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Podcasts : „Hier bin ich der Programmchef“

  • -Aktualisiert am

Am Mikrofon: Annik Rubens, die Stimme von „Schlaflos in München” Bild: Sebastian Widmann

Verpasste Lieblingssendung, nervige Werbepausen oder störende Jingles im Fünf-Minutentakt: Beim Podcasting ist das kein Thema mehr. Aber was genau ist dieses „Podcasting“? Radio im Internet oder gar das Radio der Zukunft?

          „Das Radio ist tot, der Podcast lebt“. So ähnlich könnte es in den kommenden Jahren durch das Internet tönen. Wo das Radio seine Schwächen hat, überzeugen die Radiosendungen auf Abruf. Die Sorge, die Lieblingssendung zu verpassen, ohne Aussicht auf eine Wiederholung, nervige Werbepausen oder störende Jingles im Fünf-Minutentakt sind beim Podcast kein Thema. Der Nutzer lädt sich einfach eine Sendung aus dem Internet herunter, spielt sie auf seinen MP3-Player, nimmt sie überall mit hin, ruft sie so oft und wann immer er möchte ab. Ein weiterer Vorteil: Er kann selektiv hören und das in der Regel kostenlos.

          Das Wort „Podcast“ setzt sich aus den Wörtern „Broadcast“ und dem bekannten MP3-Player „iPod“ zusammen. Geboren wurde das auch als Audioblogging bekannte Format im Jahr 2000, als der amerikanische Publizist Tristan Louis erstmals das Konzept vorstellte. Durch den Softwareentwickler Dave Winer wurde 2003 dieses Konzept umgesetzt und erhielt durch Ben Hammersley seinen Namen. Als Pionier dieses Formates gilt der ehemalige MTV-Moderator Adam Curry mit seinem Podcast „Daily Source Code”. Inzwischen gibt es weltweit über 125.000 Podcast-Angebote.

          „Meine ganz eigene Spielwiese“

          In Deutschland sind Podcasts sehr beliebt. Sie haben sich in der Internetgemeinde bereits etabliert. Eine prominente deutsche Podcasterin ist Larissa Vassilian, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Annik Rubens und ihrem Podcast „Schlaflos in München”. Sie selbst bezeichnet ihre Sendung als ihre „ganz eigene Spielwiese, bei der es kein Format, keine Themen- oder Längenvorgabe gibt“. Die einzige Vorgabe sei für sie der Spaß an der Sache: „Das ändert sich natürlich über die Jahre: das können Portraits, Interviews, Kino- und Buchkritiken oder einfach mal Geschimpfe darüber sein, was mir in meinem Alltag begegnet. 'Schlaflos in München' ist ein sehr persönlicher, sehr privater Podcast, in dem ich all die Geschichten unterbringe, die ich in meinem Leben als Journalistin nicht unterbringen kann“, so die 33-Jährige.

          Zum Podcasting ist Annik Rubens eher durch Zufall gekommen: „Ich war im Internet unterwegs und stöberte nach Radiomoderatoren, die ich als Teenager gehört habe. Gefunden habe ich leider keinen, stieß aber auf Adam Curry und der machte eben so etwas, dass sich Podcasting nannte. Ich hörte mir ein paar Sendungen an und nach etwa ein bis zwei Wochen wollte ich wissen, wie das technisch funktioniert“. Der Gedanke zu Bloggen, was einem wesentlich geringeren Arbeitsaufwand entspräche, kam ihr trotz ihrer Vergangenheit als Print-Journalistin nie: „Ich weiß bis heute nicht warum. Das Bloggen wäre für mich doch viel näherliegend gewesen, aber ich spiele eben gerne mit Technik und mit der Stimme. Vielleicht liegt es daran“. Beim Ausprobieren wurde ohne große Intention „Schlaflos in München“ geboren, von dem sie anfangs nicht einmal glaubte, dass ihn jemand hören wird.

          Die Faszination, sein eigener Programmchef sein zu können

          Wie sich schnell herausstellte, lag Annik Rubens mit dieser Einschätzung falsch. Seit dem Launch von „Schlaflos in München“ im Jahr 2005 konnte das Format Erfolge feiern: Im selben Jahr wurde der Podcast mit dem amerikanischen Podcast Award in der Kategorie „Non-English Winner“ ausgezeichnet. 2006 folgte der Ehrenpreis des Deutschen Podcast-Award und 2008 der European Podcast Award in der Kategorie „Personality“. Heute erreicht die Sendung regelmäßig über 10.000 Hörer.

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