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Philips Speech Exec 10 im Test : Vom Vieldiktierer zum Bessersprecher

Diktate in der Warteschlange: Dutzende Aufnahmen im Überblick Bild: Spehr

Philips Speech Exec 10 ist eine Software für Diktatverwaltung und Spracherkennung. Günstig wird es im Paket mit Philips-Hardware. Wir haben der Software einiges diktiert.

          Wer seine Texte diktiert, verwendet nicht unbedingt eine Spracherkennung. Vielen Diktierenden, vor allem im Bereich der Juristerei oder Medizin, ist der Schritt zur digitalen Verarbeitung des gesprochenen Wortes zu groß. Man bleibt beim Bewährten, und das sind häufig die Sekretärin oder das Schreibbüro, die sich um Transkription und Weiterbearbeitung kümmern. Spracherkennung mit automatischer Umsetzung erfordert ein wenig Aufwand bei der Auswahl und Installation der besten Soft- und Hardware, und die einzelnen Komponenten müssen zusammenspielen. Wer sein Handmikrofon von Philips zur perfekten Kooperation mit dem Spracherkenner von Nuance bewegen will, benötigt zum Beispiel eine vermittelnde Software namens Device Control Center.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Nun will es Philips allen Skeptikern einfach machen: Eine Software löst alle Probleme, man muss sich nicht um die Details kümmern, und sie funktioniert mit oder ohne Nuance-Spracherkennung, mit oder ohne Schreibservice, und sogar der Smartphone-Einsatz ist möglich, aber nicht zwingend. Der Tausendsassa enthält zudem einen Dragon-Unterbau, also die Spracherkennungsmaschine des Marktführers Nuance, und er kommt zu einem attraktiven Preis.

          Sie verwendet die Erkennungstechnik von Dragon Professional 14

          Speech Exec 10 läuft nur unter Windows und ist gleichsam ein geringfügig abgespecktes Dragon-Paket mit neuer Oberfläche und vielen innovativen Extras. Die Software ist darauf zugeschnitten, dass sie vor allem den Workflow von Profi-Diktierern abbilden kann: Diktat, Transkription, Versand, Ablage. Sie verwendet die Erkennungstechnik von Dragon Professional 14, das ist die vorletzte Version des Profi-Paketes von Nuance für einen Basispreis zwischen 800 und 1000 Euro. Speech Exec 10 ist aber deutlich günstiger, kostet in Verbindung mit Spracherkennungs-Hardware von Philips einen Aufpreis von rund 300 Euro und liegt damit noch unterhalb des Preises der kleinen Dragon-Version Individual für rund 400 Euro.

          Einige Dinge fehlen im Angebot von Philips: Etwa die Möglichkeit, direkt in Anwendungssoftware wie Word oder Outlook diktieren zu können. Man muss die Texte von Speech Exec 10 aus kopieren. Auch ist die Philips-Software ungeeignet für Citrix und andere Terminals. Aber es wird nicht nur gespart: Speech Exec 10 hat die Roaming Profiles der teureren Dragon-Varianten, erlaubt es also, dass die Sekretärin mit dem Sprachprofil des Chefs arbeitet. Und sodann sind gleich sechs europäische Sprachen im Lieferumfang statt nur Deutsch und Englisch.

          Die Software stellt sich in erster Linie als Diktiersystem dar: Es geht also um Diktate, die in aller nur denkbarer Weise organisiert werden können. Sei es, dass Schlüsselbegriffe einen Versand anstoßen oder Fertiggestelltes über FTP auf den Weg gebracht wird. Es wird ein unglaublich flexibler Workflow für Kanzleien oder Praxen geboten, und die einzelnen Philips-Geräte wie Speechmike-Handmikrofon oder DPM-Diktiergerät lassen sich integrieren und programmieren. Wer nur die Spracherkennung nutzen will, diktiert in ein Editor-Fenster, kann ein wenig mit Schrift und Gestaltung experimentieren und wird entweder beim Philips-Workflow bleiben oder in ein Anwendungsprogramm kopieren. Während des Diktats und der unabdingbaren Korrektur stehen alle gewohnten Dragon-Kommandos zur Verfügung. Das betrifft nicht nur die Cursor-Steuerung oder das Auswählen von Text, sondern unter anderem auch die Korrekturoptionen und die Möglichkeit, das Vokabular zu bearbeiten.

          Die Anbindung an Dragon Anywhere, die Cloud-Anwendung von Nuance, wird in einem Menü gezeigt, tatsächlich aber nicht unterstützt. Dass Nuance-Bedienelemente und Philips-Menüs nicht immer perfekt zusammenpassen, sei ebenfalls erwähnt. Das Philips-Design brauchte noch ein bisschen Feinschliff, die Icons sind weder perfekt gezeichnet noch selbsterklärend. Das ist ein weiterer Minuspunkt. Aber alles in allem lohnt sich jedoch der Blick auf dieses interessante Paket, weil es sich geschmeidig in den Arbeitsfluss des Büros integriert und neue Wege beschreitet, um Vieldiktierer bestmöglich zu unterstützen.

          Quelle: F.A.Z.

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