuchen, ein Videogespräch führen oder Musik hören.

          Wirft Informationen an die Wand: der Projector
          Wirft Informationen an die Wand: der Projector : Bild: Dettweiler

          Während der Vorführung folgte der Prototyp noch nicht ganz so flüssig den Gesten, wie es sein sollte. Zudem dürfte sich im Alltagseinsatz an einer weißen Wand schnell zeigen, dass jemand an dieser Stelle häufig entlang wischt. Dennoch liegen solche Geräte gerade im Trend bei der Herstellern. So präsentierte etwa BMW auf der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas einen Spiegel, der ebenfalls als Großprojektion dessen diente, was man sich normalerweise auf dem Smartphone-Bildschirm anschaut.

          Roboter auf dem Tisch

          Ähnlich in seiner Funktionalität, aber spektakulärer in seiner Erscheinung ist der Agent. Das ist ein kleiner Roboter, der ebenfalls Bilder an die Wand oder auf den Tisch werfen kann. Sprechen kann er ebenfalls, dabei dreht er seinen „Kopf“. Der Apparat versteht auch den Nutzer, somit kann er Anfragen direkt mit Hilfe des Internets beantworten. Auch hier ist Sony kein Pionier. Amazons Echo ist mit dem Agent vergleichbar, wenngleich die Japaner bei der Gestaltung etwas liebevoller und verrückter waren.

          Wie ein Android für den Tisch: der Agent
          Wie ein Android für den Tisch: der Agent : Bild: Dettweiler

          Was sind Sonys Absichten? Mit dem hauseigenen Smartphone, das von nun an schlicht „Xperia X“ heißt, hat Sony ein gutes Gerät im Angebot, das mit den Flaggschiffen der Konkurrenz technisch mithalten kann. Jedoch nicht bei den Verkaufszahlen. Gerade Hersteller aus China wie Huawei drängen vehement auf den Markt, auf dem Apple und Samsung schon stark vertreten sind. Sony will diesem Wettbewerb etwas aus dem Weg gehen und sucht Erfolg mit dieser neuen Strategie.

          Das Xperia-Smartphone wird sich dann zwischen Ear, Eye, Projector und Agent einreihen müssen. Es könnte eine Art Server-Funktion übernehmen, um zwischen den Geräten und dem Internet die Daten zu vermitteln. Doch selbst wenn alle Geräte in Serie gehen sollten, bleibt der konkrete Nutzen noch unklar. Sonys Beispiele überzeugen nicht wirklich. Schlafanalysen mit Weckgarantie gibt es schon. Bei der Gesundheitsvorsorge hat Apple mit seiner Watch schon einige Erfahrung gesammelt. Der Markt für Smarthome-Anwendungen sucht seit Jahren seine Abnehmer. Das Internet der Dinge haben also schon viele Hersteller für sich entdeckt.

          Sony kann sich nur mit echten Innovationen absetzen. So wie man es in der Vergangenheit mit Walkman, CD-Spieler, Minidisc oder Playstation getan hat.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Das X macht den Unterschied

          Neuigkeiten von Apple : Das X macht den Unterschied

          Die Erwartungen an Tim Cook waren sehr hoch. Und der Apple-Chef hat geliefert. Das iPhone X setzt Maßstäbe für die Oberklasse der Smartphones. Auch preislich. Das iPhone 8 ist eher Evolution. Apple TV schließt auf und die Apple Watch kann es auch alleine.

          Topmeldungen

          FAZ.NET exklusiv : Ein Stich in den Rücken

          Alexander Gauland, Spitzenkandidat der AfD, beschwert sich im FAZ.NET-Interview über mangelnde Hilfe der Parteivorsitzenden Petry im Wahlkampf. Seine missverständlichen Äußerungen über Israel klärt er auf.

          Kampf um den Diesel : Wenn zwei sich streiten

          Im Wahlkampf stritten CSU und Grüne heftig um die Zukunft des Verbrennungsmotors. Doch die vier Parteien einer möglichen Jamaika-Koalition liegen nicht so weit auseinander, wie man glauben mag.

          Die Welt reagiert auf die Wahl : „Hitler im Parlament“

          Erleichterung in China, Glückwünsche aus Madrid und Empörung über die AfD in Ankara: Die F.A.Z.-Korrespondenten berichten über die internationalen Reaktionen auf den Ausgang der Bundestagswahl.

          Die Wahl im Liveblog : Merkels Jüngster bringt Kuchen mit

          Jüngster Bundestagsabgeordneter ist erst 24 +++ OSZE sieht sauber durchgeführte Wahl +++ AfD-Chefin Petry wird von mehreren Seiten zum Austritt aufgefordert +++ Aktuelle Entwicklungen im FAZ.NET-Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.