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Nintendo Labo im Test : Auf die Pappe, fertig, los!

Bild: FAZ.NET

Ein bisschen Pappe zum Basteln für 70 Euro? Was nach teurem Spielzeug klingt, ist Nintendos innovativer Versuch, die Spielekonsole Switch mit der Realität zu verbinden.

          Nintendo erweitert mit Labo seine Switch-Konsole mit Pappkonstruktionen zum Selbstbauen und passenden Spielen. Das Variety Kit ist eine Basisversion, die fünf Modelle enthält. Und das Roboter Kit, in dem man eine Art Ganzkörperanzug baut, um einen Roboter am Fernseher zu steuern. Jedes Modell kommt mit einer ausführlichen Anleitung mit Animationen und Texten, die den Spieler Schritt für Schritt zum fertigen Modell führen. Nintendo gibt die Aufbauzeit zwischen zehn Minuten für das kleine ferngesteuerte Auto und bis zu dreieinhalb Stunden für das Klavier an.

          Daniel Blum

          Videoredakteur bei FAZ.NET.

          Wir haben Labo ausprobiert. Man sollte eine Menge Geduld mitbringen. Einige Konstruktionen verlangen viel Fingerspitzengefühl und Konzentration. Am Ende wird man belohnt mit einem Mechanismus, der aus Gummizügen und Papphebel besteht. Alle Modelle lassen sich ohne einen einzigen Schnitt oder Klebstoff aufbauen.

          Sobald alle „Toy-Cons“ – so nennt Nintendo die Pappen – aufgebaut sind, geht es erst richtig los. Das Spielerlebnisse sind häufig von kurzer Dauer, weil die Software nicht in die Tiefe geht. Zwar drückt und dreht man in den verschiedenen Spielen ständig auf einfachen Pappteilen herum, doch die eigentliche Eingabe ins Spiel erfolgt über die „Joy-Cons“. Diese werden an verschiedenen Modellen angebracht und übertragen so Bewegungen dank Gyroskop- und Beschleunigungssensor ins Spiel. Hinzu kommt eine Infrarotkamera im rechten Joy-Con, die mit Hilfe von reflektierenden Sticker Veränderungen auf Knöpfen und Hebeln feststellen kann.

          So zum Beispiel auch im Papphaus, wo ein kugelrundes Haustier wohnt. Mit verschieden Pappsteckern, die an der Seite und in den Boden eingestöpselt werden, kann man Einfluss auf den Innenraum des Puppenhauses nehmen. Der Kurbelstecker startet beispielsweise ein Mobilée, mit dem man das Tier zum Einschlafen bringen kann. Steckt man einen zweiten Stecker ein, starten je nach Kombination verschiedene Minispiele. Hier kämpft die Flauschkugel in Disziplinen wie Seilspringen und Bowling um Bonbons, mit denen man das Aussehen der Kreatur ändern kann.

          Das Motorrad liefert ein lineares Spielerlebnis. Per Bewegungssteuerung lenkt der Spieler es über verschiedene Rennstrecken. Dreht man am rechten Papplenker beschleunigt das Motorrad im Spiel. Gut gefällt uns das haptische Feedback. Die Vibrationen und Gummizüge im Griff wirken authentisch. Doch Vorsicht: Gerade am Gaspedal leidet die Pappe unter dem Dauereinsatz besonders. Bei uns entstanden hier schon nach kurzer Zeit ungewollte Verformungen. Hat man danach genug von der Raserei, kann man im Stadion-Modus auf Ballonjagd gehen oder seine eigene Strecke bauen.

          Unser Favorit im Variety Kit ist die Angel. Das zweiteilige Modell besteht aus der Rute und dem Rahmen für das digitale Meer. Bewegt man die Kurbel, sinkt oder steigt der digitale Angelhaken auf dem Bildschirm. Beißt ein Fisch an, vibriert die Rute und der Spieler muss ziehen. Auch hier entsteht durch eine Spule, die an Gummibändern aufgehängt ist und die Schnur auf Spannung hält, ein realistischer Eindruck.

          Das Klavier der Variety Kits ist ebenfalls spannend. Es ist das komplizierteste Element und bietet die meisten Spielmöglichkeiten. Zum Üben eignet sich der Standard-Modus. Hier kann man einfache Melodien auf nur einer Tonleiter spielen. Durch verschiedene Stecker lassen sich die Töne verändern. Wer Klavier spielen kann, wechselt in den Studio-Modus. Durch eine Schablone kann man sich immer wieder neue Karten bauen, die mit verschiedenen Schnittmustern gescannt werden können. Jedes Muster ergibt einen anderen Ton. Mit einer Lochkarte lassen sich Schlagzeugmuster einscannen. Eigene Kompositionen können sogar aufgenommen werden.

          In der Toy-Con-Werkstatt können Nutzer ihre eigenen Spiele programmieren. Das Ganze funktioniert nach dem einfachen Wenn-dann-Prinzip: auf Eingabe X folgt Befehl Y.

          Taucht man erst einmal ein in die Welt von Labo, verliert man sich schnell darin. Das Basteln hat meditative Züge, die Spiele sind kurzweilig und die Toy-Con-Werkstatt lässt nur erahnen, wie Nintendo in Zukunft Labo erweitern wird. Schon jetzt stellen viele Spieler ihre Kreationen im Internet zur Schau. Mit knapp 70 Euro ist das Variety Kit für etwas Pappe nicht wirklich günstig, bietet aber weitaus mehr Abwechslung als das 10 Euro teurere Roboter Kit.

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