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Netzwerkspieler im Test : So machen Sie Ihre HiFi-Anlage fit für Streaming

Von 55 bis 4200 Euro alles dabei: Bluetooth-Adapter und Netzwerkspieler im Test Bild: Wolfgang Eilmes

Wie lässt sich die gute alte Stereoanlage ins digitale Zeitalter retten? Ganz einfach: mit einem Netzwerkspieler. Der gibt die Musik von Diensten und Festplatten an den Verstärker weiter. Wir haben sieben Produkte getestet.

          Die Musik verliert allmählich ihre Tonträger. Sie wird immer häufiger in Form von Dateien konsumiert. Der Speicherort ist flexibel. Entweder liegen die Alben auf einem USB-Stick oder einer Festplatte. Oder Musikfreunde haben einen Streaming-Dienst im Internet abonniert. Auch dann liegen sie im weitesten Sinn auf einer Festplatte, nämlich auf den riesigen Servern von Spotify, Apple, Amazon, Tidal, Deezer oder Qobuz. In allen Fällen müssen Freunde digitaler Musik Smartphone, Computer oder andere digitale Geräte benutzen, um die Lieder speichern oder mit Programmen oder Apps online abrufen zu können. Doch wie kommt die Musik zur HiFi-Anlage, ohne dass ein lästiges Kabel beide Geräte miteinander verbindet?

          Ein mit dem HiFi-Verstärker verbundener Bluetooth-Adapter ist eine Möglichkeit. Wir haben exemplarisch zwei Produkte ausprobiert. Da ist zum einen der Adapter AEA 2700 von Philips für 55 Euro. Die Einrichtung dauert nur Sekunden: In der Bluetooth-Liste des Smartphones erscheint der Name des Geräts, sodass sich dieses, einmal ausgewählt, von nun an immer selbst mit dem Smartphone verbindet. Alle Audiosignale des Smartphones werden dann an diesen Adapter weitergegeben.

          Seine eigentliche Arbeit besteht darin, die digitalen Signale in analoge zu wandeln. Diese verlassen den Adapter über ein Miniklinkenkabel, an dessen Ende ein Cinch-Stecker wartet, der in den Eingang jedes Verstärkers passt. Die digitalen Signale können auch ungewandelt über den optischen oder koaxialen Ausgang weitergegeben werden. Die Bluetooth-Adapter sind praktisch, weil Nutzer weiterhin ihre gewohnten Apps und Programme verwenden können. Das Philips-Produkt verbindet sich übrigens mit bis zu drei Teilnehmern gleichzeitig, wobei freilich immer nur einer erhört wird. Wer den Play-Button in seiner App drückt, zwingt automatisch den anderen zur Pause.

          Yamaha NP-S303: Das Schnäppchen unter den Netzwerkspielern Bilderstrecke

          Unser zweiter Bluetooth-Adapter stammte von Audioquest. Der Beetle gleicht dem AEA 2700 in Form und Material, mit 200 Euro ist er allerdings weitaus teurer. Auf den ersten Blick kann er sogar weniger. Anders als der Philips-Adapter hat das Audioquest-Produkt einen einzigen Ausgang: die analoge Miniklinke. Die digitalen Signale, die per Bluetooth zum Beetle gelangen, werden also immer in analoge gewandelt, bevor sie zur Anlage gelangen. Damit legt der Hersteller bewusst den Fokus auf die Qualität des Digital-Analog-Wandlers (DAC). Der ESS-Sabre-Chip kann sogar als reiner Wandler unabhängig von Bluetooth eingesetzt werden, indem man ihn kabelgebunden etwa per USB zwischen ein Notebook und die Anlage setzt oder per optischer Verbindung als Glied zwischen altem CD-Player und Anlage.

