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Vernetztes Zuhause : Die smarte Kapitulation

Bild: F.A.Z.

Das vernetzte Haus wird mit Apps und dem Smartphone gesteuert. Die Ideen sind hochfliegend. Wer ans Sparen und mehr Effizienz denkt, hat jedoch die Ziele von Google & Co. nicht verstanden.

          Mehr Komfort und Lebensqualität, ein Zugewinn an Sicherheit und eine effizientere Energienutzung: Das smarte und intelligent gesteuerte Heim der Zukunft verspricht ein neues Wohnen im Zeitalter der vernetzten Systeme. Unter dem Begriff Smart Home versammeln sich unterschiedliche Ansatzpunkte für eine Automation nicht nur der Gebäudetechnik, sondern auch von Lampen, Steckdosen und Kühlschränken bis hin zur Unterhaltungselektronik und Sicherheitstechnik sowie Gartengeräte. Alle Komponenten kommunizieren untereinander und mit Apps, sie sind aus der Ferne programmierbar und so smart, dass man angeblich den feinen Luxus der cleveren Steuerung nicht mehr missen möchte.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Sogar ganz neue Szenarien der Fürsorge stellte unlängst der hessische Energieversorger Mainova in einem Musterhaus bei Bad Vilbel vor: Wird die Kaffeemaschine der Großmutter morgens nicht wie gewohnt eingeschaltet, löst die Anlage einen Alarm aus. Man könne dann bei älteren alleinstehenden Personen anrufen oder einen Nachbarn vorbeischicken, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Die fürsorgliche Behütung im vernetzten Zuhause kann indes auch zur Falle werden, wie unlängst erlebt: Der Freund weilte in Amerika, und die Partnerin zu Hause hatte kalte Füße. Die Heizung höherzustellen, war ihr nicht möglich, denn die hochintelligente Anlage hatte ihren App-Zugang aus welchen Gründen auch immer gesperrt.

          So half in diesem Falle nur eine besondere Art der Fernwärme: Er stand nachts in New York auf und programmierte kurzerhand mit seinem Handy die Heizung für sie in Neu-Anspach um. Die kuriose Episode zeigt, welche Herausforderungen mit dem vernetzten Heim einhergehen können – und dass eine gewisse Zurückhaltung angesagt ist, wenn es darum geht, die langlebige Welt des Wohnens mit der schnellen des Smartphones zu verbinden.

          Mehrwert durch Vernetzung

          Die Ideen rund ums Smart Home sind nicht neu. Dass der vernetzte Kühlschrank die schwindenden Milchvorräte erfasst und nachbestellt, machte schon vor Jahrzehnten als Idee die Runde. Neu ist nunmehr die Systemintegration und die übergreifende Steuerung aller elektrischen und elektromechanischen Systeme in einem Gebäude. Die Vernetzung reicht von einzelnen Komponenten über Elektrogeräte bis hin zu jenen Heimapparaten, die schon lange verbunden sind, Stichwort: Audio- und Videosysteme. Wenn alles unter einem Dach zentral verwaltet und gesteuert wird und die Anbindung ans Internet vorhanden ist, liegt in den entsprechenden Szenarien der Mehrwert sofort auf der Hand: Nicht nur beim Energie-Management des Anwesens, sondern zum Beispiel auch bei der Sicherheit: Das offenstehende Fenster wird automatisch verschlossen, sobald der letzte Bewohner das Haus verlassen hat. Dank Biometrie und Anwesenheitsdetektoren steuert das Smart Home die Zugangskontrolle mitsamt Pin-Code oder einem Scan von Fingerabdruck und Gesicht. Bei Einbruch, Brand oder Wasserschäden werden entsprechende Maßnahmen automatisch eingeleitet.

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