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Leica TL2 ausprobiert : Eine Skulptur von Kamera

Sanfte Kanten, keine Knöpfe Bild: Pardey

Ein massiver Alublock wird aufgebohrt, ausgehöhlt und dann von Hand beschliffen. So entsteht die Leica TL2. Die neue Version ist vor allen Dingen schneller geworden.

          Als Leica 2014 sein T-Modell vorstellte, aus dem zwei Jahre später durch Überarbeitung die Leica TL wurde, war viel die Rede davon, das Gehäuse der Kamera sei tatsächlich aus dem sprichwörtlichen Vollen gefräst: Ein massiver Alublock wird aufgebohrt und ausgehöhlt und dann von Hand beschliffen. Auch der aktuellen Leica TL2 soll dieses aufwendige Verfahren Robustheit garantieren. Dabei fällt eine deutliche Veränderung zum Besseren auf: Ohne einen Blick auf die technischen Daten werfen zu müssen, ertastet die Hand die sanfter verrundeten Kanten des Gehäuses. Nur die Senkrechte des Griffwulstes an der Front hat die harte Kantigkeit der früheren T- und anderer Leica-Modelle behalten.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Was auf dem Zeichenblock von Audi Design und auf Produktfotos sicherlich hervorragend aussieht, fühlt sich im Gebrauch manchmal unangenehm scharf an. Obwohl die stärkere Brechung der Konturen kaum zu sehen ist, macht sie die Kamera schon beim ersten Anfassen spürbar sympathischer. Dabei ist sie so glatt geblieben, dass man öfter besorgt ist, der solo rund 350 Gramm wiegende Body könne einem aus der Hand rutschen.

          Die Leica T/TL rangiert mit einem APS-C-Sensor (23,8 × 15,7 Millimeter) nach wie vor im Programm der Wetzlarer unter den Modellen mit Vollformat-Sensor. Noch deutlicher als andere Leicas, die ihren Werkzeug-Charakter betonen, spielt sie in Schwarz oder Silber eloxiert die Rolle eines Accessoires. Zugleich zielt sie mit ihrem Bedienkonzept auf ein jüngeres Publikum, das mit dem Wisch-und-Weiter des Smartphones sozialisiert wurde. Daher kommt die TL2 mit zwei Stellrädchen und ohne die beschrifteten Tasten anderer Kameras aus.

          Alles, was man einstellen möchte oder muss, findet der Benutzer als Schaltflächen zum Berühren auf dem die Rückseite des Gehäuses dominierenden 3,7-Zoll-Monitor (1,3 Millionen Bildpunkte). Praktisch bedeutet das: In den allermeisten Fällen reicht es nicht, an einem der beiden Rädchen unmittelbar eine Einstellung vorzunehmen. Stattdessen muss zunächst von der Sucher-Ansicht zum Menü der Einstellmöglichkeiten umgeschaltet werden, um dann die gewünschte Änderung zu kommandieren.

          Die Leica TL2 gibt sich puristisch.

          Das rechte der beiden perfekt plazierten Drehräder wechselt seine Funktion abhängig von der Betriebsart, das linke lässt sich mit einer (eingeschränkten) Auswahl verschiedener Funktionen belegen, ebenso die Funktionstaste oben auf dem Gehäuse. Auch kann man sich die Auswahl, die der Touchscreen in dem My Camera genannten Menü anbietet, individuell zusammensuchen. Trotzdem bleibt eine manuelle Bedienung der TL2 eher umständlich. Am besten lässt der Schnappschussfotograf sie mit ihrer Programm-Automatik und den Allerwelts-Einstellungen allein machen, was sie für richtig hält.

          Eine Reportage-Kamera, die blitzschnell an wechselnde Aufnahmesituationen angepasst werden kann, ist das schöne Stück gewiss nicht. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man mit dem elektronischen Aufstecksucher Visoflex (2,4 Megapixel, 450 Euro) arbeitet. Der neigbare Sucher bereichert die Kamera zwar um ein GPS-Modul, nimmt ihr aber als vergleichsweise großer Aufsatz leider ihre Kompaktheit und ärgert zudem den Brillenträger durch seitlich einfallendes Licht.

          Neu an der TL2 sind der 24-Megapixel-Sensor und ein Maestro-II-Bildprozessor. Leica hebt die dadurch stark verbesserte Geschwindigkeit des Autofokus hervor. War die beim früheren T-Modell ein Punkt, der zu Kritik Anlass bot, so ist die Leistung der auf Kontrastmessung beruhenden Scharfstellung nun immer noch kein Anlass zu besonderen Begeisterungsstürmen. Da hat der Wettbewerb doch andere Rennpferde am Start. Die TL2 kann nun auch 4K-Video. Die Reihe der für den APS-C-Sensor gerechneten TL-Objektive mit dem L-Bajonett umfasst sechs Optiken, je drei feste und drei variable Brennweiten zwischen rund 17 und 200 Millimeter Kleinbildäquivalent.

          Durch Adapter passen auch M- und R-Objektive, wobei mit denen auf den Autofokus verzichtet werden muss. Die Bildqualität ist ganz Leica – wie auch die Preise: 1950 Euro kostet das Gehäuse, das abgebildete Vario-Elmar-Tl 1:3,5-5,6/18-56mm ASPH 1550, macht also ohne den Sucher zusammen 3500 Euro für eine vor allem schicke Kamera.

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