          Sollte man diese Anschlussmöglichkeiten nicht brauchen, verspricht Audioquest dennoch einen Vorteil gegenüber gewöhnlichen Bluetooth-Adaptern. Der Beetle hat eine eigene „Clock“. Ein solcher Taktgeber wird in der audiophilen Welt häufig als Heilmittel gegen sogenannten Jitter angeboten. Der kann so entstehen: Alle Smartphones, Tablets, Computer haben eine eigene Clock, die für die Arbeiten des Prozessors den Takt vorgibt. Diese ist auch für die Abtastfrequenz des Audiosignals verantwortlich. Digitalisierte Musik besteht letztlich aus Informationen, die Sinuskurven in vielen kleinen Abschnitten darstellen und für einen bestimmten Zeitpunkt den Amplitudenwert angeben. Arbeitet die Clock nicht exakt, bekommt die Sinuskurve ganz kleine Dellen, weil der Amplitudenwert nicht an der richtigen Stelle ausgelesen wird, sondern ein bisschen davor oder danach. Um diese Ungenauigkeit zu vermeiden, legen einige Hersteller viel Wert auf ihre eigene Clock, die hinreichend exakt ist. So hat Audioquest einen eigenen Taktgeber in seinen Beetle gesteckt.

          Netzwerkspieler sind flexibler und komplexer

          In der Übertragung verlustfrei, flexibler und komplexer sind Netzwerkspieler, die Daten über das heimische W-Lan austauschen. Wenn diese ein Zertifikat der „Digital Living Network Alliance“ (DLNA) bekommen haben, was bei sehr vielen der Fall ist, entsteht ein nahtloses Zusammenspiel mit Smartphone und Server. Jedes Gerät kennt dann seine Funktion im Netzwerk, spricht in der gleichen Sprache und kann sich mit den anderen Mitgliedern unterhalten. Beim Streaming nehmen die Komponenten immer eine dieser drei Rollen an: „Server“ speichern die Musik und stellen sie zur Verfügung. Das können USB-Stick, Festplatte im heimischen Netzwerk (NAS) oder Server eines Streaming-Diensts sein. „Controller“ wie etwa Smartphones oder eine beiliegende Fernbedienung ermöglichen die Interaktion zwischen dem Server und dem Netzwerkspieler (Renderer). Sie lösen den Datenstrom auf dem Server über die App oder die Tasten aus und sagen dem Netzwerkspieler, dass Signale kommen und was er damit zu tun hat. Dieser nimmt die Daten, die sich auf den Weg gemacht haben, entgegen und spielt sie ab.

          Wir haben fünf Netzwerkspieler getestet: Yamaha NP-S303, Bluesound Node 2, Cambridge Audio CXN 2, Raspberry Pi mit Hifiberry-Aufsatz (siehe Kasten am Ende des Textes) und den Auralic Aries G2. Bis auf das Modell von Auralic sind alle Geräte in Funktionsweise und Ausstattung ähnlich. Der chinesische Hersteller hatte schon mit dem Vorgängermodell Aries Femto eine eigenwillige und konsequente Haltung gezeigt, indem er eine eigene Gattung geschaffen hat. (Manche werden behaupten, dass es Logitech mit der Squeezebox war.) Im Vergleich zu den anderen Netzwerkspielern steckt im Aries nämlich kein Digital-Analog-Wandler (DAC). Die Daten werden also vom Server digital abgeholt und „nur“ in dieser Form über die verschiedenen Ausgänge weitergegeben. Deshalb hat sich für diese Art von Gerät auch der Begriff „Streaming-Bridge“ etabliert: ein reiner Verwalter und Übermittler von digitalen Audiosignalen.

          Die Clock, die Jitter vertreiben soll

          Der Schock dürfte nun entsprechend groß sein, wenn die Angabe des Preises folgt. Mit 4200 Euro ist das Gerät mit Abstand am teuersten, obwohl es ein reiner Renderer ist. Wer noch keinen DAC besitzt, müsste diesen noch dazukaufen. Auralic wirbt mit exquisiten Komponenten: aus einem Alublock gefrästes Chassis, vibrationsschluckende Gerätefüße, vier Zoll großes Farbdisplay in hoher Auflösung, schneller Prozessor, acht Gigabyte Arbeitsspeicher, galvanische Trennung der Schaltkreise, zwei integrierte Netzteile, Platz für eine interne Festplatte und einiges mehr. Auch haptisch unterscheidet sich der Aries G2 von den anderen Netzwerkspielern. Er ist viel schwerer, seine Verarbeitung sehr hochwertig und das Design individuell. Auralics Argument für den hohen Preis ist im Wesentlichen der besondere Klang, für den – neben den erwähnten Hardwarekomponenten – die Clock hauptverantwortlich sein soll. Sie hat die gleiche Aufgabe wie in Audioquests Beetle: Jitter zu vertreiben. Des weiteren haben die Chinesen mit der App Lightning DS, die auch in allen anderen Geräten von Auralic zum Einsatz kommt, eine Anwendung im Angebot, die seit vielen Jahren weiterentwickelt wird und auf einem sehr ausgereiften Niveau ist.

