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Software für Zeitraffervideos : Drei Stunden Video in fünf Minuten

Zeige nur die blauen Autos Richtung Süden: Briefcam im Einsatz an der Straße Bild: Spehr

Die Zeitraffertechnik für normale Videos eignet sich nicht für jedes Ausgangsmaterial. Das Ergebnis kann hektisch wirken, kaum noch ansehbar sein. Eine neue Software hilft.

          Jeder Hobby-Filmer kennt das Problem: Videos sind immer zu lang. Schon die Sichtung des aufgezeichneten Materials kann ermüdend sein. Wer seine Videos am PC selbst schneidet, mit Effekten versieht und daraus ein kleines Kunstwerk macht, ist in erster Linie mit Kürzen und Löschen beschäftigt.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Eine Möglichkeit, das Ganze spannender zu gestalten, besteht im Einsatz des Zeitraffers. Damit wird die Bildrate der Kamera im Verhältnis zur Abspielfrequenz herabgesetzt. Man schießt zum Beispiel eine Aufnahme alle 10 Sekunden. Beim Abspielen mit normaler Geschwindigkeit scheint der aufgenommene Vorgang schneller abzulaufen. Wer an Zeitrafferfilme vorbeiziehender Wolken oder sich öffnender Blüten denkt, liegt nicht falsch. Denn die meisten Zeitraffervideos visualisieren solche Änderungen, die in Echtzeit nur sehr langsam erfolgen und deshalb schwer wahrnehmbar sind.

          Wird Zeitraffertechnik für normale Videos eingesetzt, beschleunigt man die Wiedergabegeschwindigkeit auf das Doppelte oder gar ein Vielfaches. Das hört sich einfach an. Doch man stellt gleich fest, dass sich der Effekt nicht für jedes Ausgangsmaterial eignet. Kleinste Bewegungen der Kamera und Erschütterungen sorgen dafür, dass das Video kaum noch ansehbar ist. Es wirkt zu hektisch.

          Gelungen trotz Wackler: Microsoft Hyperlapse stabilisiert das Bild
          Gelungen trotz Wackler: Microsoft Hyperlapse stabilisiert das Bild : Bild: Spehr

          Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft hat vor zwei Jahren seine Hyperlapse genannte Technik für ruckelfreie Zeitraffervideos vorgestellt. Mit der Anwendung für alle gängigen Betriebssysteme lassen sich die unkoordinierten Bewegungen und Erschütterungen aus dem vorhandenen Material herausrechnen. Das Ergebnis ist ein geradezu verblüffend flüssiger Bildverlauf. Der Trick: Die Software macht es sich nicht einfach. Sie schneidet nicht etwa jede zehnte Aufnahme aus dem Video heraus, sondern korrigiert das gesamte Material, um Verwacklungen und Sprünge zu minimieren. Auf diese Weise ist eine Beschleunigung um das bis zu 32-Fache möglich, ohne dass das Ergebnis zu unruhig wird. Mittlerweile haben auch manche Smartphones und viele Helmkameras eine Zeitraffersoftware eingebaut, die ebenfalls eine Verbesserung über Software erlaubt.

          Ähnlich arbeitet Software in einem ganz anderen Bereich: Das 2008 in Israel gegründete Unternehmen Briefcam erstellt mit seiner App eine Zusammenfassung von stundenlangem Videomaterial aus dem Bereich der Überwachungstechnik. Dabei wird nach Objekten, Ereignissen und Aktivitäten unterschieden. Aus dem zweistündigen Überwachungsvideo einer belebten Straße mit viel Autoverkehr entsteht auf Knopfdruck eine 5-Minuten-Synopse, die es zum Beispiel erlaubt, die Fahrt eines einzelnen Autos herauszugreifen, die vorbeifahrenden Autos nach ihrer Farbe, Fahrtrichtung oder Größe zu sortieren.

          Natürlich lassen sich die Filter und Kriterien miteinander kombinieren, um zum Beispiel alle weißen Lastwagen, die nach Norden fahren, zu ermitteln. Sogar eine Ähnlichkeitssuche ist in der Software enthalten. Was mit Autos funktioniert, gelingt auch mit Menschen oder Tieren.

          Das Ausgangsmaterial ist stets das originäre Video. Anschließend werden alle sich bewegenden Objekte quasi ausgeschnitten und mit Metadaten versehen, also gleichsam beschriftet als beispielsweise blaues Fahrzeug, das nach Süden fährt. Derzeit wird die Technik vor allem von Behörden und Unternehmen im Sicherheitsbereich eingesetzt, im deutschen Sprachraum ist die Software für einen fünfstelligen Betrag über den Vertrieb icundms.de erhältlich.

          Quelle: F.A.Z.

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