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HTC One M8 im Test : Smartphone für Metal-Fans

Gibt’s auch in der goldenen Variante: HTC One M8 Bild: Hersteller

HTC will mit dem One M8 ganz oben mitspielen. Das Smartphone hat auch einiges zu bieten, um Apple und Samsung Konkurrenz zu machen. Wäre da nicht diese eine Schwäche.

          Dieses Smartphone hat Gewicht. HTC schiebt sein neues One M8 wie eine stählerne Waffe zwischen die Konkurrenten von Apple und Samsung. Es wiegt 160 Gramm, liegt schwer, aber angenehm in der Hand, hat einen sehr stabilen Alu-Rahmen und einen fünf Zoll großen Bildschirm mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten. Wer Produkte aus Metall mag und Plastik blöd findet, ist hier genau richtig.

          Das M8 hat wie sein Vorgänger abermals ein Unibody-Gehäuse, das es nun in den „iPhone5s-Farben“ grau, silber und gold gibt und dessen Ecken etwas mehr abgerundet sind. Es ist weitgehend aus einem Stück Aluminium gefräst. Laut HTC besteht das Gerät aus neunzig Prozent Metall. Auf der Rückseite wird die leicht glänzendes Oberfläche abermals durch dünne Linien durchbrochen. Sein Design ist geschmackvoll und seine Erscheinung edel und hochwertig.

          Kamerabilder mit Schwächen

          Eine Innovation des One M8 soll seine Kamera sein. HTC setzt abermals auf seine sogenannte Ultrapixel-Technologie. Besonders große Pixel sollen „Schnappschüsse, Fotos und Videoaufnahmen mit hoher Bildqualität ermöglichen und 300 Prozent mehr Licht einfangen können als viele der anderen 13-Megapixel-Kameras auf dem Markt.“ Das hört sich in Zeiten des Pixelwahns vernünftig an. So weit die Theorie.

          Probleme mit gut ausgeleuchteten Bereichen, so etwa beim HTC-Foto der Tasse (links) Bilderstrecke
          Kamera im Test : HTC One M8 und iPhone 5s im Foto-Vergleich

          In der Praxis und im Vergleich mit dem iPhone 5s sieht die Welt anders aus. In verschiedenen Umgebungen (dunkles Zimmer bis sonniger Garten) konnten die Bilder des Apple-Gerätes mehr überzeugen. Lediglich bei der Aufnahme im dunklen Raum rauschte das HTC-Bild weniger. Doch bei normalen Innen- und Außenaufnahmen hat das One M8 auf der einen Seite ein Problem mit ausgeleuchteten Bereichen. Diese reißen sichtbar auf, werden manchmal zu undifferenzierten hellen Flächen. Auf der anderen Seite schafft es die Kamera nicht, mit den schattigen Flächen umzugehen. Dort sind kaum Zeichnungen zu sehen.

          Selektive Tiefenschärfe

          Beim One M8 hat die Kamera auf der Rückseite nun eine zweite Linse bekommen. Der Sensor speichert Informationen über die Tiefenschärfe des Bildes. So kann man im Nachhinein eine Ebene scharf ziehen, indem man mit „UFocus“ das Bild bearbeitet. Mit den Finger wählt man das Objekt aus, das scharf sein soll. Der Raum davor und danach wird in Unschärfe getaucht. Liegen mehrere Objekte in der ausgewählten Ebene, werden diese scharf dargestellt. Da man aber nicht definieren kann, wie tief die Ebene sein soll, gibt die Software das selbst vor. Und verschätzt sich, wie man an den Beispielbildern sehen kann:

          Wenn man das Bild groß klickt und genau hinschaut, sieht man links und rechts des roten Porsches, wie sich die schmale, scharfe Ebene durchs Bild zieht. Am Heck wird das Auto schon wieder unscharf
          Wenn man das Bild groß klickt und genau hinschaut, sieht man links und rechts des roten Porsches, wie sich die schmale, scharfe Ebene durchs Bild zieht. Am Heck wird das Auto schon wieder unscharf : Bild: Marco Dettweiler

          Der UFocus-Effekt funktioniert sehr gut, wenn man ein Porträtbild verändern will, weil dann meist ein nettes Bokeh entsteht und die Unschärfe nicht zu früh einsetzt. Je mehr Objekte und Raum aber im Bild vorkommen, desto mehr wird daraus ein Shift-Tilt-Effekt. Menschen und Gegenstände wirken klein und künstlich. Die Bilder wirken dann wie Szenen aus Legoland.