          An ihr lässt sich exemplarisch zeigen, wie eine App eines Netzwerkspielers aussehen sollte. In Lightning DS lassen sich die Streaming-Dienste Tidal und Qobuz aktivieren, so dass man direkt von der App aus auf die Musik zugreifen kann. Ebenso werden Musikdateien auf einer internen, externen oder ins Netzwerk eingebundenen Festplatte berücksichtigt. Die App ist bewusst schlank gehalten, so dass die Suche nach der Musik im Vordergrund steht. Ob ein Album auf Festplatte, USB-Stick oder Servern von Tidal oder Qobuz liegt, macht in der Suche für den Nutzer keinen Unterschied. Lightning DS berücksichtigt alle Speicherorte. Das gilt auch für Playlists: Man kann seine Favoriten aus den verschiedenen Ablagen erstellen.

          Anschlüsse sind bei allen Netzwerkspielern ausreichend

          Nun muss man den anderen Herstellern zugestehen, dass sie bezüglich Software aufgeholt haben und ähnlich übersichtliche Apps anbieten. Allen voran Yamaha. Die App Musiccast, die Yamaha für alle seine multiroomfähigen Geräte einsetzt, kann sogar noch mehr, weil über sie zum Beispiel in Amazons Alexa integriert werden kann und der NP-S303 somit auch auf Sprachbefehle hört. Die Anzahl der einzubindenen Dienste ist Geschmacksache. In der Yamaha-App finden sich Schnittstellen für Spotify, Deezer, Tidal, Qobuz oder Napster. Bluesound hat außer diesen noch weitere Dienste im Angebot, unter anderem auch Amazon Music. Auralic beschränkt sich wohl bewusst auf Tidal und Qobuz, weil diese die Lieder unkomprimiert auf ihren Servern zur Verfügung stellen. Cambridge Audio verbindet sich nur mit Spotify und seit kurzem erst mit Tidal. Sollte also jemand ein treuer Qobuz-Fan sein, kann er den CXN 2 nur eingeschränkt nutzen. Die Anschlussmöglichkeiten sind bei allen Netzwerkspielern ausreichend.

          Es gibt mindestens einen optischen und coaxialen Ausgang in der Digitalsektion und einen analogen Cinch-Ausgang wie bei Yamaha. Bluesound ergänzt die Mindestausstattung mit digitalen Eingängen, um den Digital-Analog-Wandler für andere Geräte nutzen zu können. Cambridge Audio spendiert seinem CXN 2 so ziemlich alles, was möglich ist, darunter auch einen XLR-Ausgang. An die drahtlose Vernetzung haben die Briten auch gedacht. Das beiliegende W-Lan-Dongle muss allerdings erst noch in die entsprechende Buchse des CXN 2 gesteckt werden.

