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RSS-Reader : Freundliche Lesehelfer

Man muss sich durch unendlich viel hindurchwühlen und bekommt trotzdem keinen Blick aufs Ganze. Bild: Spehr

RSS lebt auf und gibt Nachrichten ein neues Format. Eine App läuft auf allen Plattformen.

          Fragte man vor fünf Jahren an Nachrichten besonders interessierte Menschen nach der künftigen Informationsquelle Nummer eins für Aktuelles, lautete die Antwort oft: Twitter. Mit nur 140 Zeichen lief der amerikanische Nachrichtendienst allen anderen davon. Wer schneller und besser informiert sein wollte, lag hier richtig. Heute sieht die Welt anders aus. In Zeiten von Fake News, Filterblasen und Echokammern ist das Misstrauen gegenüber den sich sozial nennenden Diensten gewachsen.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Man muss sich durch unendlich viel hindurchwühlen und bekommt trotzdem keinen Blick aufs Ganze, weil nicht nur Facebook, sondern seit Jahren auch Twitter erheblich filtern, also je nach Nutzer unterschiedliche Inhalte in den Vordergrund stellen und scheinbar Irrelevantes ausblenden. Zudem sind in den vergangenen Jahren Verlage, Medienhäuser und Redaktionen besser und schneller geworden. Sie haben ihre Kernkompetenz rund um die Darstellung, Bearbeitung und Kommentierung von Nachrichten geschärft, und ihre Angebote sind heute attraktiv wie nie.

          Wer viele Nachrichtenseiten effektiv in den Blick bekommen will, nutzt wieder ein schon älteres Werkzeug, das durch Twitter und Facebook vorübergehend in seiner Bedeutung zurückgedrängt wurde: den RSS-Reader. Er erspart es einem, jeden Tag immer wieder die gleichen Seiten anzusteuern. RSS heißt „Really Simple Syndication“ und ist ein seit vielen Jahren bestehendes Internetprotokoll. Man kann es sich wie eine besonders schlanke Variante der gewohnten www-Seiten vorstellen: kein Ballast, kaum Grafiken, kaum Werbung.

          In Feedly arbeitet man wie in einem Regiezentrum für Nachrichten.
          In Feedly arbeitet man wie in einem Regiezentrum für Nachrichten. : Bild: Spehr

          Alle wichtigen Internetseiten sind in einer RSS-Variante abrufbar, und man nutzt dazu ein besonderes Leseprogramm, einen RSS-Reader. Diese Software zeigt dann neue Beiträge der großen Nachrichtenportale, aber auch privater Blogs wie eine E-Mail-Liste. Ordentlich untereinander sind die aktuellen Themen mit ihrer Schlagzeile aufgeführt. Man muss nicht lange surfen, sondern sieht in diesem „Feed“ sofort die Neuheiten wie die Betreffzeilen der E-Mail. Interessiert das Thema, klickt man auf die Zeile, und schon erscheint entweder ein Artikelvorspann oder das Original aus dem Netz. Das alles sieht so aus, als hätte man das Web in seinem Outlook-Postkorb, und im täglichen Umgang funktioniert RSS viel schneller als das Klicken durch bunte Seiten.

          Lange Zeit hatte Google alles getan, um diesen Markt zu monopolisieren: Der Google Reader wurde unentgeltlich angeboten, verdrängte alle Mitbewerber, und als der Suchmaschinengigant dann auch auf diesem Feld quasi ein Monopol hatte, wurde das Produkt im Jahr 2013 plötzlich eingestellt. Man wollte die Nutzer zur Verwendung von Google Plus zwingen. Doch die Geschichte nahm eine gute Wendung. Es gibt zumindest einen Anbieter, der von der misslichen Lage profitieren konnte und mittlerweile ein überzeugendes Rundum-Angebot geschnürt hat, das auf allen wichtigen Plattformen und Betriebssystemen läuft: Feedly gewann 2013 mit einem Schlag mehr als 10 Millionen Kunden und gilt mittlerweile als Marktführer, wenngleich viele kleinere Dienste ebenfalls wieder um die Gunst der Kunden buhlen. Die Software läuft im Web-Browser oder als App, bis zu 100 Nachrichtenquellen lassen sich unentgeltlich in einem Konto bündeln.

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