          Schon am Ohr hört’s auf mit der Schärfe. Die ausgewählte Schärfe ist nur wenige Zentimeter tief
          Schon am Ohr hört’s auf mit der Schärfe. Die ausgewählte Schärfe ist nur wenige Zentimeter tief : Bild: Marco Dettweiler

          Lauter und ordentlicher Sound

          Positiv überrascht sind wir vom „BoomSound“. HTC hat beim One auf der Vorderseite oben und unten wieder einen breiten Lautsprecher integriert. Desweiteren wird der Klang von digitalen Verstärkern unterstützt. Damit wolle man, so einer der Werbeslogans, „die Konkurrenz wegblasen“.

          Bei aller Skepsis gegenüber solchen Sprüchen und viel verbreitetem Audio-Spielzeug mit blechernem Klang muss man HTC lassen, dass es wohl kein anderes Smartphone gibt, das die Musik derart laut und in ordentlicher Qualität abspielt. Als Notfall-Lösung für Wohnzimmer-Partys dürfte das One sogar ausreichen.

          HTC Sense gefällt immer noch

          Mit Android 4.4.2 (KitKat) hat HTC die neueste Version des Betriebssystems installiert. Als Oberfläche dient weiterhin HTC Sense. Auch in der Version 6 halten sich die Taiwaner mit nervenden Zusatzfunktionen, wie man sie von Samsung und LG kennt, angenehm zurück. Nette Apps wie Blinkfeed sind geblieben. Man kann sich eine hübsch designte Kachel-Oberfläche selbst mit seinen Newsfeeds konfigurieren. Neu sind Wischgesten, mit denen man direkt aus dem Standby etwa zum Hauptbildschirm, der zuletzt geöffneten App oder eben Blinkfeed gelangt.

          Sehr praktisch kann der Energiesparmodus sein. Ihn gibt es sogar in einer zusätzlichen Extrem-Variante. Er lässt sich automatisch aktivieren, wenn der Akku 20, 10 oder 5 Prozent der Energie hat. Dann wird der Bildschirm abgedunkelt, der Prozessor arbeitet langsamer, die Vibration abgeschaltet und die Anzahl der verfügbaren Apps stark reduziert.

          Hardware ist gut bestückt

          Die Hardware ist auf dem Stand der Zeit. Ein Qualcomm Snapdragon 801 mit 2,3 Gigahertz treibt das Gerät an. Die 2 Gigabyte Arbeitsspeicher reichen für einen flotten Umgang mit dem Gerät aus. Der interne Speicher von 16, 32 oder 64 Gigabyte kann mit einer MicroSD auf bis zu 128 Gigabyte erhöht werden. Der Akku mit 2600 mAh versorgt unser Testgerät locker über zwei Tage hinaus.

          Auch wenn die Kamera etwas enttäuscht: Das HTC One M8 ist eine echte Alternative zu den aktuellen Oberklassemodellen von Apple oder Samsung. Das Design ist nach wie vor etwas besonderes, der Sound beeindruckend und die Software gefällt mit ihren netten Zusatzfunktionen. Leider will HTC auch beim Preis von 679 Euro ganz vorne mitspielen.

          Technische Daten und Preis

          Bildschirm: 5 Zoll, 1080 x 1920 Pixel (Full HD)

          Betriebssystem: Android 4.4 mit HTC Sense 6

          Maße: 70,6 x 146,36 x 9,35 Millimeter

          Gewicht: 160 Gramm

          Prozessor: Qualcomm Snapdragon 801

          Speicher: 2 Gigabyte Arbeitsspeicher, 16, 32 oder 64 Gigabyte interner Speicher. Maximal 128 Gigabyte per Micro-SD

          Kamera: Ultrapixel-Kamera mit BSI-Sensor

          Akku: 2600 Milliamperestunden

          Schnittstellen: Bluetooth 4.0, DLNA, HTC Connect, W-Lan-Standard ac

          Preis: 679 Euro in den Farben grau, silber oder gold

          Ein Leser hat uns dankenswerterweise auf einen Fehler hingewiesen: In dem Video, das diesen Text ergänzte, wurde aus Versehen als Vorgänger das HTC One Mini und nicht das HTC One gezeigt. Deshalb ist das Video momentan nicht mehr zu sehen.

          Quelle: FAZ.NET

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