          Blendet man den Klang als Bewertungskriterium erst einmal aus, drängt sich zunächst der Preis als solches in den Vordergrund, weil die vorgestellten Netzwerkspieler in ihrer Funktionalität sehr ähnlich sind. Und da ist der NP-S303 von Yamaha für 350 Euro unschlagbar. Wer einen Farbbildschirm will, der das Cover des Albums abbildet, möglichst viele Anschlüsse für seine Anlage benötigt und sich auf zwei Streaming-Dienste beschränken kann, ist mit dem CXN 2 gut beraten, der allerdings das Dreifache kostet. Cambridge Audio und Yamaha zielen letztlich auf eine ähnliche Kundschaft. Das Gehäuse hat klassische HiFi-Maße, das Design entspricht den anderen Komponenten des Herstellers. Markentreue könnten ihre Stereoanlage einheitlich ergänzen. Ein Geheimtipp für alle, die sich vom Image der klassischen HiFi-Anlage lösen wollen, ist der Node 2 von Bluesound für 550 Euro. Das Produkt ist wesentlich kleiner, hat eine gute App, orientiert sich in Design und Material an modernen Audioprodukten von Sonos, Apple oder Amazon und macht alles, was es soll.

          Nun zum Klang und somit auch zum Aries G2. Wenn sich Gehäuse, Design, Hardware und Software im Vergleich zu den anderen Netzwerkspielern absetzen, muss es für diesen Preis der Klang umso deutlicher tun. Doch das Niveau der anderen ist recht hoch, so dass es im direkten Vergleich eher Nuancen sind, die den Klang des Aries G2 ausmachen. So haben wir es jedenfalls gehört. Etwas feiner und klarer mag der Klang des Aries für manchen sein. Doch für viele Ohren sind die Unterschiede zwischen den Produkten nicht zu hören. Selbst der Raspberry Pi mit dem Hifiberry-Aufsatz, der im gleich folgenden Kasten beschrieben wird, kann locker mithalten. Ein Kollege empfindet den Klang sogar als lebendiger und natürlicher.

          Mit dem Raspberry Pi einen Netzwerkspieler bauen

          Es gibt auch einen Netzwerkspieler als Bausatz. Die Basis ist ein Raspberry Pi: ein Mini-Computer in der Größe einer Zigarettenschachtel. Wir haben ihn online für 33 Euro plus Netzteil für zehn Euro gekauft. Im Internet gibt es auch Gratis-Betriebssysteme zum Herunterladen. Sie werden auf einer Micro-SD-Karte gespeichert und in den Raspberry Pi gesteckt. Wir haben Volumio ausgewählt, um Musik in einem Netzwerk streamen zu können. Volumio gilt bei vielen als Favorit für diesen Zweck. Konfiguriert wird das Betriebssystem mit Hilfe des Browsers oder einer App. Da der Raspberry Pi nur über einen Mini-Klinkenausgang verfügt, bietet es sich an, den Mini-Computer mit einer Soundkarte zu erweitern. Auch hier hat die Fangemeinde einen Favoriten: Hifiberry. Der Schweizer Hersteller bietet verschiedene Module an. Allen gemeinsam ist die Verbindung mit dem Raspberry Pi. Die Soundkarte wird auf die dafür vorgesehene Pinleiste gesteckt. Praktischerweise liefert der Hersteller für zehn Euro auch die passenden Gehäuse. Mit etwas Geduld und spitzen Fingern haben Bastler nach einer halben Stunde einen kleinen Kasten, der im Wesentlichen das kann, was die oben vorgestellten Netzwerkspieler auch können: Musik streamen und die digitalen Signale in analoge wandeln. Hifiberry hat sogar eine reine Streaming-Bridge (siehe oben) für 35 Euro im Angebot. Die Digi+ Pro hat eine eigene Clock an Bord. Um mit dem Smartphone komfortabel diesen Netzwerkspieler Marke Eigenbau bedienen zu können, sollten Androidnutzer noch einmal vier Euro für die dann werbefreie App Bubble ausgeben. Sie gehört zu den besten Anwendungen für diesen Zweck. Ihre Funktionalität entspricht in etwa denen der Apps von den Herstellern. Server von Streamingdiensten können ebenso wie Festplatten ausgewählt werden. Die Renderer mit DLNA- Zertifikat werden aufgelistet. Unser Bausatz kostet 84 Euro. Bis die Musik ertönt, brauchen Bastler Geduld und müssen mit Hindernissen rechnen. Doch wer sich für die Kombination aus Raspberry Pi und Hifiberry-Aufsatz entscheidet, bekommt für weniger als 100 Euro einen ordentlichen, gut klingenden Netzwerkspieler. made.

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